Atommüll Castor-Gegner sammeln sich für Protest auf den letzten Kilometern

Der Castor-Transport aus Frankreich hat Mecklenburg-Vorpommern ohne größere Probleme erreicht.  In der Nacht musste er wegen eines Lokwechsels in Magdeburg pausieren. Nun absolviert er die letzten Kilometer zum Zwischenlager Lubmin. Am frühen Morgen brachen Demonstranten in Richtung Bahnstrecke auf.

dapd

Berlin - Bisher lief alles glatt. Der Atommülltransport aus Frankreich zum Zwischenlager Nord bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern ist bis Donnerstagfrüh nach Polizeiangaben weitgehend störungsfrei verlaufen. Der Zug mit vier Castor-Behältern durchquerte Hessen und Thüringen problemlos. In Magdeburg blieb er rund zwei Stunden stehen, weil Demonstranten den Zug aufgehalten hatten. Zudem wurde hier die Lok gewechselt und die Wagen noch einmal technisch überprüft. Um kurz nach sieben Uhr setzte sich der Zug wieder in Bewegung.

Auf den letzten Kilometern der Strecke wollen Demonstranten gegen den Transport protestieren. An den drei Standorten der Mahnwachen in Brünzow, Vierow und Kräpelin hatten in der Nacht zum Donnerstag knapp 200 Atomkraftgegner für einige Stunden campiert. Am frühen Morgen stießen weitere Gruppen zu den Aktivisten.

Von den drei Standorten wollen sich die Demonstranten in mehreren Gruppen in Richtung der Bahnstrecke bewegen. Heißer Tee und Decken wurden verteilt, während sich die Aktivisten an Feuerstellen erwärmten. Auf welche Art sie die Gleise besetzen wollen, ist noch unklar. Aufgrund der Verzögerungen des Castor-Transportes in Sachsen-Anhalt wurde auch der Startschuss für die Gleisspaziergänge der Demonstranten vor Lubmin immer wieder verschoben.

Der Transport werde sein Ziel vermutlich am Vormittag erreichen, sagte ein Sprecher der Zentralen Pressestelle der Bundes- und Landespolizei für den Castor-Transport in Anklam. Es verlaufe alles planmäßig und relativ ruhig.

Wie die Bundespolizeidirektion Koblenz mitteilte, fanden entlang der Strecke bis Magdeburg nur sehr vereinzelt Protestveranstaltungen statt. In Darmstadt, Gelnhausen, Fulda und Kassel habe es nur wenige Teilnehmer gegeben. Alle Kundgebungen verliefen demnach friedlich, zu Störungen des Atommülltransports kam es nicht. Gegen 22.40 Uhr erreichte der Zug Thüringen. Gegen 05.00 Uhr traf der Atommülltransport in Magdeburg ein. Der weitere Streckenverlauf wurde aus Sicherheitsgründen geheim gehalten.

Der Zug mit den vier Castor-Behältern war am Dienstagabend in der südfranzösischen Kernforschungsanlage Cadarache losgefahren. Der Transport enthält Brennstäbe aus einem ehemaligen staatlichen Forschungsreaktor bei Karlsruhe und dem atomgetriebenen deutschen Versuchsfrachter "Otto Hahn", dessen Reaktor 1979 abgeschaltet worden war. Der hochradioaktive Müll gehört dem deutschen Staat.

Vor rund fünf Wochen hatten zehntausende Atomkraftgegner gegen einen Castor-Transport aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in das zentrale deutsche Zwischenlager Gorleben in Niedersachen protestiert. Mit Schienen- und Straßenblockaden hatten sie den Transport viele Stunden aufgehalten, so dass er seinen Bestimmungsort erst mit rund einem Tag Verspätung erreichte. Rund 20.000 Polizisten waren damals im Einsatz.

ler/AFP/dpa

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