Atommüll AKW-Gegner stoppen Castor-Transport

Sie ketteten sich an die Gleise und blockierten Straßen: Tausende AKW-Gegner protestierten gegen den Castor-Transport aus Frankreich zum Zwischenlager nach Gorleben. Dort demonstrierten 15.000 Menschen für den Atomausstieg.


Berg/Gorleben - Atomkraftgegner haben am Samstag mit einer Blockade in Rheinland-Pfalz den Atommülltransport von Frankreich ins niedersächsische Gorleben gestoppt. Nach Angaben eines Polizeisprechers ketteten sich am Mittag bei Berg in der Pfalz (Kreis Germersheim) drei Atomkraftgegner unter den Bahnschwellen an.

Rund sechs Stunden nach Beginn der Protestaktion gelang es der Polizei, einen der drei angeketteten Demonstranten vom Gleisbett zu lösen, am Abend konnte der zweite frei geschnitten werden. Die beiden Männer wurden in Gewahrsam genommen. Eine Frau war kurz vor Mitternacht aber immer noch an die Gleise gekettet, wie ein Sprecher der Bundespolizei mitteilte. Die Beamten arbeiteten daran, sie loszubekommen.

An Bahnschwellen gekettete Demonstranten: Den Zeitplan des Transports gestört
REUTERS

An Bahnschwellen gekettete Demonstranten: Den Zeitplan des Transports gestört

Eigenen Angaben zufolge hatten die Demonstranten unter den Bahnschwellen einen Betonblock versteckt und dann gegen 12.45 Uhr ihre Arme so daran befestigt, dass sie sich nicht mehr von selbst befreien konnten. "Den Transport von hoch radioaktivem Atommüll ins Zwischenlager Gorleben nehmen wir nicht einfach hin", hieß es in einer Erklärung der Blockadeteilnehmer. Die Polizei musste mit schwerem Gerät anrücken.

Durch die Blockade konnte der Atommülltransport die Grenze zu Deutschland erst einmal nicht passieren. Seit 13.15 Uhr befand er sich im etwa vier Kilometer entfernten Grenzort Lauterbourg im französischen Elsass. Ursprünglich war der Zug gegen 13.30 Uhr in der nur wenige Kilometer entfernten Stadt Wörth erwartet worden. Dort werden normalerweise die französischen Lokomotiven gegen deutsche getauscht. "Wir gehen davon aus, dass wir den Transport noch heute nacht nach Deutschland holen", sagte in Lüneburg ein Sprecher der für den Transport verantwortlichen Bundespolizei. Anschließend soll der Transport mit Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague voraussichtlich über Karlsruhe und Heilbronn durch Baden-Württemberg in Richtung Norden rollen.

Zeitweise Sperrung von Teilstrecken nach Brandanschlägen

Auf das Konto von Gegnern des Transports gehen offenbar auch mehrere Brandanschläge auf Einrichtungen der Deutschen Bahn. Durch die Tatzeiten am Samstag in den frühen Morgenstunden und das ähnliche Vorgehen der unbekannten Täter werde von einem Bezug zum derzeit laufenden Transport ausgegangen, teilte die Polizei in Lüneburg mit. Nach derzeitigen Ermittlungen waren die Rheintalstrecke bei Karlsruhe, die Bereiche Hamburg-Reinbek, der Großraum Berlin sowie Hamm und Wiesbaden betroffen. Durch den Einsatz von Brandbeschleunigern führten Schwelbrände und offene Brände den Angaben zufolge zu erheblichen Sachschäden an Kabeln für Signal- Funk- und Telefonanlagen.

Die betroffenen Teilstrecken mussten laut Polizei zeitweise gesperrt werden. Die Brandanschläge hätten den Atommülltransport aber nicht beeinträchtigt. Bei dem Brand bei Wiesbaden wurde auf einem an die Bahnanlage angrenzenden Feldweg der Schriftzug "Gegen Castor" mit brauner Farbe gesprüht.

In Gorleben demonstrierten laut Polizeiangaben 14.500 Menschen friedlich gegen den Atommülltransport in das Zwischenlager und den möglichen Bau eines Endlagers in dem dortigen Salzstock. Auch hätten sich 350 Bauern mit ihren Traktoren an den Protesten beteiligt. Die Veranstalter sprachen von 16.000 Teilnehmern. Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine forderte auf einer Kundgebung, die Atomanlagen in Gorleben sofort stillzulegen. Die "skandalösen Vorgänge" um das Atommülllager Asse zeigten, dass es keine sichere Lagerung gebe. "Gorleben hat ein Recht auf eine strahlungsarme Zukunft", sagte Meine.

Auch Grünen-Politiker, darunter die Parteivorsitzende Claudia Roth, beteiligten sich an der Sitzblockade. "Es ist wichtig, den zivilen gewaltfreien Ungehorsam zu unterstützen", sagte sie. Der Protest sei ein deutliches Signal an die Bundesregierung, am Atomausstieg festzuhalten.

als/fsc/ddp/dpa

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