Berlin - Der deutsche Frachter "Atlantic Cruiser" hat entgegen erster Verdachtsmomente keine Waffen oder Munition für das syrische Regime an Bord. Nach tagelanger Untersuchung der Ladung im türkischen Hafen Iskenderun meldeten die Behörden der Bundesregierung am Dienstagnachmittag, dass der türkische Zoll keine illegale Ladung an Bord des Frachters der Emdener Reederei Bockstiegel gefunden habe.
Der SPIEGEL, SPIEGEL ONLINE und andere Medien hatten berichtet, dass der Frachter Waffen für das syrische Regime geladen haben soll.
"Laut den türkischen Behörden fand man in den Containern an Bord keine Waffen für Syrien, auch die Frachtpapiere für das Schiff sind laut den türkischen Behörden korrekt ausgestellt", bestätigte nun ein Sprecher des zuständigen Berliner Bundeswirtschaftsministeriums.
Die Emdener Reederei Bockstiegel teilte am Mittwoch ebenfalls mit, auf dem Schiff seien keine Waffen für Syrien gefunden worden, und versandte offizielle Papiere der türkischen Behörden über die ergebnislose Durchsuchung des Schiffs an Journalisten. Der Frachter wurde laut Reederei wieder beladen und sollte an diesem Donnerstag den Hafen Iskenderun Richtung Montenegro verlassen.
Das Schiff, das zwar der Emdener Reederei gehört, aber nicht unter deutscher Flagge fährt, hatte in der vorvergangenen Woche für große Aufregung gesorgt. Nachdem syrische Oppositionelle die Reederei eindringlich gewarnt hatten, dass sich an Bord des Schiffes Waffen für das Regime des syrischen Machthabers Baschar al-Assad befinden würden, hatte das Unternehmen den Frachter umgehend gestoppt und schließlich in die Türkei umgeleitet. Die Oppositionellen, die sich "Syrian Revolution Naval Forces" nannten, hatten die Reederei regelrecht bedroht und angekündigt, den Frachter beim geplanten Einlaufen in den syrischen Hafen Tartus zu versenken.
Ihren Informationen nach seien die Militärgüter bei einem Zwischenstopp des Schiffes in Dschibuti von einem iranischen Frachter übernommen worden. Der Frachter ist offiziell ausgeflaggt und von der C.E.G. Bulk Chartering an die ukrainische Firma White Whale Shipping weiter verchartert worden. Die Bundesregierung hatte den Vorgang seit den ersten Meldungen über das Schiff intensiv beobachtet, weil ein möglicher Verstoß gegen das geltende Waffenembargo vorliegen könnte.
Deswegen hatte man die türkischen Behörden gebeten, Berlin möglichst schnell vorliegende Ergebnisse zu melden. Die Befrachter hatten von Beginn an dementiert, dass sich an Bord Waffen für Syrien befanden. Stattdessen habe man Container mit technischen Teilen für ein Thermalkraftwerk in Syrien geladen. Ebenso befanden sich aber auch mehrere Tonnen Sprengstoff und Zündvorrichtungen für kommerzielle Zwecke für Abnehmer in Montenegro und der Türkei auf dem Schiff.
mgb
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