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Anwalt Lehr: Der Wulff-Verteidiger

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Gernot Lehr ist der Mann, der Christian Wulff aus der Schusslinie bringen soll: Der Anwalt berät den Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienkrise. Er glaubt fest, dass sein Mandant im Amt bleibt - jetzt gerät er allerdings selbst in die Kritik.

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DPA

Rechtsanwalt Lehr: "Eine andere Intensität"

Hamburg - Einen besonders gestressten Eindruck macht Gernot Lehr nicht. Dabei steckt der Bonner Medienanwalt mitten in einer Mammutaufgabe, die er selbst als "sehr hart" bezeichnet, seine Arbeitstage dauern im Schnitt "deutlich länger als zwölf Stunden". Er soll Bundespräsident Christian Wulff mit so geringer Beschädigung wie möglich durch die Kredit- und Medienaffäre leiten. Lehr ist derzeit wohl der meistzitierte Rechtsvertreter des Landes.

Der 54-Jährige gilt als absoluter Medienprofi, Politiker und Promis bemühen ihn, wenn es sich zu rechtfertigen gilt. Ein Auszug aus seiner Klienten-Kartei:

  • 2007 hatte die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in einem Radiointerview beklagt, streikende Ärzte würden "Patienten oder kranke Menschen in Geiselhaft" nehmen. Zwei Ärzte hatten kurz darauf auf Unterlassung geklagt. Vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe scheiterten beide gegen Schmidt und Lehr.

  • Im Jahr 2000 war Lehr für den damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse tätig. Dieser hatte zwei TV-Journalisten Hausverbot erteilt, weil diese auf den Toiletten des Bundestags einen Kokaintest gefilmt hatten. Der Verweis wurde vom Gericht jedoch letztlich gekippt.

Das Muster ist stets dasselbe: Wird es dem Klienten zu heikel, springt Anwalt Lehr in die Bresche, bügelt aus, beschwichtigt wo es geht. Er selbst nennt das "präventives Arbeiten", also rechtzeitig einzuschreiten, "bevor Berichterstattung falsch wird".

Auch bei Wulff soll diese Taktik greifen, eigentlich. Die Arbeit für ihn bezeichnet Lehr als "sehr ehrenvolles Mandat". Wie er denn dann die harsche Kritik am, vorsichtig formuliert, mäßigen Krisenmanagement des Staatsoberhaupts bewerte? Lehrs Redefluss gerät ins Stocken. Dann sagt er, seine Kanzlei Redeker, Sellner & Dahs stehe zwar in ständigem Kontakt und berate den Politiker auch über bloße Rechts- und Medienfragen hinaus - aber da müsse man Wulff schon selber fragen.

Leicht macht es ihm der Bundespräsident nicht gerade. Am vergangenen Mittwoch hatte Wulff im Interview mit ARD und ZDF noch angekündigt: "Ich geb Ihnen gern auf die 400 Fragen 400 Antworten." Man müsse die Transparenz weitertreiben, "die setzt auch neue Maßstäbe". "Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Details zu den Abläufen sehen - und bewertet sie auch rechtlich."

Es blieb jedoch bei einer sechsseitigen Zusammenfassung durch Lehrs Kanzlei. Diese verweist auf die anwaltliche Schweigepflicht, der Schriftverkehr bleibt unter Verschluss.

Inzwischen wächst auch in der Union der Unmut über die Strategie des Bundespräsidenten und seiner Berater. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, forderte Wulff via Twitter auf, die zugesagten Details zur Kredit- und Medienaffäre nicht zurückzuhalten. Wulff solle die "Fragen/Antworten ins Netz" stellen, schrieb der CDU-Politiker. "Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt."

Tatsächlich sind noch viele Fragen offen. Bisher haben etwa weder das Anwaltsbüro noch das Bundespräsidialamt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erklärt, wie hoch die Kosten für die Rechtsberatung sind, die Wulff nach Angaben der Kanzlei selbst übernehmen will.

