ARD-Umfrage Deutsche fürchten neuen Kalten Krieg

Kommt es zu einem neuen Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen? Fast Dreiviertel der Deutschen haben laut einer ARD-Umfrage Angst davor. Und nur 14 Prozent der Befragten halten Putins Land für einen vertrauenswürdigen Partner.

Bewaffneter Kämpfer in der Ostukraine: Nur 14 Prozent trauen Russland noch
AFP

Bewaffneter Kämpfer in der Ostukraine: Nur 14 Prozent trauen Russland noch


Hamburg - Immer neue Bilder von Zusammenstößen in der Ostukraine erreichen die Deutschen - und schüren hierzulande offenbar die Angst vor einem neuen Kalten Krieg zwischen Russland und dem Westen. Einer Umfrage der ARD zufolge äußerten 72 Prozent der Befragten sehr große oder große Sorgen vor einem solchen Szenario. Im Vergleich mit der Lage während des Kaukasus-Konflikts von 2008 zeigt sich, dass diese Bedenken heute deutlich größer sind. Damals befürchtete nur die Hälfte der Bevölkerung einen neuen Kalten Krieg.

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Heft 18/2014
Der ukrainische Flächenbrand

Die Konfrontation hat noch weitere Konsequenzen: So haben die Befragten heute ein stärkeres Misstrauen gegenüber Russland. Nur noch 14 Prozent der Deutschen halten Russland für einen vertrauenswürdigen Partner. Das ist der tiefste Wert, den Infratest dimap bei dieser Frage je gemessen hat. 8 Prozent sprechen sich für den Abbruch aller politischen Beziehungen zu Russland aus.

Gleichzeitig befürworten 18 Prozent die militärische Unterstützung der Ukraine. Wirtschaftliche oder finanzielle Hilfen halten knapp 70 Prozent der Befragten für eine sinnvolle Maßnahme. Zusätzliche Einreiseverbote und Kontosperrungen für russische Politiker fordert fast die Hälfte der Befragten, ebensoviele sprechen sich für wirtschaftliche Sanktionen aus.

Interesse an Europawahl gering

Ein anderes aktuelles Thema rückt angesichts dessen in den Hintergrund. So ist das Interesse in Deutschland an der Europawahl weiterhin gering. In der Umfrage gaben 64 Prozent der Befragten an, dass sie sich wenig oder gar nicht für die Wahl interessieren. Nur 35 Prozent bekundeten starkes oder sehr starkes Interesse. Die Union liegt bei den Wählern demnach mit 39 Prozent Zustimmung weiter vorn, verliert aber einen Punkt im Vergleich zum Vormonat. Das gilt auch für die SPD, die jetzt nur noch auf 27 Prozent kommt.

Würde die Wahl schon an diesem Sonntag stattfinden, würden die Grünen wie auch schon zuvor 9 Prozent der Stimmen erhalten, die Linke liegt einen Prozentpunkt darunter. Die AfD steht weiterhin bei 6 Prozent Zustimmung, die FDP legt auf 4 Prozent zu. Eine Sperrklausel wie die Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl gibt es bei der Europawahl für den Einzug ins Parlament nicht.

Erstmals bewerben sich Spitzenkandidaten um das Amt des Präsidenten der Europäischen Kommission. Für die europäischen Sozialdemokraten tritt der Präsident des Europaparlamentes, Martin Schulz, an. Für ihn würden der Umfrage zufolge ein Drittel der Befragten stimmen. Sein Herausforderer, der frühere luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, der für die Europäische Volkspartei antritt, bringt es auf 25 Prozent Zustimmung. 27 Prozent der Befragten ist mindestens einer von beiden unbekannt.

Steinmeier der beliebteste Politiker

Außenminister Frank-Walter Steinmeier kann sich hingegen über anhaltende Beliebtheit bei den Wählern freuen. 71 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Ihm folgt Finanzminister Wolfgang Schäuble mit 68 Prozent Zustimmung auf Platz zwei. Bundeskanzlerin Angela Merkel verliert 7 Punkte und kommt mit 65 Prozent auf den dritten Platz.


Daten zur Umfrage

Stichprobe: 1003 Bürger, für die Sonntagsfrage 1600 Wahlberechtigte

Zeitraum: 28. und 29. April 2014

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte

vks/dpa/AFP

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insgesamt 281 Beiträge
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Seite 1
arthur_schoenfisch 30.04.2014
1. Wenn 14 %
den Putin zum vertrauungswürdigen Partner halten dann sind nach meiner Meinung 86% belogen- betrogen, möglicherweise politisch blind
NeoTiger 30.04.2014
2. optional
Eigentlich hätte es besser lauten müssen, dass 82% der Befragten KEINE militärische Unterstützung der Ukraine wollen. Aber man legt sich halt die Statistiken zurecht wie es einem gefällt.
tothink 30.04.2014
3. Wo haben Sie wieder diese Zahlen her?
Machen Sie doch eine Volksbefragung, ich bin mir sicher, dass die Statistiken anders sind. Russland war und bleibt ein verlässlicher Partner und ich und meine Mitarbeiter hatten nie Probleme mit den Russen! Was soll der Schwachsinn!
Berg 30.04.2014
4. Alles gegen einen "Kalten Krieg" tun!
Es ist mir egal, zu wieviel Prozent die Leute meiner Meinung sind. Ich meine: den Kalten Krieg zu fürchten und Angst davor haben, genügt nicht. Man muss alles gegen einen Kalten Krieg *tun*!
i_guess 30.04.2014
5. Applaus Applaus!
Sofern diese Statistiken der Wahrheit entsprechen, waren die Medien bei der Verdummung der Bürger durch gezielte Anti-Russland Propaganda, anscheinend erfolgreich. Meinen Glückwunsch, selbstverständlich auch an SPON. Ihr wisst nicht, was ihr durch diese falschen Aussagen anrichtet. Eure Enkel werden genauso darunter leiden wie die unseren. Aber die meisten Menschen wachen leider erst auf, wenn es zu spät ist....
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