Aschermittwoch CSU feiert Stoiber-Party - Watschn für Pauli und Seehofer

Gegen ihn verblassten alle anderen: Stoibers letzter Aschermittwoch im Amt wurde zur Messe für seine Fans - und zur Watschn-Show für Seehofer und Parteirebellin Pauli. Stoiber kündigte den jubelnden Massen an, noch länger in der Politik mitreden zu wollen.

Von , Passau


Passau - Gabriele Pauli ist gekommen. Edmund Stoiber ist gekommen. Karin Stoiber ist gekommen. Erwin Huber ist gekommen. Günther Beckstein ist gekommen. Joachim Herrmann und Markus Söder sowieso. Nur einer ist nicht da - Horst Seehofer. Am Abend vor dem politischen Aschermittwoch in Passau hat der Vizeparteichef seinen Noch-Parteichef Stoiber angerufen. So wird es in der CSU genüsslich kolportiert.

Folgender Dialog habe sich dabei entspannt, erzählt man im Stoiber-Lager. Seehofer: "I kumm morgn ned." - Stoiber: "Dann kummst hoid ned."

Seehofer hat sich einen Auftritt in der Heimat seines Rivalen Erwin Huber, des Wirtschaftsministers und niederbayerischen Bezirksvorsitzenden, erspart. Am Mittwochabend wollte er auf einer CDU-Veranstaltung in Krefeld sprechen. Das ist, von Bayern aus gesehen, fast schon Ausland.

Pauli jedenfalls, die Landrätin aus Fürth, die die CSU aufgemischt und das Ende der 14-jährigen Ära Stoiber mit eingeleitet hat - sie stellt sich der Basis. Kaum hat sie die Halle betreten und die Kameras auf sich gezogen, erschallen Rufe: "Pauli raus, Pauli raus!" Lächelnd bahnt sie sich den Weg zum Podium. "Schicksdi doch hoam!", ruft einer. Ein anderer schreit ihr entgegen: "Schöne Frau, sonst nix."

Pauli lächelt und lächelt, wie es die schönen Frauen auf den schönen CSU-Plakaten auch immer tun. Vereinzelt gibt sie Autogramme. Umgeben von Journalisten sagt sie: "Sehr viele wollen den Wandel noch nicht vollziehen." Es gebe halt hier in Passau viele Stoiber-Anhänger. "Das passt scho", sagt sie tapfer und geht zu ihrem Platz.

Während Stoiber spricht, sitzt Pauli mit anderen Vorstandsmitgliedern hinter ihm. Kurz vor Ende seiner fast zweidreiviertel Stunden dauernden Rede erzählt er eine Anekdote: Putin habe ihm jüngst auf der Sicherheitskonferenz scherzend mitgeteilt, selbst sein Geheimdienstchef wisse nichts über die Gründe für seinen Rückzug. Ob er sie ihm denn sagen könne? Da bricht der Saal in "Pauli raus!"-Rufe aus.

Und als er wenig später mahnt, Disziplinlosigkeit und Egoismus müssten aufhören, braust der Saal wieder gegen die Fürther Landrätin auf. Als sie den Saal verlässt, hat sich der Saal, in dem überwiegend Männer sitzen, noch immer nicht beruhigt.

So gespalten hat sich die CSU selten öffentlich gezeigt.

Es ist ein Aschermittwoch, auf dem Stoiber die Hauptrolle spielen soll. Dieser Aschermittwoch aber ist schon Vorwahlkampf. Im September wird sich die CSU einen neuen Parteichef wählen. Huber, der im Tandem mit dem künftigen Ministerpräsidenten Beckstein die Geschicke des Freistaates bestimmen will, ist vor Stoiber dran und nutzt seinen Auftritt nicht nur für Grußworte - sondern auch für Werbung in eigener Sache. "Mehr Teamarbeit" werde es in Zukunft geben. Er kandidiere als "Mann der Mitte und der Basis". Dann einige Worte zu Seehofer. Der sei kein Gegner, sondern ein Kontrahent. "Ich reiche Horst Seehofer die Hand", ruft Huber. Man brauche seine sozialpolitische Konzeption und sein Gewicht. Höflicher Beifall.

