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Antisemitismus: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Berliner Hassprediger

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Imam Ismail in der Al-Nur-Moschee: Verdacht der Volksverhetzung Zur Großansicht
YouTube/ MEMRITV

Imam Ismail in der Al-Nur-Moschee: Verdacht der Volksverhetzung

Sheikh Abu Bilal Ismail wetterte in der Berliner Al-Nur-Moschee gegen Juden. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Der Vorwurf: Volksverhetzung.

Nachdem seit Wochenbeginn 15 Strafanzeigen wegen Volksverhetzung gegen den Berliner Imam Sheikh Abu Bilal Ismail bei der Polizei eingegangen waren, nimmt nun die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Mann auf. "Wir ermitteln wegen des Anfangsverdachts auf Volksverhetzung", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Am vergangenen Samstag war auf YouTube ein Video aufgetaucht, das den Imam bei einer antisemitischen Predigt in der Al-Nur-Moschee im Berliner Stadtteil Neukölln zeigen soll. Ismail wetterte in seiner Rede gegen den Staat Israel und betete für die Vernichtung aller Juden weltweit. Er bezog sich dabei auf den aktuellen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern im Gazastreifen. Gaza sei "das Land des Ruhms, das Land der Ehre, das Land des Dschihad", die Juden hingegen bezeichnete er als "Schlächter von Propheten", die der muslimische Gott Allah "schrecklich leiden" lassen solle.

Das Video der mutmaßlichen Tat beschäftigt seit dem Upload am Samstag die Berliner Polizei: "Wir haben uns das Video der mutmaßlichen Tat übersetzen und von einer Islamwissenschaftlerin prüfen lassen", erklärte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Daraus leite sich der Anfangsverdacht der Volksverhetzung ab.

Einer der zahlreichen Strafanzeigen gegen der Berliner Imam stammt von Hakan Tas, dem sicherheitspolitischen Sprecher der Partei Die Linke im Berliner Abgeordnetenhauses. "Solche Äußerungen sind unmöglich und müssen geahndet werden", sagte Tas SPIEGEL ONLINE. Deshalb habe er einen Aufruf an alle türkischstämmigen Bundes- und Landtagsabgeordneten gestartet, in dem er sie dazu aufforderte, gemeinsam mit ihm Anzeige gegen den Hassprediger Ismail zu erstatten. Auch der Zentralrat der Juden erstattete nach eigenen Angaben am Dienstag Anzeige gegen Ismail.

Am Wochenende war es in Berlin mehrfach zu antiisraelischen Demonstrationen gekommen. Die Polizei begleitete die Demonstrationen zwar mit einem Großaufgebot, griff aber nicht ein. Doch der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) kündigte an, dass die Beamten bei kommenden Veranstaltungen reagieren würden. "Die Polizei wird unter Wahrung des Rechts auf Versammlungsfreiheit und der Meinungsfreiheit gegen antisemitische Äußerungen konsequent vorgehen", erklärte Henkel.

mit Material von dpa

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