Arbeitslosengeld I Ältere bekommen wieder länger Unterstützung

Rolle rückwärts beim Arbeitslosengeld I: Die Bezugsdauer für über 50-Jährige wird wieder verlängert. Damit ist ein zentraler Punkt der rot-grünen Agenda 2010 rückgängig gemacht.


Berlin - Nun ist es beschlossen, aber die Auszahlung wird noch eine Weile dauern: Das Arbeitslosengeld I wird für Beschäftigungslose über 50 Jahre wieder länger gezahlt. Die Bezugsdauer wird für sie allerdings in drei Stufen rückwirkend zum 1. Januar auf bis zu 24 Monate ausgeweitet. Dies beschloss der Bundestag heute mit den Stimmen von Union, SPD und Linksfraktion. FDP und Grüne votierten dagegen. Gegen die Stimmen aller drei Oppositionsparteien beschloss die Koalition eine Schutzregelung, die Frühverrentungen von Langzeitarbeitslosen vor Vollendung des 63. Lebensjahrs verhindert. FDP, Linke und Grüne sprachen von "Zwangsverrentung" von Langzeitarbeitslosen.

Mit der längeren Zahlung des Arbeitslosengelds (ALG) I korrigierte die große Koalition einen zentralen Punkt der rot-grünen Reform "Agenda 2010". Vor zwei Jahren war die Bezugsdauer von maximal 32 auf 18 Monate gekürzt worden. Dies wurde nun teilweise wieder rückgängig gemacht.

Die neue "63er-Regelung" verhindert, dass Bezieher von ALG II bereits mit 60 Jahren in Frührente mit lebenslangen Abschlägen geschickt werden können. Die nun beschlossene Schutzklausel begrenzt die Rentenabschläge auf vorerst 7,2 Prozent. Die Neuregelungen bedürfen noch der Zustimmung des Bundesrats.

Ein Streit Ende vergangenen Jahres in der Koalition hatte verhindert, dass die Neuregelung noch rechtzeitig zu Jahresbeginn 2008 in Kraft treten konnte. Deshalb enthalten die nun gefassten Beschlüsse rückwirkende Regelungen zum 1. Januar.

"Es ist ein gutes Gesetz geworden"

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Franz Thönnes (SPD), betonte, trotz der längeren ALG-I-Zahlung habe die Aktivierung von Arbeitslosen für die Regierung Vorrang. Dazu diene auch ein neuer Eingliederungsgutschein. Stellt ein Arbeitgeber einen über 50-jährigen Arbeitslosen ein, erhält das Unternehmen für ein Jahr Lohnzuschüsse bis zu 50 Prozent. Beschlossen wurde auch die Anhebung der Hinzuverdienstgrenze für Frührentner von 350 auf 400 Euro.

In der Debatte kritisierte der FDP-Arbeitsmarktexperte Dirk Niebel, statt Leistungsausweitung sei eine weitere Beitragssenkung nötig gewesen. Die längere Arbeitslosengeld-I-Bezugsdauer belastet die Bundesagentur für Arbeit mit jährlich etwa 800 Millionen Euro.

Linksfraktion-Chef Oskar Lafontaine sagte, auch die abgemilderte "Zwangsverrentung" trage zu mehr Altersarmut bei. Die Grünen- Rentenexpertin Irmingard Schewe-Gerigk erklärte: "Wer arbeiten will und kann, darf nicht zwangsweise in Rente geschickt werden."

Für den arbeitsmarktpolitischen Sprecher der Union, Ralf Brauksiepe (CDU), sorgen die Beschlüsse "für mehr soziale Gerechtigkeit": "Es ist ein gutes Gesetz geworden." Auch die SPD- Abgeordnete und Parteivize Andrea Nahles nannte die längere ALG-I- Zahlung "gerecht", da diese "nicht zu Lasten einer Gruppe oder einer Generation" gehe. Den Vorwurf der "Zwangsverrentung" wies sie zurück. Es gebe behördlichen Ermessensspielraum.

ffr/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.