Antisemitismus-Affäre Hohmann-Unterstützer droht Parteiausschluss

Der Skandal um den umstrittenen hessischen CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann hat nun auch Nordrhein-Westfalen erfasst: Ein CDU-Ratsherr aus Recklinghausen stellte sich öffentlich hinter Hohmann. Nun soll er, genau wie Hohmann, aus der Partei ausgeschlossen werden.




CDU-Abgeordnter Martin Hohmann: Unterstützung aus Nordrhein-Westfalen
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CDU-Abgeordnter Martin Hohmann: Unterstützung aus Nordrhein-Westfalen

Berlin - "Man darf in Deutschland nicht mehr die Wahrheit sagen" - Ein Schild mit diesen Worten befestigte der Recklinghauser CDU-Ratsherr Hans Knoblauch im Schaufenster seines Wahlkreisbüros. Daneben hatte Knoblauch die mit antisemitischen Klischees durchsetzte Rede Hohmanns vom 3. Oktober gehängt. Nun hat auch der nordrhein-westfälische Landesverband der Christdemokraten seinen Antisemitismus-Skandal. Und möglicherweise noch vor seinem Parteifreund Hohmann droht auch Knoblauch jetzt der Ausschluss aus der CDU.

"Die Haltung Knoblauchs deckt sich nicht mit den Grundsätzen der CDU", erklärte der Kreisverbandschef der Union, Lothar Hegemann, und kündigte ein Parteiausschlussverfahren gegen Knoblauch an. In einem zuvor abgehaltenen Gespräch hatte sich Knoblauch ebenso wie Hohmann geweigert, von seiner Position abzurücken.

Hohmann-Unterstützer ist Mitarbeiter eines Bundestagsabgeordneten

Knoblauch habe keine Einsicht gezeigt, teilte der Kreisverbandschef Hegemann mit. "Daher werden wir ihn im Kreisvorstand seiner Parteiämter entheben und das Ausschlussverfahren einleiten." Knoblauch ist nicht nur Ratsherr, sondern auch Delegierter und Beisitzer im Ortsverband Recklinghausen-Süd. Seit zwei Monaten sitzt er zudem im Kreistag.

Pikant ist darüber hinaus, dass Knoblauch laut Hegemann auch das Wahlkreisbüro des CDU-Bundestagsabgeordneten Erwin Marschewski leitet, der innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist.

"Ich habe Marschweski, der auf einer Auslandsreise ist, telefonisch unterrichtet", erklärte Hegemann. "Marschewski hat auch erklärt, dass Knoblauch für ihn damit untragbar geworden ist."

Kritik an Hohmanns Fraktionsausschluss

Am Freitag muss Knoblauchs Noch-Chef Marschweski mit seinen Fraktionskollegen in Berlin über den Ausschluss Hohmanns aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion abstimmen. Die Entscheidung, gegen des Abgeordneten aus dem Wahlkreis Fulda ein Ausschlussverfahren aus Partei und Fraktion anzustreben, hatte die Parteispitze der CDU überraschend am Montagnachmittag getroffen. Zuvor hatte es geheißen, Hohmann sei mit einer Rüge und dem Abzug aus dem Innenausschuss des Bundestages genügend gestraft.

Für die Abstimmung am Freitag wird eine deutliche Mehrheit gegen Hohmann erwartet. Am Mittwoch wurde eine erste kritische Stimme innerhalb der Fraktion laut. "Ich halte die Entscheidung für einen menschlichen Fehler", sagte der CSU-Abgeordnete Norbert Geis dem Bayerischen Rundfunk. Hohmanns Rede sei falsch verstanden worden.



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