Bericht der Bundesregierung Viele Atomkraftwerke in Nachbarländern sind nicht sicher

Viele Kernkraftwerke in den Nachbarstaaten genügen nicht deutschen Sicherheitsstandards. Das geht aus einem Papier des Berliner Umweltministeriums hervor. Die Grünen fordern die sofortige Abschaltung der Problem-Meiler.

Kraftwerk Temelin in Tschechien: "Einige Reaktoren sollten sofort abgeschaltet werden"
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Kraftwerk Temelin in Tschechien: "Einige Reaktoren sollten sofort abgeschaltet werden"

Von Michael Fröhlingsdorf


Hamburg - Was passiert, wenn es im französischen Atomkraftwerk Cattenom, 60 Kilometer von Saarbrücken entfernt, zu einem schweren Störfall kommt? Welche Gefahr droht bei einem GAU im tschechischen Kraftwerk Temelin, nicht weit von der bayerische Grenze? Schon lange sorgen sich Atomkraftgegner und Bürger in den angrenzenden Regionen, die Sicherheitsauslegung der Meiler im Grenzraum entspreche nicht den strengen deutschen Standards. Jetzt, kurz vor der Europawahl, hat das Bundesumweltministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag die Befürchtungen offiziell bestätigt.

So gelte etwa die "in Deutschland übliche" Auslegung der Sicherheitssysteme nicht für Kraftwerke amerikanischer und französischer Hersteller, heißt es in dem Papier der Bundesregierung. In Deutschland verfügt die Notkühlung der Reaktoren demnach über vier getrennte Stränge mit jeweils 50 Prozent der erforderlichen Leistung. Eine Havarie des Kühlsystems ist so auch noch beherrschbar, wenn eine Rohrleitung ausfällt und eine weitere gerade repariert oder gewartet wird.

Demgegenüber verfügten Kraftwerke der Hersteller Westinghouse, General Electric und Framatome, die nicht nur in Frankreich, sondern beispielsweise auch in Belgien und teilweise in Skandinavien eingesetzt werden, jeweils nur über eine einzige Ersatzleitung.

Berlin soll sich für Abschaltung der Risiko-AKWs einsetzen

Eine weitere Gefahrenquelle kann sich daraus ergeben, dass offenbar eine Reihe von Reaktoren in Europa nicht über eine gefilterte Druckentlastung verfügt, wie es sie in allen in Deutschland noch im Betrieb befindlichen Kraftwerken gibt. Sollte es im Containment, dem Inneren der Anlagen, zu einem Druckanstieg kommen, etwa durch eine Explosion, könnte dort radioaktiver Dampf austreten. Laut Bundesumweltministerium gibt es solche Sicherheitssysteme zwar auch in Frankreich, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz. Nicht aufgezählt wird aber beispielsweise Tschechien mit dem Kraftwerk Temelin.

Die unterschiedliche Sicherheitsphilosophie zeigt sich darin, wie auf Störfälle reagiert werden soll. Für Reaktoren in Deutschland ist vorgeschrieben, dass sie mindestens 30 Minuten vollautomatisch auf ein Problem reagieren können, ehe die Bedienmannschaft in den Ablauf eingreifen muss. Dieser zeitliche Puffer soll den Verantwortlichen ausreichend Zeit geben, angemessen zu reagieren.

Anders jenseits der Grenze: Nach den der Bundesregierung vorliegenden Informationen seien "in verschiedenen Kraftwerken der Nachbarstaaten" kurzfristig "Handmaßnahmen" notwendig, um einen Störfall zu beherrschen. Ausdrücklich nennt die Antwort als Beispiel französische und belgische Meiler.

Atomexperten wie Dieter Majer, bis zu seiner Pensionierung vor drei Jahren leitender Beamter in der Kerntechnik-Aufsicht im Bundesumweltministerium, überrascht die offizielle Bestätigung der mangelnden Sicherheitsausstattung nicht. "Was in Deutschland nach Stand von Wissenschaft und Technik unverzichtbar ist, wird bei vielen unserer Nachbarn nicht als notwendig angesehen," urteilt er.

Für die Atomexpertin der grünen Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, kann es nur eine Konsequenz aus den Erkenntnissen geben: "Aus gutem Grund wurden nach Fukushima die acht anfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland endgültig abgeschaltet. Einige Reaktoren in Europa, gerade auch grenznahe zu uns, sind ähnlich schlecht. So schlecht, dass sie sofort abgeschaltet werden sollten." Die Bundesregierung müsse sich stärker dafür einsetzen, fordert sie.

