Atommüll Castor-Transport rollt wieder

Verhindert haben sie ihn nicht - aber aufgehalten: Die Blockade von drei Atomkraftgegnern hat den Castor-Transport um mehrere Stunden verzögert. Inzwischen rollte der Zug wieder - allerdings rechnet die Polizei mit weiteren Protesten.


Frankfurt am Main - Genau 4.04 Uhr war es, als die Polizei den Weg wieder frei gemacht hatte und der Atommülltransport sich erneut in Bewegung setzen konnte. Der Zug mit den Castor-Behältern sei wieder unterwegs und habe den Bahnhof von Wörth am Rhein passiert, erklärte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntagmorgen. Der Atommülltransport aus Frankreich ist damit mehr als zwölf Stunden später als gedacht in Deutschland eingetroffen und wird im Laufe des Tages weiter nach Niedersachsen fahren.

Polizeibeamte beim Versuch, die Gleisblockade zu lösen: "Das muss vorbereitet gewesen sein"
DPA

Polizeibeamte beim Versuch, die Gleisblockade zu lösen: "Das muss vorbereitet gewesen sein"

Ursprünglich war der Zug am Samstag gegen 13.30 Uhr in Wörth erwartet worden. Drei Atomkraftgegner hatten sich jedoch in der Nähe der südpfälzischen Ortschaft Berg unweit der deutsch-französischen Grenze in unwegsamem Gelände an den Gleisen angekettet und damit für einen Dauerstopp des Zuges in der französischen Grenzstadt Lauterbourg gesorgt.

Fachleute der Bundespolizei konnten die Demonstranten nur mit großem technischen Aufwand von den Ketten lösen. Nach Angaben von Atomkraftgegnern hatten die Demonstranten ihre Arme in einem Betonblock festgekettet, der im Gleisbett versteckt war. Wie der Beton in das Gleisbett gekommen war, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. "Das muss vorbereitet gewesen sein", vermutete der Polizeisprecher.

Polizei rechnet mit mehr Protesten

Die Demonstranten - zwei Männer und eine Frau - wurden nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei in Gewahrsam genommen. Zuvor seien sie ärztlich untersucht worden. Die Bundespolizisten hatten sie mit Folie gegen die Kälte geschützt. Die Frau war nach fast elfeinhalbstündiger Blockade als letzte von den Gleisen gebracht worden. Ihr Zustand sei nach Angaben eines Arztes unproblematisch, sagte der Sprecher der Bundespolizei. "Sie war von ihrem Allgemeinzustand her stabil." Vier andere Demonstranten, die sich am Mittag ebenfalls an der Blockadestelle aufgehalten hatten, wurden zunächst von den Polizisten weggetragen und später auf freien Fuß gesetzt.

Gleichzeitig hatten rund 200 AKW-Gegner hdie Nacht friedlich in der Nähe des Zugs verbracht. Die Lage sei ruhig, sagte der Polizeisprecher. Am Zielort Gorleben demonstrierten fast 15.000 Atomkraftgegner für den Atomausstieg und gegen den Transport von Atommüll in das dortige Zwischenlager. Die Ankunft der Atommüllbehälter wird für Montag erwartet. Die Polizei rechnet mit mehr Protesten als beim vorangegangenen Transport Ende 2006. Damals waren mehr als 10.000 Beamte im Einsatz.

Der stark gesicherte Sonderzug transportiert mit elf Waggons 17 Tonnen strahlenden Atommüll aus der französischen Aufarbeitungsanlage La Hague. Der radioaktive Abfall ist in mehr als hundert Tonnen Glas eingeschlossen. Dabei handelt es sich um Abfall aus der Bearbeitung genutzter Kernbrennstoffe aus deutschen Kraftwerken.

sam/AP/ddp/dpa



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