ARD-Deutschlandtrend: Union lässt SPD in Umfrage weit hinter sich

Merkel und Steinbrück (Archivbild): 81 Prozent der Befragten glauben sie wird wieder Kanzlerin Zur Großansicht
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Merkel und Steinbrück (Archivbild): 81 Prozent der Befragten glauben sie wird wieder Kanzlerin

Die Sozialdemokraten liegen im neuen ARD-Deutschlandtrend weit abgeschlagen hinter der Union: Der Abstand ist so groß wie zuletzt im Juni 2005. Mit einem Kanzler Steinbrück rechnet kaum noch einer der Befragten.

Köln/Berlin - Die SPD verliert in der Wählergunst weiter an Zustimmung. Sie fällt im neuen ARD-Deutschlandtrend weiter hinter die Union zurück. 17 Prozentpunkte trennen die beiden Parteien mittlerweile - der Abstand ist damit so groß wie seit Juni 2005 nicht mehr.

Die Ergebnisse der sogenannten Sonntagsfrage im Einzelnen:

    • Die Union legt im Vergleich zur Vorwoche um einen Punkt zu und kommt auf 42 Prozent.
    • Die SPD verliert einen Punkt und erreicht jetzt 25 Prozent.
    • Die Grünen liegen bei 14 Prozent, das ist ein Plus von einem Punkt.
    • Die Linke bleibt bei sieben Prozent.
    • Für die FDP würde es nicht reichen, sie erreicht aktuell vier Prozent.

Damit würde Rot-Grün mit 39 Prozent noch hinter der Union liegen. Allerdings könnte diese aufgrund der Schwäche der Liberalen derzeit keine erneute schwarz-gelbe Koalition bilden.

Nur 13 Prozent glauben an einen Kanzler Steinbrück

Dass Angela Merkel auch die kommende Regierung leiten wird, glauben nach der Erhebung der Meinungsforscher von Infratest dimap im Auftrag der ARD 81 Prozent der Befragten. Lediglich 13 Prozent rechnen mit einem Kanzler Peer Steinbrück.

Während Merkel in der Liste der populärsten Spitzenpolitiker mit 67 Prozent Zustimmung auf Platz eins liegt, rangiert Steinbrück mit 32 Prozent Zustimmung (minus vier Prozentpunkte) weit hinten. Gleichauf liegt noch Linken-Fraktionschef Gregor Gysi, vier Prozentpunkte schlechter der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle (28 Prozent).

Bei der Koalitionsfrage zeichnet sich ein uneinheitliches Bild ab: 31 Prozent der Befragten rechnen mit einer Großen Koalition. Fast ebenso viele, nämlich 30 Prozent, glauben an die Fortführung des schwarz-gelben Bündnisses. Mit Rot-Grün rechnen nur neun Prozent.

Vertrauen in die USA wie zu Bush-Zeiten

Infratest dimap fragte die Bürger zudem nach den Folgen der US-Spähaffäre. Demnach hat das Vertrauen der Deutschen in die USA stark gelitten. Die Zahl derer, die Washington als vertrauenswürdigen Partner Berlins bezeichnen, ist von 65 auf 49 Prozent gefallen. So niedrig war der Wert zuletzt in der Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush. Großbritanniens Wert sinkt auf 63 Prozent. Das Land gilt aber weiterhin bei einer Mehrheit der Bürger als ein Partner, dem Deutschland vertrauen kann.

Dennoch hält die Mehrheit der Befragten eine geheimdienstliche Überwachung zur Terrorabwehr für nötig. 55 Prozent sagen, man müsse damit leben, dass Geheimdienste großflächig Daten sammelten, wenn Terroranschläge verhindert werden sollten. Das Ausmaß, in dem die USA und Großbritannien Telefonverbindungen und Internet ausspähen, überraschte jedoch 61 Prozent der Befragten.

Entschiedeneres Vorgehen der Kanzlerin erwartet

Mehr als zwei Drittel (67 Prozent) der Befragten befürchten, dass die Bundesregierung gar nicht die Macht hat, sie vor dem Ausspähen durch US-Geheimnisse angemessen zu schützen. Dennoch wird ein entschiedeneres Vorgehen der Kanzlerin erwartet: Knapp vier Fünftel (78 Prozent) wünschen sich, dass Merkel deutlicher gegenüber den USA und Großbritannien protestiert.

