Atlas des Rechtsextremismus So braun ist Deutschland

Wo sind Deutschlands braune Hochburgen? Im Osten der Republik sind kleine Neonazi-Gruppen auf dem Vormarsch, aber auch im Westen gibt es eine starke Szene. Der Atlas des Rechtsextremismus zeigt, in welchen Bundesländern die Radikalen besonders aktiv sind.

Von , , und Peter Seybold


Berlin - Braune Kameradschaften, heimliche Wehrsportübungen, Volksfeste der NPD: Überall in Deutschland sind Rechtsextreme aktiv. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz ist der Rechtsextremismus insgesamt zwar zurückgegangen: 25.000 Rechtsextreme zählte die Behörde im Jahr 2010 in Deutschland (2009: 26.600). Doch es gibt ein zweites, beunruhigendes Ergebnis, das sich deutschlandweit manifestiert: Unter den Rechtsextremen steigt laut Verfassungsschutz der Anteil der besonders radikalen Neonazis, derer, die im Grunde das "Dritte Reich" wieder herbeisehnen. 5600 Mitglieder hatte die Neonazi-Szene laut Sicherheitsbehörden 2010 - 600 mehr als im Jahr davor.

Unter ihnen haben die sogenannten "Autonomen Nationalisten" den stärksten Zulauf - Gruppen von jungen Männern, die sich kleiden wie Linksautonome, sogar deren Symbole kopieren. Auf ihren Transparenten stehen Sprüche wie "Fuck the law, fight the system", sie propagieren Gewalt gegen politische Gegner und Polizei. Tausend Neonazis gehören dieser Unterszene an. Eine fundierte ideologische Basis haben die "Autonomen Nationalisten" laut Verfassungsschutz nicht, es handle sich vor allem um eine "strategisch-aktionistische Neuausrichtung" unter den Neonazis, heißt es - im "traditionellen Neonazi-Lager" fürchten demnach viele, dass die "Autonomen Nationalisten" potentielle Anhänger durch ihr scharfes Auftreten verschrecken.

Besonders aktiv sind die "Autonomen Nationalisten" in Westdeutschland und im Großraum Berlin. In den anderen ostdeutschen Ländern haben sie eine kleinere Bedeutung - dafür ist hier weiterhin der Rechtsextremismus in vielen Gegenden in der Mitte der Gesellschaft verankert. Auf Sportfesten werben die rechtsradikale NPD oder deren Nachwuchsorganisation um Jugendliche, Kampfsportveranstaltungen dienen als Rekrutierungsbörse. Im sachsen-anhaltischen Laucha trainierte lange ein NPD-Funktionär die Fußballjugend.

In allen ostdeutschen Ländern lag die NPD bei den vergangenen Landtagswahlen bei mindestens zwei Prozent - in keinem westdeutschen Bundesland war das der Fall. In Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sitzen die Rechtsextremen im Parlament.

Behörden beobachten deutschlandweit, aber besonders im Osten, dass sich kleinere Neonazi-Gruppen zusammenschließen, meist sind es nicht mehr als zehn Personen, die sich im privaten Umfeld treffen. Nach diesem Modell funktionierte auch die Zwickauer Terrorzelle, die den Fahndern allerdings bei ihrer Informationssammlung offenbar nicht wirklich aufgefallen war.

Wo sind Rechtsradikalen in Deutschland am aktivsten? Wie schätzt der Verfassungsschutz die Szene in den jeweiligen Bundesländern ein? SPIEGEL ONLINE zeigt in einer interaktiven Karte die braunen Brennpunkte der Bundesrepublik - klicken Sie auf die Grafik oben.

