Appell an VW & Co. CSU fordert nationale Lösung für Opel

Die deutsche Konkurrenz soll's richten: CSU-Generalsekretär Dobrindt fordert die Autohersteller VW, Daimler und BMW auf, dem angeschlagenen Wettbewerber Opel zu helfen. Sie sollten ein Konzept zur Kooperation oder Übernahme vorlegen. Opel selbst will der Politik "sehr bald" seine Pläne präsentieren.


Berlin - Alexander Dobrindt spricht von einer einmaligen Gelegenheit. Der CSU-Generalsekretär sagte der "Bild"-Zeitung, die deutschen Autohersteller könnten sich nun mit Opel im besonders zukunftsträchtigen Segment der Klein- und Mittelklassewagen breiter aufstellen".

Opel-Werk in Bochum: "Einmalige Gelegenheit für deutsche Autohersteller"
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Opel-Werk in Bochum: "Einmalige Gelegenheit für deutsche Autohersteller"

Der CSU-Generalsekretär forderte den US-Mutterkonzern General Motors (GM) gleichzeitig auf, den Weg für einen Neuanfang von Opel freizumachen. "Deutschland muss GM klarmachen, dass es Finanzhilfen vom Bund nur gibt, wenn im Gegenzug Opel aus dem GM-Konzern herausgelöst wird. Zu einem Neuanfang gehört auch, dass GM endlich seine konzerninternen Schulden von über eine Milliarde Euro bei Opel begleicht."

Mögliche Chancen in Frankreich

Opel in Deutschland: Klicken Sie auf das Bild für die Großansicht
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Der Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft, Willi Diez, hält den Vorschlag Dobrindts für falsch. Er glaubt, dass deutsche Autohersteller nicht als strategische Partner für Opel in Frage kommen. Volkswagen baue zwar von 2012 an die Kleinwagenfamilie "up" und könnte sich daher für eine Fertigung im Opel-Werk Eisenach interessieren, sagte Diez der Zeitung. Dennoch sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass ausgerechnet VW den Erzrivalen auf dem Inlandsmarkt unterstützen würde. Das gleiche gelte für Mercedes und BMW, die bereits gemeinsam Hybridmotoren entwickeln und beim Einkauf kooperieren wollen.

Chancen für eine Kooperation sieht er dagegen bei der Gruppe PSA Peugeot/Citroën, die zuletzt Verluste eingefahren hat und Geld aus dem französischen Rettungsfonds benötigt. PSA fehle anders als Renault/Nissan und Fiat/Chrysler ein starker Allianzpartner, der beim Einsparen beträchtlicher Kosten helfe.

Auch im indischen Tata-Konzern, der bereits Jaguar und Land Rover übernommen hat, sowie in den chinesischen Herstellern Chery und Geely sieht Diez potentielle Interessenten für Opel.

Opel beschäftigt mehr als 25.000 Menschen in seinen deutschen Werken in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen. Der Hersteller kündigte an, "sehr bald" das von der Politik geforderte Rettungskonzept zu präsentieren. "Daran arbeiten wir mit Hochdruck", sagte ein Firmensprecher.

Die Länder mit Opel-Werken, der Bund und die Gewerkschaft IG Metall machen ein Sanierungskonzept zur Voraussetzung dafür, dass sie sich an der Rettung des Unternehmens beteiligen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Wenn wir dieses Konzept haben, werden wir beraten." Darin müssten die Elemente einer Zukunftssicherung für Opel enthalten sein.

Thüringen bot dem Unternehmen als erstes Bundesland eine konkrete Bürgschaft von bis zu 40 Millionen Euro an und schloss auch einen Einstieg bei Opel nicht aus. Denkbar sei eine "direkte Beteiligung, wenn Opel in die Selbständigkeit entlassen werden sollte", sagte Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz der "Berliner Zeitung".

GM will im Rahmen seines Sanierungsplans weltweit 47.000 Arbeitsplätze streichen, 26.000 davon außerhalb der USA. Im Gegenzug hofft das Unternehmen auf Staatshilfe in Milliardenhöhe durch die US-Regierung.

Bei der Präsentation der Pläne hatte Konzernchef Wagoner erstmals eine teilweise Trennung von Opel ins Auge gefasst. Nach Meinung von Experten wäre das Europageschäft von GM mit den Marken Opel, Vauxhall und Saab mit rund zwei Millionen produzierten Autos im Jahr allein kaum überlebensfähig und benötigte einen Partner.

Der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte, Opel könne sich mit einem anderen Konzern zusammenschließen. "Es gibt ja mehrere Automobilkonzerne im In- und Ausland, die derzeit an Lösungen arbeiten." Nach Meinung von Analysten kommen dafür die beiden französischen Autobauer Renault und PSA Peugeot Citroën in Frage. Auch eine Beteiligung chinesischer Autohersteller wird nicht ausgeschlossen.

ler/ddp

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