Im Saal ist ein einziges Plakat für den Bundeslandwirtschaftsminister zu sehen: "Seehofer für Bayern und für Deutschland".

Landrätin Pauli in Passau: Nur wenige wollten Autogramme
DDP

Landrätin Pauli in Passau: Nur wenige wollten Autogramme

Ein Stoiber-Fest hatte CSU-Generalsekretär Söder angekündigt. Und das wird es dann auch. Eine Wand der Dreiländerhalle ist mit selbst gemalten Plakaten behängt. Es erinnert an jene stillen Ecken in katholischen Kirchen, wo sich Gläubige mit kleinen Zetteln für Wunder bedanken. Hier sind die Zettel aber metergroß und schreien das Publikum geradezu an. "Danke für alles, Edmund", steht da. Und: "Edmund, wir zählen auf Dich!" Was man eben so schreibt, wenn einer geht - und in diesem Fall mehr gegangen wurde.

Stoiber drängt in die Ahnengalerie der CSU

Fast zweidreiviertel Stunden braucht Stoiber, um sich über die Terroristenbegnadigung, den EU-Beitritt der Türkei, Familien-, Außen-, Wirtschaftspolitik, Klimaschutz und Killerspiele, Integration, die Gegner von SPD und Grünen auszulassen und, ja, seine Frau Karin zu loben. Es ist von allem etwas dabei.

Vor allem aber nutzt Stoiber seinen letzen Auftritt als CSU-Chef in Passau, um sich in die Ahnengalerie der Partei einzureihen. So oft wie lange nicht mehr erinnert er an Franz Josef Strauß, den einstigen Übervater der CSU, dem er als Generalsekretär diente und unter dem er wegen seiner scharfen Attacken auch das "blonde Fallbeil" genannt wurde. Hier in Passau nennt Stoiber ihn sogar, abweichend vom Redemanuskript, "meinen Lehrmeister".

Stoiber, der Mahner, der Nachlassverwalter des christsozialen Erbes. So präsentiert er sich in Passau.

"Haltet mir den Laden zusammen", ruft er. "Wir sind für alle da und nicht nur für ein Lebensmodell." Er spricht sich für mehr Kinderbetreuungsplätze aus, warnt aber vor dem Eindruck, dass die Union nur noch das Familienmodell der erwerbstätigen Frau fördert. Wenn die Menschen nicht mehr den Unterschied wüssten zwischen der früheren SPD-Familienministerin Renate Schmidt und deren CDU-Nachfolgerin Ursula von der Leyen heute, dann würden sie die Union auch nicht mehr wählen.

Stoiber will sich einmischen, auch nach dem Abschied

Wer immer Stoiber im September folgen wird, er dürfte es nicht leicht haben. Nicht weil Beckstein, Huber oder Seehofer der Aufgabe nicht gewachsen wären. Sondern weil sich Stoiber einmischen wird.

Schon in Passau erhebt er drohend den Finger. Eine formalisierte Zusammenarbeit mit den Grünen, das werde es mit ihm nicht geben. "Meine Kraft wird ausreichen, dass auch später zu verhindern." Oder bei seinem Lieblingsthema, dem ausgeglichenen Haushalt. Wer ihn in Frage stelle, der kriege es "mit mir zu tun, die Art und Weise lasse ich hier mal offen".

Noch überlegt die CSU, welche Verwendung sie für Stoiber haben wird. In Passau hat er klargemacht, dass er sich die Freiheit nehmen wird, sich einzumischen. Und in Passau hat er den Satz gesagt: "Die Leute werden sich daran gewöhnen müssen, dass ich die Dinge deutlicher ausspreche als in der Vergangenheit."

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