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20. Juli 2009, 07:58 Uhr

Atomkraft

Merkel kritisiert Krümmel-Betreiber Vattenfall

Die Bundeskanzlerin hält an der Kernenergie fest - ist jedoch empört über den Energiekonzern Vattenfall und sein Verhalten angesichts der Pannen im AKW Krümmel. "Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen, wenn man sieht, was dort passiert ist", sagte Angela Merkel in einem Interview.

Berlin - Die Kanzlerin wählte deutliche Worte: Sie sei sehr, sehr unzufrieden mit Vattenfall, sagte sie am Sonntagabend in der ARD. Nach der Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel habe sie Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit der Betreiberfirma. Die zuständigen Behörden müssten nun entscheiden, ob wieder Vertrauen einkehren könne oder nicht.

"Es kann einem schon der Zorn ins Gesicht steigen, wenn man sieht, was dort passiert ist", sagte Merkel. Nach zwei Jahren Reparatur sei die Situation in Krümmel die gleiche wie vorher. Sie bekräftigte, Kernenergie sei für sie eine "Brückentechnologie. Das brauchen wir nicht auf immer und ewig". Die heutigen Kraftwerke hätten ein hohes Niveau und sie sollten deshalb länger laufen. Sie räumte allerdings ein, dass die Endlagerfrage nicht gelöst sei, gab aber auch zu bedenken: "Die Kernkraftgegner haben auch alles getan, um das zu verhindern."

Krümmel bei Hamburg war nur zwei Wochen nach der Wiederinbetriebnahme wegen mehrerer Störfälle vom Netz gegangen. Der Reaktor war wegen eines Transformatorenbrandes zwei Jahre lang abgeschaltet gewesen.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) legte den Kunden nahe, sich aus Protest einen anderen Stromversorger zu suchen. "Der Verbraucher ist der Souverän. Jeder kann Vattenfall verlassen, wenn er mit der Unternehmenspolitik nicht einverstanden ist", sagte Gabriel dem "Hamburger Abendblatt". Er fügte hinzu: "Vattenfall hat alle Chancen, diese Kunden mit einer anderen Politik zurückzugewinnen." Gabriel sagte, es sei im Interesse von Vattenfall, wenn Krümmel endgültig stillgelegt werde. "Das Rest-Vertrauen in das Unternehmen kehrt nur zurück, wenn es nicht permanent mit einem Problemreaktor identifiziert wird. Vattenfall sollte nicht ernsthaft auf die Idee kommen, Krümmel wieder hochzufahren."

Gabriel will Krümmel und sieben ältere Reaktoren im Lauf der nächsten Wahlperiode stilllegen. Sie sollten schneller vom Netz genommen werden als ursprünglich geplant, sagte er. "Bis 2012 oder 2013 kann das erreicht werden." Der Umweltminister kämpft seit längerem gegen Pläne der Union, die Laufzeiten für ältere Reaktoren zu verlängern und damit den Atomausstiegsbeschluss zu kippen.

ler/Reuters

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