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Antisemitische Rede: Islamratsmitglied tritt nach harscher Kritik zurück

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Der Islamrat zieht Konsequenzen: Nachdem ein Video mit einer antisemitischen Rede des Vorstandsmitglieds Abu Bakr Rieger aufgetaucht war, trennte sich der Verband jetzt von dem deutschen Konvertiten. Rieger gab seinen Rücktritt bekannt.

Berlin - Die von Abu Bakr Rieger herausgegebene "Islamische Zeitung" zitiert aus dem Rücktrittsschreiben: "Um absolut sicherzustellen, dass aus der Berichterstattung der letzten Tage bezüglich meiner Person kein Schaden für die Sache der Muslime in Deutschland entsteht, trete ich hiermit von meiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Islamrats zurück", erklärt Rieger darin. Rieger war seit Juli Vorstandsmitglied des Islamrats, einem wichtigen Dialogpartner auf der Islamkonferenz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Rieger damals am Pult: Er zog Konsequenzen

Rieger damals am Pult: Er zog Konsequenzen

Über eine antisemitische Rede, die Rieger in den neunziger Jahren hielt, berichtete SPIEGEL ONLINE gestern.

Rieger habe sich mehrmals für seine Rede entschuldigt, man habe lange mit ihm diskutiert, "nun mussten Konsequenzen gezogen werden", sagt der Vorsitzende des Islamrats Ali Kizilkaya zu SPIEGEL ONLINE. Die Rede Riegers aus dem Jahr 1993 oder 1994 sei "nicht haltbar und nicht hinnehmbar". Er möchte deutlich machen, dass die antisemitischen Aussagen Riegers "absolut gegen die Haltung des Islamrats verstoßen". Über einen Ersatz für Rieger werde der Vorstand nun beraten.

Nach Bekanntwerden des Videos hatten gestern Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sowie die SPD-Politikerin Lale Akgün Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dazu aufgefordert, den Islamrat nicht länger als Dialogpartner auf dem Islamgipfel der Bundesregierung einzuladen. Nach dem Rücktritt Riegers sagt Bosbach heute zu SPIEGEL ONLINE: "Das war eine notwendige Konsequenz." Eine weitere Teilnahme des Islamrats auf Schäubles Gipfel müsse davon abhängig gemacht werden, wie sich die Organisation weiterhin inhaltlich von den antisemitischen Äußerungen Riegers distanziere. Über die Zusammenarbeit müsse nun das Innenministerium entscheiden.

Der Islamrat ist eine der großen muslimischen Organisationen, die auf der Islamkonferenz von Innenminister Schäuble sitzen. Zusammen mit dem Zentralrat der Muslime, dem Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) sowie der türkisch-islamischen Organisation Ditib bildet der Islamrat den Koordinierungsrat der Muslime (KRM). Der KRM strebt die Anerkennung als Religionsgemeinschaft an und will als zentraler muslimischer Ansprechpartner der deutschen Regierung fungieren.

Mitarbeit: Jan-Philipp Hein

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