SPIEGEL-Informationen zufolge werden in Deutschland monatlich rund eine halbe Milliarde Telefonate, E-Mails oder SMS überwacht - systematisch wird ein Großteil der Telefon- und Internetverbindungsdaten kontrolliert und gespeichert. Zudem werden Einrichtungen der EU in Brüssel, Washington und New York gezielt ausgespäht. Der Geheimdienst NSA hat im großen Stil Gebäude verwanzt und ist in Computernetzwerke eingedrungen. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die der Ex-Whistleblower Edward Snowden besitzt.

Medienberichten zufolge soll auch der britische Geheimdienst in großem Umfang E-Mails, soziale Netzwerke und Telefongespräche systematisch kontrolliert und abgehört haben - von dem Spähprogramm Tempora sollen auch Leitungen von und nach Deutschland betroffen sein. Am Donnerstag wurde bekannt, dass auch Frankreich massenhaft Kommunikationsdaten aus dem Ausland abgreift.


Daten zur Umfrage:

Stichprobe: Infratest dimap befragte 1005 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger durch computergesteuerte Telefoninterviews, für die Sonntagsfrage waren es 1505 Bundesbürger.

Zeitraum: 1. bis 3. Juli 2013

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte

heb

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insgesamt 411 Beiträge
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    Seite 1    
1. Klare Mehrheit für ROT-ROT-GRÜN
panit 04.07.2013
Wenn die CDU 42% hat und ROT-GRÜN 39%, was ist dann mit der SED/PDS/DieLinke mit ihren 7%??? Das sind zusammen 46% und damit eine klare, linke Mehrheit! :-(
2. Scheint unsere..
gollum 04.07.2013
Zitat von sysopDie Union lässt die Sozialdemokraten im neuem ARD- Deutschlandtrend weit hinter sich - der Abstand ist so groß wie zuletzt im Juni 2005. Mit einem Kanzler Steinbrück rechnet kaum noch einer der Befragten. ARD-Deutschlandtrend: Union vergrößert Abstand zur SPD - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ard-deutschlandtrend-union-vergroessert-abstand-zur-spd-a-909540.html)
'Neuland' Expertin macht für den deutschen Michel (wieso eigentlich immer Michel?) alles richtig.
3. Bundestagswahl
mooringman 04.07.2013
Sollte sich der Deutschlandtrend auch nur annähernd bestätigen,hat Deutschland genau die Kanzlerin ,die es verdient.Eine Person ,die eigentlich nicht tragbar ist.Es ist aber eine Ohrfeige ohnegleichen besonders für die Sozis!Und das alles,weil die Politik der Sozis unter Schröder die Partei zerlegt hat und niemand dies aufgearbeitet hat.
4. Beratungsresistent bis zum totalen Untergang
derandersdenkende 04.07.2013
Zitat von sysopDie Union lässt die Sozialdemokraten im neuem ARD- Deutschlandtrend weit hinter sich - der Abstand ist so groß wie zuletzt im Juni 2005. Mit einem Kanzler Steinbrück rechnet kaum noch einer der Befragten. ARD-Deutschlandtrend: Union vergrößert Abstand zur SPD - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ard-deutschlandtrend-union-vergroessert-abstand-zur-spd-a-909540.html)
Der Wähler wünscht sich Alternativen, die aber keine Verschlimmbesserung der momentanen Situation garantieren. Der Wähler wünscht sich sozialdemokratische Politik und bekommt diese nur von Frau Merkel quasi als Zugabe geboten. Ja ist man denn mittlerweile soweit von den Menschen entfernt, daß man dies nicht registriert? Die Menschen gehen auch zur Wahl, um sozialdemokratische Politik zu wählen. Wenn sich die "SPD" dem verweigert, wird sie wohl auf die Stimmen der Besserverdienenden und Unternehmer zurückgreifen müssen. Und die bilden zwar kapitalmäßig aber keineswegs zahlenmäßig die Mehrheit.
5. Leider
kosiak 04.07.2013
ist auch in Zukunft nicht absehbar, wer da mal Schwung reinbringen soll in die SPD. Dabei gäbe es genug zu tun.
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