Bamf beschleunigt Verfahren Asylbewerber müssen nicht mehr ganz so lange auf eine Entscheidung warten

Eigentlich sollen sie drei Monate dauern, doch noch immer werden Asylverfahren zu langsam entschieden: Im Schnitt warten Antragsteller sechs Monate, minderjährige Afghanen jedoch deutlich länger.

Asyl- und Abschiebezentrum in Regensburg, Bayern
LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Asyl- und Abschiebezentrum in Regensburg, Bayern


Asylbewerber müssen in Deutschland nicht mehr ganz so lange auf die Bearbeitung ihrer Anträge warten wie noch Anfang 2018. Trotzdem haben Bund und Länder ihr selbst gestecktes Ziel von einer Bearbeitungszeit von maximal drei Monaten erneut klar verfehlt.

Im Schnitt dauerten die Verfahren im dritten Quartal 2018 ein halbes Jahr. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, über die Zeitungen der Funke-Gruppe berichteten.

Danach vergingen im Schnitt 6,1 Monate zwischen der Antragstellung und der Entscheidung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Im ersten Quartal waren es noch 9,2 Monate, im zweiten Quartal im Durchschnitt 7,3 Monate. Im Jahr 2017 hatten Asylbewerber durchschnittlich 10,7 Monate auf eine Entscheidung warten müssen.

Ein Grund könnte die gesunkene Zahl von Neuankömmlingen sein: Insgesamt wurden im Jahr 2018 knapp 37.000 Anträge weniger gestellt als noch 2017 (minus 16,5 Prozent). Die Gesamtzahl der im vergangenen Jahr gestellten Anträge belief sich auf knapp 186.000.

Anträge von Syrern werden schneller bearbeitet, andere warten länger

Zu Beginn des wachsenden Flüchtlingszuzugs aus Syrien im September 2015 hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten darauf verständigt, Asylverfahren in drei Monaten abzuschließen. Auch der Vorstellung der Bamf-Geschäftsstatistik für 2018 hatte Behördenpräsident Hans-Eckhard Sommer Ende Januar erklärt, Ziel sei es, die Zahl anhängiger Verfahren "auf einem niedrigen Niveau und die Verfahrensdauer bei drei Monaten zu halten".

Dem aktuellen Bericht zufolge warten jedoch alle Antragsteller länger - besonders Menschen aus Pakistan, Russland, Somalia und Afghanistan. Bei Syrern hingegen geht die Bearbeitung hingegen mit durchschnittlich 4,4 Monaten vergleichsweise schnell. Besonders lange Wartezeiten gebe es auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, vor allem für solche aus Afghanistan.

Noch immer sind den Angaben zufolge nicht alle "Altfälle" abgearbeitet. Ende September 2018 warteten mehr als 4000 Asylbewerber bereits seit über 18 Monaten auf ihren Bescheid.

Die innenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Ulla Jelpke, sagte dazu, überlange Asylverfahren seien "für Schutzsuchende mit einer unzumutbaren Ungewissheit verbunden". Sie forderte "ein unkompliziertes Bleiberecht für alle Asylsuchenden, deren Anträge beim Bamf schon länger als zwölf Monate anhängig sind".

cht/dpa



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