Konfliktpotenzial Chef der Polizeigewerkschaft schildert Machtkämpfe in Flüchtlingsheimen

Frauen, Kinder und religiöse Minderheiten sollten in Flüchtlingsheimen besser geschützt werden. Das fordert der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. SPD-Politiker äußern sich kritisch zu Plänen, Flüchtlinge nach Ethnien getrennt unterzubringen.

Flüchtlingsheim (im österreichischen Traiskirchen): Gewalt an der Tagesordnung
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Flüchtlingsheim (im österreichischen Traiskirchen): Gewalt an der Tagesordnung


Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), fordert, Frauen, Kinder und religiöse Minderheiten in Flüchtlingsheimen besser zu schützen.

Gewaltausbrüche unter den Asylbewerbern seien "keine neue Entwicklung", sagte Wendt der "Passauer Neuen Presse". "Wir erleben diese Gewalt seit Monaten. Es schließen sich Gruppen nach Ethnien, nach Religion oder Clan-Strukturen zusammen und gehen mit Messern und selbst gebastelten Waffen aufeinander los."

Die Konflikte und Kämpfe sind laut Wendt vor allem religiös und politisch motiviert. "Vieles davon ist sicher der Enge in den Unterkünften geschuldet, aber es gibt auch knallharte kriminelle Strukturen", wird Wendt zitiert. Die meisten Gewalttaten fänden innerhalb der muslimischen Gruppen statt. "Da kämpfen Sunniten gegen Schiiten, da gibt es Salafisten unterschiedlichster Ausprägung. (...) Frauen werden zur Verschleierung gezwungen. Männer werden gezwungen zu beten. Islamisten wollen dort ihre Werte und Ordnung einführen."

Christen sollten deshalb "unter besonderen Schutz" gestellt werden, fordert der Gewerkschaftschef. Sie würden oft massiv bedrängt. Es gebe aber noch andere schutzbedürftige Gruppen - vor allem Frauen und allein reisende Kinder und Jugendliche: "Hier lässt sich das wahre Ausmaß der Gewalt nur schätzen, weil Frauen und Kinder oft aus Angst keine Anzeige erstatten. Da geht es auch um Missbrauch und Vergewaltigung."

Wendt forderte eine schnelle Abschiebung von gewalttätigen Flüchtlingen. "Bei denjenigen, die hier straffällig werden, Verbrechen begehen, muss der Rechtsstaat mit ganzer Härte durchgreifen."

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hält eine Aufteilung von Flüchtlingen nach Glaube und Herkunft zur Vermeidung von Konflikten und Schlägereien nicht für sinnvoll. "Eine Trennung nach Religionen oder gar Ethnien ist bei dem derzeitigen Ansturm kaum praktikabel", sagte Lewentz der Deutschen Presse-Agentur . Die wichtigste Aufgabe sei es, geflohenen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Ähnlich äußerte sich SPD-Vize Ralf Stegner, er sagte der "Rheinischen Post": "Man muss sensibel bei ethnischen Konflikten agieren, aber eine pauschale religiöse oder ethnische Trennung kann nicht die Lösung sein." Der SPD-Abgeordnete Achim Post, Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion, sagte der Zeitung: "Das Hauptproblem ist nicht die Ethnie oder die Religion, sondern es sind die Zustände und die beengten Wohnmöglichkeiten."

als/dpa

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