Appell von Umweltpolitikern Deutschland-Reisen für den Klimaschutz

Neuschwanstein statt New York, Ostsee statt Südsee: Um das Klima zu schützen, sollen Deutsche auf Flugreisen verzichten und ihre Ferien in Deutschland verbringen, fordern immer mehr Umweltpolitiker. Doch aus der CSU gibt es Widerspruch.


Hamburg/Berlin - "Auf Flugreisen zu verzichten, ist ein guter privater Beitrag zum Klimaschutz", sagte der Vizevorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Ulrich Kelber, der "Bild am Sonntag". Urlaub in Deutschland oder im benachbarten Ausland sei sehr schön. "Und man kommt überall gut mit der Bahn ans Ziel."

Ähnlich äußerte sich der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf (CSU). "Wir brauchen eine Veränderung im Lebensstil. Dazu gehört, dass wir wieder Qualität aus der Nähe schätzen lernen. Also lieber mal am Main entlangradeln, als eine Fernreise mit dem Flugzeug machen." Das bringe einem die Heimat näher und spare viele Tonnen CO2 ein.

Auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), legt den Deutschen Urlaub in der Heimat nahe: "Deutschland ist reich an Kulturschätzen und landschaftlich reizvollen Gebieten. Es schadet uns Deutschen nicht, wenn wir zwischendurch mal einen Urlaub im eigenen Land verbringen."

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast empfiehlt, beim Urlaub auf den Klimaschutz zu achten: "Wir sollten immer genau wissen, was wir tun, und überlegen, dass es auch in Deutschland schöne Urlaubsregionen gibt", sagte sie. Wer dennoch fliege, sollte mit einer freiwilligen Zahlung, etwa an Atmosfair, dafür sorgen, dass zum Ausgleich für den CO2-Ausstoß Klimaschutzprojekte finanziert werden könnten. "Pauschalreise muss künftig bedeuten: Halbpension mit Klimaschutz", sagte Künast.

CO2-Emissionen bald nicht mehr schick?

Der Direktor der weltgrößten Reisemesse ITB, Martin Buck, erwartet angesichts der Klimadebatte einen großen Schub für das Reiseland Deutschland. "Heute ist Rauchen nicht mehr schick, und in wenigen Jahre wird es in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht mehr schick sein, während seines Urlaubs die Umwelt mit zu viel CO2 zu verpesten", sagte Buck der "Berliner Morgenpost".

Buck ist davon überzeugt, dass die Auslastung der deutschen Wellness-, Golf- und Sport-Resorts in den kommenden Jahren steigen wird. Zudem würden ehedem klassische Urlaubsziele der Deutschen wie zum Beispiel Bayern wieder attraktiver vor allem für junge Leute werden.

Beckstein gegen Verzicht auf Flüge

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) warnt dagegen vor falschen Vorstellungen: "Rücksichtnahme auf die Schöpfung ist gut, durch Verzicht auf Flugreisen werden die weltweiten Klimaprobleme aber nicht gelöst", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Deutschlands Aufgabe sei es, durch Hochtechnologie, Forschung und Entwicklung für einen niedrigeren Energieverbrauch und schadstoffarme Fortbewegungsmittel zu sorgen.

Das Fliegen muss nach Ansicht von Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens wieder teurer werden. "Billigflüge zu Dumpingpreisen gehören verboten", sagte Behrens dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Wir wissen inzwischen ja alle, wie schädlich Flugzeuge für das Klima sind." Deshalb solle jeder prüfen, ob er auf das Fliegen so weit wie möglich verzichten könne, sagte sie. Kurzreisen mit dem Flugzeug sollten ohnehin vermieden werden: "Wochenendtrips per Flieger sind unter Klima-Gesichtspunkten tabu." Die Greenpeace-Chefin sprach sich zudem für die Einführung einer Kerosinsteuer aus, wie sie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon in ihrer Zeit als Umweltministerin gefordert habe.

Kritik an Autobranche

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel forderte erneut von der Autoindustrie, Fahrzeuge mit geringerem Schadstoff-Ausstoß zu bauen. "Die Vorstände in den Unternehmen müssen akzeptieren, dass sie nicht nur der Börse, sondern auch dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Sie haben eine ökologische Verpflichtung", sagte der SPD-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Der Klimawandel ist eine Gefahr wie früher das atomare Wettrüsten der beiden Blöcke. Da können sich die Manager nicht davonstehlen oder die Bedrohung verniedlichen."