Forum - Wurde der Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
insgesamt 2160 Beiträge
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hoffnungsvoll 12.11.2011
1. Ja
Zitat von sysopNach aktuellen Fahndungsergebnissen geht die Bundesanwaltschaft inzwischen davon aus, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung steckt. Wurde dieser Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
Menschenverachtung ist Teil jeder rechtsradikalen Idee. Darum muss mit allem gerechnet werden, wenn der Mop sich organisiert. Gewalttaten gehörten immer dazu und werden es auch in Zukunft.
wurzelei, 12.11.2011
2. Wurde der Rechtsextremismus
Erst exakt ermitteln, dann bewerten!
ALG III 12.11.2011
3. ach ja
Zitat von sysopNach aktuellen Fahndungsergebnissen geht die Bundesanwaltschaft inzwischen davon aus, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung steckt. Wurde dieser Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
Den Rechtsextremismus kann man gar nicht unterschätzen. Er stellt immer eine Gefahr für die ganze Gesellschaft dar. Menschen, die rechtsextremem Gedankengut anhängen, kennen kein Pardon und sind zu allem fähig. Magda Goebbels brachte im April 1945 alle ihre blonden Kinder um, weil sie glaubte, daß ein Leben nach dem Dritten Reich sowieso nicht lebenswert sei. Das war natürlich ein Irrtum, wenn man an den dicken Erhardt mit seinen fetten Zigarren denkt. Selbst eingefleischte Nazis hatten unter Adenauer wieder Spaß am Leben. Wenn wir Rechtsextremismus verhindern wollen, dann sollten wir allen menschen einen Mindestlohn bzw. einen auskömmlichen Regelsatz garantieren. Schleichende Armut begünstigt politischen Radikalismus und führt letztlich zu Gewalt. Ich sage nichts Neues. Aber man kann ja hin und wieder an alte Weisheiten erinnern.
Websingularität 12.11.2011
4. Hat in Deutschland Tradition
Zitat von sysopNach aktuellen Fahndungsergebnissen geht die Bundesanwaltschaft inzwischen davon aus, dass hinter dem Heilbronner Polizistenmord eine rechtsextreme, terroristische Vereinigung steckt. Wurde dieser Rechtsextremismus bisher unterschätzt?
Sagen wir es mal so, die Ermittler sind auf dem rechten Auge blind. Ich wette, das rechte Gedankengut findet man in den höchsten Ebenen & Instanzen, Polizeirat, Politik, etc. Selbst in den etablierten Parteien. Randparteien wie NPD sind nur Lockvogel zur draufhauen.
cycokan, 12.11.2011
5. Xenophobie gibt es bei Arm und Reich
Zitat von ALG IIIDen Rechtsextremismus kann man gar nicht unterschätzen. Er stellt immer eine Gefahr für die ganze Gesellschaft dar. Menschen, die rechtsextremem Gedankengut anhängen, kennen kein Pardon und sind zu allem fähig. Magda Goebbels brachte im April 1945 alle ihre blonden Kinder um, weil sie glaubte, daß ein Leben nach dem Dritten Reich sowieso nicht lebenswert sei. Das war natürlich ein Irrtum, wenn man an den dicken Erhardt mit seinen fetten Zigarren denkt. Selbst eingefleischte Nazis hatten unter Adenauer wieder Spaß am Leben. Wenn wir Rechtsextremismus verhindern wollen, dann sollten wir allen menschen einen Mindestlohn bzw. einen auskömmlichen Regelsatz garantieren. Schleichende Armut begünstigt politischen Radikalismus und führt letztlich zu Gewalt. Ich sage nichts Neues. Aber man kann ja hin und wieder an alte Weisheiten erinnern.
Na, nee. Dass es einen gewissen Zusammenhang gibt, zwischen Radikalismus und sozialer Situation, will ich ja nicht bestreiten. Aber Ausländer aus Rassenhass per Kopfschuss exekutieren und Bomben legen, dass hat ja wohl eine besondere, über politische Radikalität hinausgehende Dimension. Dafür muss man erstens Extremist sein und 2. zusätzlich eine schwere Persönlichkeitsstörung haben. Und so etwas wird, mMn, eher weniger durch Armut angelegt, ich glaube nicht, dass die betreffende 3er Gruppe Unterschichtkinder waren. Und ich glaube auch nicht, dass der latente Fremdenhass, in so mancher Familie, an so manchem Stammtisch, ein Armutsproblem ist. Meine Erfahrung ist eher, dass manche gutsituierte Ober- und Mittelklasse Menschen offen, und noch viel mehr erst nach dem xten Bier, schier unglaublich rücksichtslose fremdenfeindliche Sprüche vom Stapel lassen. Und in jedem Ortsverband der FDP, der CDU, selbst der SPD, gibt es Menschen, die zu gewissen Fragen am liebsten die ganz einfachen Antworten hören wollen und das auch dumm laut verkünden, auch hier, umso mehr, je höher der Alkoholspiegel. Kampagnen gewisser Medien greifen diese latente Stimmung auf und befördern sie zusätzlich. Das es dann bei sozialschwachen dummen Jungs aus strukturschwachen Gebieten besondere Auswüchse gibt, mag sein. Aber das Finanzielle ist nicht der Auslöser. Klar, irgendwo im tiefen Osten auf dem Land, keine Arbeit, die schlauen jungen Männer und alle Frauen haben sich längst in die Städte oder den Westen verabschiedet, übrig geblieben die eher weniger begabte männliche Jugend und ein paar Rentner, da fehlen wichtige soziale Bande und Banden. Vor allem eben keine Freundin, keine eigene Familie, was in aller Regel den Testosteron Haushalt unter Kontrolle hält und Gelegenheit gibt Verantwortung zu tragen und Empathie fördert, genauso aber auch fehlende politische Gegner, die haben sich längst bedroht, aber auch gelangweilt nach Berlin verdrückt und fehlende Ausländer, die gibt es dort ja kaum, als Kontrolleure und Widersacher fehlen. Und der Dorfbulle, der ist oft selbst so ein frustrierter Law and Order Typ, der für die große Karriere offenbar nicht geeignet war, sonst wäre er woanders.
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