Atomenergie Heute steigt Deutschland ein - in den Ausstieg

Es ist ein Feiertag für Bundesumweltminister Jürgen Trittin. Vor einem Jahr wurde der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Heute wird der Pakt mit den Stromkonzernen besiegelt.


Atomkraftwerk Krümmel
DPA

Atomkraftwerk Krümmel

Berlin - Die rot-grüne Bundesregierung und die deutsche Atomwirtschaft unterzeichnen heute im Berliner Kanzleramt das Abkommen zum Atomausstieg. Auf die Grundsatzvereinbarung "zur geordneten Beendigung der Kernenergie" hatten sich beide Seiten vor genau einem Jahr verständigt.

Von Seiten der Bundesregierung nehmen Kanzler Gerhard Schröder, Umweltminister Jürgen Trittin und Wirtschaftsminister Werner Müller an der Unterzeichnung teil. Die Wirtschaft ist durch die Vorstandsvorsitzenden Ulrich Hartmann (e.on), Dietmar Kuhnt (RWE), Gerhard Goll (EnBW) und Manfred Timm (HEW) vertreten.

Trittin bezeichnete den deutschen Atomausstieg als eine "historische Weichenstellung". Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte er, international werde besonders beachtet, dass Deutschland ein umfassendes ökologisches Kontrastprogramm zu Vorstellungen in andren Ländern biete. Den Grünen in der Regierung käme das große Verdienst zu, eine "zukunftsfähige Alternative" für die Energieversorgung und neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Angesichts sinkender Akzeptanz sieht auch die Atomstrombranche vor allem Vorteile im Ausstieg aus der Kernenergie. Das Abkommen mit der Bundesregierung sei "viel wert angesichts der gesellschaftspolitischen Situation, in der wir uns vor dem Konsens befanden", sagte der Vorstandssprecher der Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW), Manfred Timm, der "Berliner Zeitung".

Ähnlich argumentierte der Vorstandschef der RWE Power AG, Gert Maichel, in der "Welt am Sonntag": "Die Bundesregierung hat uns den ungestörten Betrieb und die Entsorgung unserer Kraftwerke auf lange Sicht zugesichert. Für die Branche bedeutet dies das Ende unkalkulierbarer und großer wirtschaftlicher Risiken." Im Übrigen gebe es "unter den gegenwärtigen politischen Konstellationen keine Alternative".

Der Atomkonsens birgt nach Einschätzung von Greenpeace dagegen hohe Risiken. Die Atomexpertin der Umweltorganisation, Susanne Ochse, sagte, die Vereinbarung biete den Kernkraftwerken (KKW) langjährigen Bestandsschutz. Die ausgehandelte Laufzeit bedeute, dass bis 2020 noch einmal dieselbe Menge Atommüll produziert werde wie seit Einführung der Atomenergie in Deutschland.



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.