Antisemitismus-Streit Karsli kann's nicht lassen

Der Ex-Grüne Jamal Karsli facht den Antisemitismus-Streit wieder an. Er stellte Strafanträge wegen Verleumdung gegen die Zentralrats-Mitglieder Paul Spiegel und Michel Friedman. Zugleich wiederholte er seinen Vorwurf, eine zionistische Lobby übe Einfluss in den Medien aus.


Karsli im Landtag: Fühlt sich vom Zentralrat der Juden verleumdet
DDP

Karsli im Landtag: Fühlt sich vom Zentralrat der Juden verleumdet

Frankfurt am Main - Karsli kündigte am Freitag in Düsseldorf an, er werde gegen den Präsidenten des Zentralrates der Juden, Paul Spiegel, und dessen Stellvertreter Michel Friedman klagen, weil diese ihm antisemitische Äußerungen vorgeworfen hätten.

Karsli wirft Spiegel und Friedman "Verleumdung und Ehrverletzung" vor. Er sei das "Opfer einer ungeheuerlichen Verleumdungskampagne". Seine kritischen Aussagen zum Vorgehen der israelischen Armee gegen die Palästinenser und der Vergleich mit Nazi-Methoden würden auch von israelischen Friedensaktivisten geteilt, meinte der Ex-Grüne und nunmehr parteilose nordrhein-westfälische Landtagsabgeordhnete.

Karsli bekräftigte ebenfalls den Vorwurf, eine "zionistische Lobby" übe großen Einfluss auf die Medien aus. Die Kampagne gegen seine Person sei der beste Beweis dafür.

Zugleich kündigte er weitere Auftritte gemeinsam mit dem stellvertretenden FDP-Vorsitzenden Jürgen Möllemann zum Thema Nahostkonflikt an. Auf Einladung mehrerer arabischer Gesellschaften wollten beide am 29. Juni in Essen über den Nahostkonflikt referieren. Eine weitere Veranstaltung solle in Berlin stattfinden. "Ich lasse mir nicht verbieten, dass ich mit Möllemann auftreten darf", sagte Karsli. Es handele sich aber nicht um FDP-Veranstaltungen.

Möllemann hatte Karsli nach seinem Austritt aus den Grünen in die FDP geholt. Nach Druck der FDP-Parteispitze zog der Deutsch-Syrer seinen Antrag auf Mitgliedschaft wieder zurück, blieb aber zunächst als parteiloser Abgeordneter in der FDP-Landtagsfraktion in Düsselsdorf. Nach wochenlangen Debatten über seine Person hatte Karsli Anfang Juni auch seine Mitarbeit in der Fraktion aufgegeben.

Zentralratsmitglieder Friedman und Spiegel mit Schröder: Opfer einer Strafanzeige
AP

Zentralratsmitglieder Friedman und Spiegel mit Schröder: Opfer einer Strafanzeige

Unterdessen verteidigte sich der frühere Arbeitsminister Norbert Blüm gegen Kritik an seiner Person. Der Christdemokrat hatte in den Militäraktionen Israels gegen die Palästinenser nicht als Abwehrkampf gegen Terrorismus bewertet, sondern darin "nur Vernichtung" gesehen. Gegenüber dem Tagesspiegel betonte er am Freitag, er sei ein Freund Israels. "Und jene Israelis, die in Israel gegen Premier Ariel Scharons Politik auf die Straße gehen, sind genauso wenig Antisemiten wie ich."

Der langjährige Arbeitsminister betonte, er verurteile die Selbstmordattentate radikaler Palästinenser als "barbarisch". Wenn aber "unbequeme Wahrheiten sofort mit dem Hammer des Antisemitismus zusammengeschlagen" würden, sei dies "eine Form von Denkverbot", sagte er.



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