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee plant bereits eine Ökoplakette für Autos, damit Verbraucher auf Anhieb den Energieverbrauch erkennen können. Porsche und VW kündigten sparsame Ökomodelle an.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wehrte sich in einem Zeitungsinterview gegen Vorwürfe, seine schweren Luxuswagen seien Klimakiller. "Wir sind keine Schmutzfinken", sagte der Automanager der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wer uns als Klimakiller bezeichnet, verfolgt anders motivierte Ziele. Der sucht das prominente Feindbild." Bis zum Ende des Jahrzehnts wolle Porsche einen sparsamen Cayenne mit Hybridmotor auf den Markt bringen.

hda/AFP/ddp/AP



Forum - Rügen statt Rio?
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leo-minor 05.03.2007
1.
Ich finde den Vergleich sehr nett mit Rügen oder Rio. Denn auch unser Land hat sehr sehr schöne Ecken, die es gilt zu entdecken.
Christian W., 05.03.2007
2.
---Zitat von sysop--- Tourismus und Reisen werden angesichts der weltweiten Klimaprobleme neu diskutier. Würden Sie aus Klimaschutzgründen auf Fernreisen verzichten? ---Zitatende--- Nein. Wenn mich ein anderes Land interessieren würde, weil es dort irgend etwas gibt, was ich sehen oder erleben möchte, dann würde ich auch eine Fernreise dort hin antreten. Es ist ja ohne Frage richtig, dass man - wenn auch viel zu spät - sich über den Klimaschutz seine Gedanken macht, aber hier frage ich mich, warum sollte man bei seinen Urlaubsplänen anfangen umzudenken? Zu dem Artikel, der ja zu diesem Forenthread hier verweist, möchte ich noch etwas anmerken: Ich würde mal wirklich gerne wissen, welche Autos die betreffenden Politiker, die dort zitiert werden, fahren und wie umweltfreundlich diese sind im Vergleich zu anderen Wagen. Und wohin diese Politiker in ihrem eigenen Urlaub gerne reisen und mit welchem Verkehrsmittel. Lachen musste ich ja über folgendes: ---Zitat--- "Und man kommt überall gut mit der Bahn ans Ziel." ---Zitatende--- Stimmt, Herr Kelber. Nur wann man dort ankommt, ist hier die Frage. Und vor allem, wie teuer es ist. Ein Flug mit einem "Billigflug" in irgendeine beliebige europäische Hauptstadt kostet mich wahrscheinlich weniger, als wenn ich von beispielsweise Essen nach Berlin und zurück mit der Bahn fahre. Wenn die Informationen der deutschen Bahn im Internet stimmen, dann würde mich diese Reise 88,- EUR kosten. Allerdings nur mit allen Ermäßigungen, sprich, der BahnCard 50 in der zweiten Klasse. Ohne BahnCard sind es folglich 176,- EUR. Vielleicht sollte man eher weniger darüber nachdenken, "Billigflüge" zu verbieten (Muss eine neue schwachsinnige Verbotsdebatte denn wieder sein?), als mal über die Bahnpreise nachzudenken.
Kummibaer, 05.03.2007
3. Die Mücke und der Elefant
Den Umweltschutz in allen Ehren, aber man kann es auch übertreiben. Die "Vorschläge" werden ja immer abstruser. Aber wenn man es schon so weit spinnt mit dem Reisen, dann auch bitte den globalen Handeln nur noch auf das Nötigste beschränken. Das heißt keine Waren mehr aus China oder sonstwo (re-)importieren und möglichst alles im eigenen Land herstellen, um möglichst kurze Wege und Energieaufwand zu betreiben.
Carrie, 05.03.2007
4.
Kokolores! Solange ich für eine Bahnfahrt von Frankfurt nach Berlin ohne Bahnkarte 180 Euro bezahle (4,5 Stunden unterwegs) und für einen Flug 60 Euro (knapp 1 Stunde unterwegs) - solange fliege ich auch. Bei den derzeitigen Preisen und dem lauen Service der Bahn fehlt mir da momentan der Anreiz "umzusteigen"
CarHenn, 05.03.2007
5.
---Zitat von sysop--- Tourismus und Reisen werden angesichts der weltweiten Klimaprobleme neu diskutier. ---Zitatende--- "Wasser predigen, Wein saufen." sag ich dazu nur. ---Zitat von sysop--- Würden Sie aus Klimaschutzgründen auf Fernreisen verzichten? ---Zitatende--- Auf keinen Fall.
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