Trotz neuer Mitarbeiter Bamf kann Asylanträge nicht bewältigen

Tausend neue Mitarbeiter hat das Bamf schon eingestellt, um Herr der Lage zu werden. Doch die Zahl der unbearbeiteten Asylanträge wächst. Nur Behördenchef Weise sieht darin Fortschritt.

Bamf-Chef Weise: 4000 neue Mitarbeiter für die überlastete Behörde
DPA

Bamf-Chef Weise: 4000 neue Mitarbeiter für die überlastete Behörde


Wegen Hunderttausender unbearbeiteter Asylanträge steht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge seit Monaten in der Kritik. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, steigt - und mit ihnen wächst der Berg unbearbeiteter Asylanträge. In den vergangenen drei Monaten hat sich der Antragsstau trotz der Einstellung von etwa tausend neuen Angestellten vergrößert, teilte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mit. Bereits im November 2015 stapelten sich dort mehr als 350.000 Akten.

"Durch den hohen Zugang im letzten Jahr ist der Rückstand aber noch mal leicht gestiegen", sagte Frank-Jürgen Weise, Chef der Behörde. Wie viele Anträge inzwischen auf die Bearbeitung warten, gab er nicht an.

Trotz dieser negativen Fakten und keiner sichtbaren Verbesserung lobt Weise sein Amt: Das Bamf würde bereits jetzt effektiver arbeiten. Und: Im Laufe des Jahres 2016 sollen mehrere tausend Mitarbeiter für die Bearbeitung der Fälle eingestellt werden. "Wir haben viele Einstellungszusagen, wir werden also die 4000 Beschäftigten im besten Fall bis Mitte des Jahres qualifiziert im Einsatz haben." Ziel bleibe es, den Antragsstau in diesem Jahr abzubauen.

Einzelfallprüfung verlangsamt Fallbearbeitung

Das könnte jedoch schwierig werden: Die Rückkehr der Bundesregierung zur Einzelfallprüfung im Fall von Syrern bedeutet nach Weises Angaben, dass künftig pro Fall mehr Zeit aufgewandt werden muss. Zuvor war es für Flüchtlinge aus Syrien möglich, ohne persönliche Anhörung Schutz zu erhalten und so das Asylverfahren zu beschleunigen.

Die Bearbeitung der Asylanträge in diesem Jahr sei eine große Herausforderung, räumte Weise ein. "Denn da liegen Akten an verschiedenen Stellen, die jetzt alle noch mal angesehen werden müssen." Auch müssten die Betroffenen erneut befragt werden.

Weise hatte seine Mitarbeiter zuletzt gegen öffentliche Kritik verteidigt. Forderungen nach längeren Arbeitszeiten, um die Masse der Anträge zu bewältigen, hatte er abgelehnt und die Beschwerden über die Leistung der Behörde als unangemessen bezeichnet.

mtr/dpa

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