Erfolgreicher Einsatz für Rau

Es ist nicht das erste Mal, dass Lehr einem Bundespräsidenten in höchster Bedrängnis beistehen muss. Von Dezember 1999 bis März 2000 boxte er das damalige Staatsoberhaupt Johannes Rau aus der sogenannten Flugaffäre. Rau, so der Vorwurf, habe damals als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident die Flugzeug-Flotte der WestLB genutzt, ohne dafür zu bezahlen.

Lehr und sein Team wälzten damals über Wochen Akten, Belege und Abrechnungen - und präsentierten schließlich eine detaillierte Auflistung aller Flüge in Raus Amtszeit. Rau überstand die Affäre und blieb bis 2004 im Amt. Die drei Monate rund um den Jahrtausendwechsel hatte Lehr immer wieder als "die härtesten seines Lebens" bezeichnet.

Wie schätzt er die Affäre um Wulff im Vergleich ein? "Den Fall betreue ich noch keine vier Wochen. Aber schon jetzt kann ich sagen, dass es dieses Mal noch ein wenig härter ist", sagt Lehr. Der Fall habe eine andere Intensität, eine ganz andere Geschwindigkeit. "Gerade die neuen Kommunikationswege, damals hat man noch kaum per E-Mail sondern viel mehr per Fax gearbeitet, sorgen für eine andere Beanspruchung."

Im Fall Rau war er über mehrere Monate aktiv, in der Causa Wulff erwartet er einen schnelleren Erfolg: "Ich gehe nicht davon aus, dass es dieses Mal ähnlich lange gehen wird. Vor allem aber bin ich fest überzeugt, dass Wulff am Ende noch im Amt sein wird."

Sollte sich die Affäre doch länger hinziehen, als es Lehr heute prognostiziert, bringt der Mann in jedem Fall die nötige Ausdauer mit: Anfang Juni ist der begeisterte Läufer für den Stockholm-Marathon angemeldet.

