Familienpolitik Arbeitgeber wollen Elternzeit kräftig kürzen

Arbeitgeberpräsident Hundt fordert, die Elternzeit auf ein Jahr zu begrenzen - auch Elterngeld soll höchstens so lange gezahlt werden. Dafür erntet er scharfe Kritik von Familienministerin Schröder und ihrer bayerischen Amtskollegin Haderthauer.

Mutter mit Kinderwagen in München: Arbeitgeberpräsident drängt auf kürzere Elternzeit
dapd

Mutter mit Kinderwagen in München: Arbeitgeberpräsident drängt auf kürzere Elternzeit


Berlin - Die Arbeitgeberverbände wollen Eltern schneller in die Erwerbstätigkeit zurückholen und deshalb die Elternzeit deutlich kürzen. "Sobald der Ausbau der Kinderbetreuung gewährleistet ist, sollte die Elternzeit stufenweise auf zwölf Monate abgesenkt werden", sagte Dieter Hundt, der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), der "Welt".

Deutschland habe mit bis zu drei Jahren die im europäischen Vergleich längsten Elternzeiten. Dies wirke sich negativ auf die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt aus, kritisierte Hundt.

Das Elterngeld, das Eltern bis zu 14 Monate als Lohnersatzleistung beziehen können, nimmt der Arbeitgeberverband ebenfalls ins Visier. "Auch beim Elterngeld sind die Anreize zum Verbleib oder zur zügigen Rückkehr in Beschäftigung zu gering, um Wirkung zu entfalten", sagte der BDA-Präsident. Er forderte, den Bezug von Elterngeld auf maximal ein Jahr zu beschränken.

Dafür erntete Hundt scharfe Kritik von den zuständigen Ministerien. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte, wie Eltern in Deutschland die Betreuung ihrer Kinder in den ersten drei Jahren organisieren, sei "Sache der Familien und nicht des BDA und das wird auch so bleiben". Familien seien "nicht ökonomische Verfügungsmasse".

"Kinderfeindliche Äußerungen"

Die bayerische Arbeits- und Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) warf Hundt ein schädigendes Verhalten für die deutsche Wirtschaft vor. "Die kinder- und familienfeindlichen Äußerungen des Arbeitgeberpräsidenten richten schon länger einen enormen Imageschaden für die deutsche Arbeitswelt an und konterkarieren die zahlreichen Bemühungen unserer Arbeitgeber für eine familienfreundliche Arbeitswelt", sagte die Ministerin am Sonntag in München.

Damit beweise Hundt, dass Kinder für ihn "reine Störfaktoren bei der Produktivität einer Gesellschaft" seien, sagte Haderthauer. "Ehrlicher würde der Arbeitgeberpräsident agieren, wenn er gleich die Empfehlung ausgeben würde, auf das Kinderbekommen zu verzichten."

Die Forderungen der BDA beziehen sich auf einen Gesetzesentwurf des Familienministeriums, das die Großelternzeit einführen und die Elternzeit modernisieren will. "Je länger Frauen aus dem Beruf aussteigen, desto schwieriger ist die Wiedereingliederung, desto größer sind die Qualifikationsverluste und desto geringer sind die Karrierechancen", heißt es in dem vorliegenden Positionspapier der Arbeitgeber.

fab/AFP/dapd

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Paul-Merlin 18.11.2012
1. Nun, wenn es nach Hundt geht
Zitat von sysopdapdArbeitgeber-Präsident Hundt fordert, die Elternzeit auf ein Jahr zu begrenzen - auch Elterngeld soll höchstens so lange gezahlt werden. Dafür erntet er scharfe Kritik von Familienministerin Schröder und ihrer bayerischen Amtskollegin Haderthauer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/arbeitgeberpraesident-hundt-will-elternzeit-kuerzen-a-867927.html
dann müssten die deutschen Arbeitnehmer jeden Monat noch Geld abliefern damit sie in den Werkhallen und Büros ihre mindestens 12stündige Sklavenarbeit verrichten dürften. Den Gegenwert der erzeugten Waren und Dienstleistungen würde dann natürlich allein Hundt und Konsorten für ihre "überragenden" Managerleistungen einstreichen. Dieser raffgierige Nimmersatt ist wirklich nicht mehr erstzunehmen.
Lutz Richter 18.11.2012
2. Da müsste nur noch jemand kommen ...
Zitat von sysopdapdArbeitgeber-Präsident Hundt fordert, die Elternzeit auf ein Jahr zu begrenzen - auch Elterngeld soll höchstens so lange gezahlt werden. Dafür erntet er scharfe Kritik von Familienministerin Schröder und ihrer bayerischen Amtskollegin Haderthauer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/arbeitgeberpraesident-hundt-will-elternzeit-kuerzen-a-867927.html
und müsste verlangen die Elternzeit zu verlängern und schon ist alles wieder im Lot. :-) Nimmt jemand solche Typen noch ernst?
denkdochmalmit 18.11.2012
3. Nicht nur Elternzeit verlängern...
Zitat von sysopdapdArbeitgeber-Präsident Hundt fordert, die Elternzeit auf ein Jahr zu begrenzen - auch Elterngeld soll höchstens so lange gezahlt werden. Dafür erntet er scharfe Kritik von Familienministerin Schröder und ihrer bayerischen Amtskollegin Haderthauer. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/arbeitgeberpraesident-hundt-will-elternzeit-kuerzen-a-867927.html
..sondern endlich mal für deutsche Arbeitnehmer ein Recht auf ein Sabbatjahr einführen! Aber der deutsche Michel will nur malochen... Wer als Mann Elternzeit beantragt wird von dienen Kollegen ausgelacht!
lauterbachheiner 18.11.2012
4. und dann...
und dann ist er der erste der schreit das es nicht genügend Nachwuchs gibt. geschweige denn qualifizierten. Der Arme. Aber der Mann ist von den Mitgliedern des Unternehmerverbandes ja in diese Position gehoben worden. Also ist diese Gesellschaftsfeindliche Einstellung wohl die der Unternehmer ;-) Falls nicht, müßten sie den Herrn Hundt mal einen Maulkorb verpassen ehe er mit seinem Gebell noch mehr verschreckt ;-)
Berg-neu 18.11.2012
5.
Zitat von denkdochmalmit..sondern endlich mal für deutsche Arbeitnehmer ein Recht auf ein Sabbatjahr einführen! Aber der deutsche Michel will nur malochen... Wer als Mann Elternzeit beantragt wird von dienen Kollegen ausgelacht!
Auch von den Kolleginnen?
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