Atomendlager Einsturzgefahr in Morsleben?

Das einzige Atommüll-Endlager in Deutschland droht offenbar einzustürzen. Experten fordern eine sofortige Stabilisierung des Lagers.


Endlager Morsleben: Nicht mehr sicher?
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Endlager Morsleben: Nicht mehr sicher?

Halle - Nach Angaben von Sachsen-Anhalts Umweltminister Konrad Keller (SPD) besteht keine unmittelbare Einsturzgefahr im Atommüllendlager Morsleben. "Nach dem, was mir bislang bekannt ist, gibt es keine akute Einsturzgefahr", sagte er in Magdeburg. Sein Haus prüfe jetzt aber das Gutachten des Bergamtes Staßfurt, über das die "Mitteldeutschen Zeitung" berichtet hatte. Die Risiken des Bergwerks seien seit langem bekannt, und alle Umweltminister des Landes hätten seit Jahren davor gewarnt.

Es sei "festzustellen", zitiert das Blatt aus den bislang unveröffentlichten Unterlagen, "dass im Zentralteil langsam fortschreitende Schädigungsprozesse ablaufen und damit ein fortschreitender Verbrauch an Sicherheit zu verzeichnen ist". Die Gutachter verweisen in dem Papier unter anderem darauf, dass ruckartige Bewegungen der Gebirgsschichten mit Rissöffnungen einhergehen und "die Standsicherheit der Hohlräume negativ beeinflussen".

Stabilisierungsmaßnahmen dürften nicht länger aufgeschoben werden, heißt es in dem Papier. Anderenfalls sei es möglich, dass keine Schritte zur Gefahrenabwehr mehr eingeleitet werden könnten. Wenn man "nicht rechtzeitig handelt", warnen die Experten, "erzeugt man quasi ein so niedriges Sicherheitsniveau, welches einer atomrechtlichen Anordnung bedarf". Eine solche Anordnung ist mit einer Notstandsmaßnahme vergleichbar, die sonst übliche Verfahrenswege und Klagemöglichkeiten außer Kraft setzt.

Im einzigen deutschen Atomendlager in Morsleben lagern rund 37.000 Kubikmeter nuklearer Abfälle. Davon befinden sich rund 10.000 Kubikmeter in Deponiebereichen, die nach Ansicht von Experten teilweise einsturzgefährdet sind.



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