Start der offiziellen Suche Bis 2031 soll ein Atommüllendlager her

Aus den Fehlern bei Gorleben will die Politik gelernt haben: Bund und Länder starten die offizielle Suche nach einem Atommüllendlager - dabei soll keine Region ausgeschlossen werden.

Gelbe Tonnen bei Greenpeace-Protest gegen Gorleben
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Gelbe Tonnen bei Greenpeace-Protest gegen Gorleben


Nach jahrzehntelangem Streit beginnen Bund, Länder und Wissenschaftler mit der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland. Die Vorgabe ist, dass diese eine Million Jahre lang sicher verwahrt sein muss. Eine Expertenkommission hatte zuvor geklärt, nach welchen Kriterien gesucht werden soll. Ein geeigneter Ort für ein Endlager soll planmäßig bis zum Jahr 2031 gefunden sein. Dies gilt unter vielen Experten aber als sehr ehrgeizig.

"Es wird ein langer und gründlicher Prozess sein", sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) beim offiziellen Start der Suche durch die neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Aber dennoch müsse das Ziel so bald wie möglich erreicht werden.

Ein Endlager für hochradioaktiven Müll gibt es bisher nirgendwo auf der Welt (Lesen Sie hier mehr zu der Endlagersuche). Bei der Suche spielen geologische Kriterien wie der Untergrund oder Erdbebengefahr eine Rolle, aber auch die Nähe zu Städten. Der bisherige Plan ist, die Atomabfälle mehrere Hundert Meter tief in einem Bergwerk zu entsorgen.

Hendricks sagte, Grundprinzip sei die "weiße Landkarte". Dies bedeute, dass bei der Suche sämtliche möglichen Gebiete und geologischen Gesteinsformationen einbezogen würden. Keine Region könne sich aus der Verantwortung stehlen.

Das neue Endlager soll auch den langen Streit um den Salzstock Gorleben beenden, der jahrzehntelang als Standort für ein Endlager gegolten hatte. Mit Blick auf die "verhängnisvolle" Entscheidung für Gorleben Ende der Siebzigerjahre sagte Hendricks, aus den Fehlern der Vergangenheit habe man gelernt. Bürger würden künftig einbezogen und angehört.

cte/dpa



insgesamt 54 Beiträge
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hugo.beck2 05.09.2017
1. Umkehr des Goldrauschs
Die sog. abgebrannten Brennstäbe können in diversen Reaktortypen zu Ende gebrannt werden (sie enthalten noch 96% der Energie!). Damit wird es zum Don Qujote Akt, sie vergraben zu wollen, stellen sie jedoch eine Energiereserve dar, welche uns über 100 Jahre exklusiv mit Strom versorgen könnte. Diese Energiediskussion ist eine Schande für die deutsche Wissenschaft, die sich durch Wohlfühlmärchen ausbooten lässt. Im Goldrausch wurde das Gold ja ausgegraben - nicht eingegraben.
mediator 05.09.2017
2.
Bei einem gut gewählten Endlager kommt es eben nicht zu einer Verstrahlung der Umgebung und der Bevölkerung. Salzstöcke bieten exzellente Voraussetzungen für ein gutes Endlager. In ehemaligen Salzbergwerken werden daher jetzt schon Hunderttausende von Tonnen hochgiftigen Chemiemülls eingelagert. Gorleben ist ein Salzstock. Alle Gutachten kamen zu dem Schluss, dass hier alle Voraussetzungen für ein gutes Endlager gegeben sind. Dass wir in Deutschland noch kein Endlager haben, ist der "erfolgreichen" Arbeit von Öko-Faschisten zu verdanken. Genau diese Gruppe wird ein Endlager auch in Zukunft verhindern.
heinzi55555 05.09.2017
3.
ein Endlager, das eine Million Jahre sicher ist...wird es nie geben. Das wissen die Politiker, die Wirtschaft weiss es, einfach alle wissen das. Und jetzt suchen die bis 2031. Da wird das Problem an die nächste Politikergeneration weiter gegeben. Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen wie es dann weiter geht.
drent 05.09.2017
4. Eine Million Jahre
Für diese Einrichtung muss ja eine Behörde zuständig sein. Das gibt lange Zeit gaaanz sichere Arbeitsplätze.
mazzmazz 05.09.2017
5. 1Mio. Jahre...
Bis dahin wird es mehrere kulturelle Gaps, tektonische Plattenverschiebungen, Völkerwanderungen, neue Städte, neue Technologien, Klimaveränderungen u.s.w. geben. Die Aufgabe ist somit sportlich. Zumal andere Länder sich nicht darum scheren. Es wird somit relativ sicher böse "Unfälle" geben. Vor 60 Jahren war das den meisten Politikern und Bürgern egal. Nun wird man die Sache eben weiter vertagen und den Atommüll irgendwann in Afrika verklappen. Zur Not 200 Jahre nachdem man ihn zunächst in Deutschland verbuddelt hatte. Wetten?
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