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jboerner 20.05.2014
1. Fordern kann man viel
Erst die landeseigene diiesbezügliche Industrie quasi killen, und damit die Entwicklung anderen Ländern überlassen, und dann monieren, dass die ja unsicheren Kram einsetzen und "fordern". Selten dämlich. Gescheiten Kram entwickeln und ihnen verkaufen wäre sinniger gewesen. Das verträgt sich aber nunmal net mit der Maximalforderung "alles abschalten". Dummerweise juckt das außerhalb Deutschlands halt kein Aas. Veränderungen erreicht man halt nicht durch Fordern und Eigenkompetenz abbauen, sondern Fördern und mit Eigenkompetenz glänzen...
Benjowi 20.05.2014
2. Trauriger Treppenwitz
Vielleicht haben die Grünen ja sachlich durchaus Recht-aber anzunehmen, ausländische Regierungen würden nach ihrer Pfeife tanzen, ist und war wohl mehr als blauäugig. Und wenn die frei von jedem Sachverstand durchgezogene "Energiewende" jetzt zu allem Überfluss ausgerechnet auf das französische KKW Fessenheim als letzte Reserve setzt, wird das Ganze erst richtig lachhaft. Fakt ist jedenfalls, dass die deutsche Stromversorgung auf weniger sichere Kraftwerke in den Nachbarländern angewiesen ist, nachdem man die eigenen stärker gesicherten Kraftwerke abschaltet und abgeschaltet hat-ein einziger Treppenwitz, wenn es denn nicht so traurig wäre!
merkur08 20.05.2014
3. Die Grünen werden einen Tritt in den A...bekommen
Der bericht oben is tnicht neu und die Fakten darin auch nicht. Das wurde schon bei der Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke ins Feld geführt, dass selbst die ältesten deutschen Meiler gegenüber ausländischen Werken technisch weit voraus sind. Dummerweise geriet Deutschland nach Fukushima in Panik, auch wenn die Kombination Erdbeben und Tsunami in Deutschland nur möglich ist, wenn Sigmar Gabriel in den Bodensee springt. Stattdessen wurde eine komplett überstürzte, unausgereifte Energiewende ins Leben gerufen, deren Kosten bald durch die Decke fliegen wird. Wahrscheinlich werden wir uns dann mit billigen Atomstrom aus Frankreich eindecken müssen. Das ist wieder Gutmenschtum in reinster Form. Man kann auch von Dummheit und Arroganz sprechen. Die Attribute der Grünen.
syracusa 20.05.2014
4.
Zitat von jboernerErst die landeseigene diiesbezügliche Industrie quasi killen, und damit die Entwicklung anderen Ländern überlassen, und dann monieren, dass die ja unsicheren Kram einsetzen und "fordern". Selten dämlich. Gescheiten Kram entwickeln und ihnen verkaufen wäre sinniger gewesen. Das verträgt sich aber nunmal net mit der Maximalforderung "alles abschalten". Dummerweise juckt das außerhalb Deutschlands halt kein Aas. Veränderungen erreicht man halt nicht durch Fordern und Eigenkompetenz abbauen, sondern Fördern und mit Eigenkompetenz glänzen...
Sie irren grandios. Selbst in Frankreich sind 75% der Bevölkerung für den Atomausstieg, und sogar über 50% für den möglichst schnellen Ausstieg. In Großbritannien ist das ähnlich, besonders seit dort durch die irrwitzige Subventionierung neuer AKWs bekannt wurde, dass dort Stromkunden mehr für Atomstrom zahlen müssen als selbst durch Speicherung grundlastfähig gemachter Windstrom kosten würde. Ich kenne keinen einzigen Staat, in dem AKWs durch den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung gedeckt sind.
chico 76 20.05.2014
5. Das wissen wir,
Zitat von sysopAFPViele Kernkraftwerke in den Nachbarstaaten genügen nicht deutschen Sicherheitsstandards. Das geht aus einem Papier des Berliner Umweltministeriums hervor. Die Grünen fordern die sofortige Abschaltung der Problem-Meiler. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/atomkraftwerke-in-europa-haben-keine-deutschen-sicherheitsstandards-a-970540.html
dass Deutschlands KKW zu den sichersten der Welt gehören, die Frage lautet doch: Warum haben wir sie abgeschaltet? Darauf habe ich noch nie eine schlüssige Antwort erhalten.
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