Antisemitismus-Affäre Untersuchung der Bundeswehr gefordert

Nach der Entlassung von Brigadegeneral Günzel fordern Abgeordnete der rot-grünen Koalition jetzt eine umfassende Untersuchung der Bundeswehr. Der KSK-Chef hatte den CDU-Abgeordneten Hohmann für dessen antisemitische Rede zum Tag der deutschen Einheit gelobt. Hohmann hatte darin die Juden mit dem Begriff "Tätervolk" in Verbindung gebracht.




Vorlauter Krieger: Rainhard Günzel, Ex-Kommandeur der Elite-Truppe KSK
REUTERS

Vorlauter Krieger: Rainhard Günzel, Ex-Kommandeur der Elite-Truppe KSK

Berlin - "Es muss kritisch geprüft werden, wie ein Mensch mit einer solchen Denkstruktur Brigadegeneral gerade in einer Eliteeinheit wird", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold der "Financial Times Deutschland". "Das Thema müssen wir uns vornehmen", fügte sein Grünen-Kollege Winfried Nachtwei hinzu.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Reinhold Robbe (SPD), forderte totale Transparenz und eine offensive Diskussion innerhalb und außerhalb des Bundeswehr. Der Politiker fügte hinzu: "Wenn wir noch mehr solcher Leute in der Bundeswehr-Führung haben, dann haben wir eine Problem."

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, nannte den Schritt, den Chef der Elitetruppe "Kommando Spezialkräfte" zu entlassen, beispielhaft.Er sagte der Zeitung "Die Welt", Verteidigungsminister Peter Struck verdiene volle Anerkennung, weil er so schnell reagiert habe. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel solle sich daran ein Beispiel nehmen und sich nun von Hohmann trennen. Hohmann sollte aus Fraktion und Partei ausgeschlossen werden.

Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, sprach von einer schnellen und richtigen Entscheidung. Er bedauere, dass es nicht zum gleichen Verfahren bezüglich des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann kommen konnte. Es sollte Anlass zum Nachdenken geben, dass 60 Jahre nach der Schoah Teile der deutschen Gesellschaft sich nicht vom traditionellen Antisemitismus befreit haben, fügte er im "Hamburger Abendblatt" hinzu.

Der CSU-Verteidigungsexperte Hans Raidel nahm Günzel in Schutz. Günzel sei beim besten Willen kein Rechtsradikaler, sondern ein Mensch mit Grundsätzen, sagte Raidel der "Berliner Zeitung".

Struck hatte Günzel am Dienstag entlassen, weil dieser die umstrittene Rede des CDU-Abgeordneten Martin Hohmann gelobt hatte, in der im Zusammenhang mit der kommunistischen Revolution in Russland Juden mit dem Begriff Tätervolk in Zusammenhang gebracht werden.



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