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1. 2 (3) Fragen an die Anwälte
tschautsen 11.01.2012
die u.a. aus meiner Sicht nicht geklärt sind (obwohl man uns das mit der mehrseitigen Erklärung ja weismachen will): 1. Warum wurde zur Darlehensausreichung von Frau Geerkens die Form eines bestätigten Bundesbank-Schecks gewählt? 2. Warum wurde zur Darlehensausreichung von Frau Geerkens NICHT die Form eines normalen Verrechnungsschecks gewählt? Eine Verschleierung der Finanzströme hätte auch damit erreicht werden können, wenngleich nicht so effektiv. 3. Wann wurde die Deckung auf Frau Geerkens Konto bei der Sparkasse Osnabrück angeschafft? Durch wen wurde diese angeschafft? Wie wurde diese angeschafft (Einmalbetrag, Raten, etc.)? Passen die Geldflüsse, die zur Deckungsanschaffung gedient haben, zum üblichen Geldverkehr von Frau Geerkens auf diesem Konto? Ich bin mir bewusst, dass die Fragen, vor allem 3. nicht unbedingt durch die Wulffschen Anwälte erklärt werden dürfen/müssen. Im Rahmen größtmöglicher Transparenz würden die Antworten auf diese Fragen aber durchaus der Sache dienen können. Sollten die o.g Fragen nicht hinreichend beantwortet werden können, sollte mMn hier weiter durch die zuständigen Aufsichtsorgane ermittelt werden. Auch Recherchen der Presse sollten diesbezüglich weiter vorangetrieben werden.
2. xxx
styxx66 11.01.2012
Zitat von sysopGernot Lehr ist der Mann, der Christian Wulff aus der Schusslinie bringen soll: Der Anwalt berät den Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienkrise.*Er glaubt fest, dass sein Mandant im Amt bleibt - jetzt gerät er allerdings selbst in die Kritik. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808331,00.html
[QUOTE=sysop;9432530]Gernot Lehr ist der Mann, der Christian Wulff aus der Schusslinie bringen soll: Der Anwalt berät den Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienkrise.*Er glaubt fest, dass sein Mandant im Amt bleibt - jetzt gerät er allerdings selbst in die Kritik. * Wie will man diesem naiven und ahnungslosen Menschen, der die elementarsten Regeln für sein Amt nicht begriffen hat, helfen? Und dann braucht dieser Mann, der für dieses Amt der ungeeignetste und überschätzteste Kandidat aller Zeiten ist, noch einen Anwalt, der Ihm aus der selbstverschuldeten Bredouille hilft. Diese Jämmerlichkeit ist fast nicht mehr in Worte zu fassen. Was mich noch brennend interessieren würde, wäre eine Info von SPON, wer eigentlich diesen Anwalt bezahlt? Meiner Meinung ist da nichts mehr zu retten und nichts mehr zu kitten, da dieser Mensch anscheinend überhaupt nicht an der Wahrheit und an seiner Reputation interessiert ist. Der Wackeldackel ist abgehalfert und hat fertig. Für diese unterirdische Leistung als BP-Azubi und für die Beschädigung des Amtes auf Jahre hinaus, darf dieser Ahnungslose keinen müden Euro kassieren.
3. Oh Gott
1berliner 11.01.2012
Zitat von sysopGernot Lehr ist der Mann, der Christian Wulff aus der Schusslinie bringen soll: Der Anwalt berät den Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienkrise.*Er glaubt fest, dass sein Mandant im Amt bleibt - jetzt gerät er allerdings selbst in die Kritik. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808331,00.html
Ja, das interessiert mich auch. Könnte Spiegel Online bei der Gelegenheit auch gleich nachfragen, wie teuer der letzte Wocheneinkauf des Bundespräsidenten war. Sorry, Wulff hat gesagt, er bezahlt die Anwälte aus seiner eigenen Kasse (eine Finazierung vom Staat ist in diesem Fall auch nicht möglich), folglich ist es seine Privatsache, wieviel er dafür ausgeben will. Wenn das Steuergelder sind, ja, aber was Politiker mit ihrem Gehalt machen, ist ihre Sache. Ich möchte auch nicht, dass jeder weiß wieviel ich für welche Dienstleistung ausgebe.
4. Ha ha....
keinschwabe 11.01.2012
Zitat von sysopGernot Lehr ist der Mann, der Christian Wulff aus der Schusslinie bringen soll: Der Anwalt berät den Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienkrise.*Er glaubt fest, dass sein Mandant im Amt bleibt - jetzt gerät er allerdings selbst in die Kritik. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808331,00.html
...nur weil der Kauder getwittert hat gerät der Anwalt von Wulff in die Kritik? Der Anwalt hat wahrscheinlich den Durchblick, den ich mir von dem BP wünschen würde. Gelogen und versprochen hat der Präsi, die Fragen und Antworten, zu liefern. Der Anwalt macht nur das, was der Mandant wünscht. Nur ob er Ihn da rausboxen kann...ich hab da meine Zweifel! Da ist noch lange nicht das letzte Wort gesprochen und ob das der Herr Wulff noch aussitzen wird.....mal sehen! Vielleicht springt ja der AWD für die Rechnung ein...... sorry, ich konnte mir es nicht verkneifen.
5. Hab ich was verpaßt?
panzerknacker51, 11.01.2012
Zitat von sysopGernot Lehr ist der Mann, der Christian Wulff aus der Schusslinie bringen soll: Der Anwalt berät den Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienkrise.*Er glaubt fest, dass sein Mandant im Amt bleibt - jetzt gerät er allerdings selbst in die Kritik. * http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,808331,00.html
Wo ist denn jetzt bitte die KRITIK an dem Anwalt? Unabhängig vom individuellen Standpunkt - der Mann macht doch nur seinen Job, oder?
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