Von Florian Gathmann und Anna Reimann
Berlin/Passau/Vilshofen - In diesem Jahr fiel der politische Aschermittwoch besonders derb aus - denn er fand mitten in der heißen Phase vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (20. März) und Baden-Württemberg (27. März) statt. Also gerieten die Witze noch ein bisschen deftiger und die Attacken gegen die Konkurrenz noch ein wenig heftiger.
Und eine Person stand besonders im Mittelpunkt - obwohl sie gar nicht mehr auf der politischen Bühne präsent ist: Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Während CSU-Chef Seehofer seinen Parteifreund zum Comeback aufforderte, machte sich die Opposition über Guttenbergs Plagiatsaffäre lustig.
Lesen Sie im Minuten-Protokoll nach, wie es auf den bisherigen Aschermittwochs-Veranstaltungen der Parteien zuging.
+++ Westerwelle ist auf Schmusekurs mit CSU +++
[12.50 Uhr] Außenminister Guido Westerwelle geht beim politischen Aschermittwoch seiner FDP im bayerischen Straubing sehr zahm mit der CSU um. "Ich bin nicht nur liberal. Ich bin christlich, ich bin sozial und deswegen wird es im Rest meiner Rede keine einzige Attacke gegen die CSU geben", sagt Westerwelle schon nach wenigen Sätzen. Weit schärfer geht er dafür mit sonstigen Kritikern der FDP ins Gericht. "Wer Mittelstandspolitik als Klientelpolitik diffamiert, der hat nicht verstanden, wo Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze entstehen", sagt der Parteichef.
+++ Bayerns SPD-Chef Pronold nennt Seehofer "Lügenbaron" +++
[12.35 Uhr] Der bayerische SPD-Chef Florian Pronold steht seinem CSU-Pendant in nichts nach: Er wirft den Christsozialen "Selbstbedienung" und "Unfähigkeit" vor. Die Partei stehe "für Chaos", wettert Pronold im niederbayerischen Vilshofen. Ministerpräsident Seehofer sei ein "politischer Geisterfahrer" und "Lügenbaron": Der CSU-Chef schaffe es, "auf der Autobahn zu wenden", unter anderem bei den Themen Nichtraucherschutz und Gentechnik.
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[12.30 Uhr] Generalsekretär Alexander Dobrindt darf auch noch mal ran und ein bisschen durchs Mikrofon kalauern, dann ist es vorbei: Die Christsozialen beschließen ihren politischen Aschermittwoch mit dem Lied der Bayern und der Nationalhymne.
+++ CDU-Fraktionschef Kauder greift SPD und Grüne an +++
[12.25 Uhr] Auch die CDU macht mit beim Aschermittwochs-Spektakel: Im schwäbischen Fellbach nimmt sich Unions-Bundestagsfraktionschef Volker Kauder die Opposition vor. Der CDU-Politiker wirft SPD und Grünen vor, ihre Wirtschaftspolitik im Land auf Kosten der Automobilindustrie machen zu wollen. "Die Grünen und die Roten wollen unseren Facharbeitern ihren Arbeitsplatz in der Automobilindustrie streitig machen", sagt er.
+++ Grünen-Chefin Roth beschwört bürgerliche Werte +++
[12.20 Uhr] Auch Grünen-Chefin Roth nimmt das Guttenberg-Thema beim Aschermittwoch in Landshut auf: "Die Grünen sind die wahren Verteidiger der bürgerlichen Werte", sagt sie. "Das Wertefundament der CSU, das gibt es gar nicht mehr."
+++ Steinmeier lästert über die Union +++
[12.15 Uhr] SPD-Fraktionschef Steinmeier ist in Fahrt beim Aschermittwoch in Vilshofen. "Früher hieß das bei der CSU: Laptop und Lederhose. Heute heißt es: Copy und Paste", sagt er wegen Guttenbergs Plagiatsaffäre. "Wenn sie (Bundeskanzlerin Angela Merkel/Anm. d. Red.) das nächste Mal in China gegen Plagiate wettert, dann wird auch der höflichste Chinese sein Grinsen nicht unterdrücken können." Das gibt viel Applaus. Unterdessen gibt es Berichte, wonach Guttenberg in seiner Dissertation sogar bei Doktorvater Peter Häberle abgekupfert hat.
+++ Seehofers Appell an Guttenberg +++
[12.10 Uhr] "Karl-Theodor hat an seinem politischen Talent, an seiner Leistungsfähigkeit für unser Vaterland nichts verloren, dadurch dass er sich für Fehler entschuldigt hat und zurückgetreten ist. In einer Demokratie hat ein solches Verhalten Respekt verdient", sagt Seehofer. "Wir lassen uns aus der Partei der Steinewerfer, aus der Partei der Stasi-Kommunisten nicht Anstand und Moral vorhalten." Und dann spricht Seehofer seinen Parteifreund persönlich an: "Lieber Karl Theodor, bei deinem heißen Herzen für die Schwarzen wirst du am Fernsehschirm sitzen: Du bist einer von uns, du bleibst einer von uns und wir wollen, dass du wieder zurückkehrst in die deutsche Politik." Der Saal tobt.
+++ Endlich ist Seehofer bei Guttenberg angelangt +++
[12.05 Uhr] Nach über einer Stunde dämpft Seehofer seine Stimme. Er sagt: "Ich denke, die ganz große Mehrheit der Bevölkerung steht zu Karl-Theodor zu Guttenberg." Jubel brandet im Publikum auf. Minutenlang. "Ich bin stolz darauf, dass aus dieser großen erfolgreichen politischen Familie der CSU keine einzige kritische Stimme in der Öffentlichkeit gekommen ist", sagt Seehofer. Wie eine Familie hätte die Partei zusammengestanden. "Karl-Theodor ist von mir vorgeschlagen worden als Wirtschaftsminister, als Verteidigungsminister - und dann, wenn seine Familie und er selbst etwas Abstand gewonnen haben, werde ich alles tun, damit Karl-Theodor wieder in die bayerische, in die deutsche Politik zurückkehrt." Kein anderes Thema hat die Zuhörer so bewegt, großer Jubel.
+++ Seehofer lobt Bayern - und macht sich über Berlin lustig +++
[11.59 Uhr] Der CSU-Chef beschwört die Lebensqualität in Bayern, den Freistaat als weltweites Erfolgsmodell: "Egal wo ich hinfahre, nach Peking, nach Georgia, nach Südafrika: Alle sagen mir: Wir wollen da hin, wo ihr seid, erreichen, was ihr erreicht hat. Aber wir müssen uns weiter anstrengen, sonst hören wir auf gut zu sein." Und dann spottet er über die Hauptstadt: "So was gibt's bei uns nicht - wie bei der Hausbesetzung in Berlin. Es kamen 25 Menneken und 2500 Polizisten rückten an." Großer Jubel bei den Zuhörern - in den Seehofer ergänzt: "Das macht doch bei uns die Freiwillige Feuerwehr." Und er legt noch einen drauf: "Platt und pleite, statt arm und sexy" sei die Hauptstadt.
+++ Linken-Chef Ernst attackiert Guttenberg +++
[11.55 Uhr] Linken-Chef Klaus Ernst nimmt CSU-Mann Guttenberg wegen seines Umgang mit den Plagiatsvorwürfen aufs Korn. Guttenberg habe den Vorwurf des Plagiats lange Zeit zurückgewiesen und das Abschreiben einen "Zitierfehler" genannt, sagt Ernst im niederbayerischen Tiefenbach. "Dann kann man künftig Ladendiebstahl als Einkaufsfehler bezeichnen."
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