Atommüll-Transporte: Schleswig-Holstein fordert Lastenteilung

Castor-Transport (Archivbild): "solidarischen Beitrag im Rahmen einer Gesamtlösung leisten" Zur Großansicht
dapd

Castor-Transport (Archivbild): "solidarischen Beitrag im Rahmen einer Gesamtlösung leisten"

Appell von Schleswig-Holsteins Umweltminister Habeck: Nach der historischen Einigung für die Endlagersuche verlangt der Grünen-Politiker mehr Kooperation der anderen Länder. Bei der Zwischenlagerung des Atommülls sollten diese ihre "Nicht-vor-meiner-Haustür"-Haltung überprüfen.

Berlin/Kiel - Schleswig-Holstein fordert mehr Kooperation der anderen Bundesländer bei der Aufnahme der noch anstehenden Atommülltransporte. "Was die Frage der Zwischenlagerung noch ausstehender Castoren anbetrifft, hat sich außer Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg kein anderes Land gefunden, das bereit wäre, sich an der Lastenteilung zu beteiligen", kritisierte Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne)nach dem Kompromiss zur Atomendlagersuche.

Im Zuge des Neustarts bei der Suche nach einem Endlager sollen keine weiteren Castor-Behälter in das oberirdische Zwischenlager Gorleben kommen. So soll unterstrichen werden, dass der Salzstock wie jeder andere Standort bei der neuen Suche behandelt wird und dort keine weiteren Fakten mehr geschaffen werden.

"Für Schleswig-Holstein habe ich unterstrichen, dass es grundsätzlich bereit ist, einen solidarischen Beitrag im Rahmen einer Gesamtlösung zu leisten", sagte Habeck. "Das heißt nicht, dass wir die alleinige Last tragen. Es muss einen fairen Lastenausgleich geben." Insofern gebe es noch keine Lösung und keine Einigung in dieser Frage. "Ich bedauere das sehr und appelliere an die anderen Länder, ihre 'Nicht-vor-meiner-Haustür'-Haltung zu überprüfen."

Weiteres Zwischenlager gesucht

Ein Teil der noch 26 Behälter aus der Wiederaufarbeitung im Ausland könnte ab 2015 in die Zwischenlager an den Atomkraftwerken Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) und Philippsburg (Baden-Württemberg) gehen. Da die Kapazitäten hier aber nicht ausreichen, wird noch nach einem weiteren Ort gesucht. 21 der 26 Behälter werden aus dem britischen Sellafield kommen und in norddeutschen Häfen eintreffen.

Nach mehr als 30 Jahren hatten sich Bund und Länder am Dienstag auf eine neue, bundesweite Suche nach einem Atommüllendlager geeinigt. Bundesumweltminister Peter Altmaier(CDU) sprach von einem "wichtigen Erfolg", der die Chance biete, das Thema parteiübergreifend zu lösen. Offene Fragen "gerade mit Blick auf die Kosten" werde man nun rasch ansprechen, so Altmaier weiter.

An den Gesprächen in der niedersächsischen Landesvertretung hatten außer Altmaier auch die Ministerpräsidenten der Länder und Landesminister sowie führende Vertreter von Parteien und Bundestagsfraktionen teilgenommen.

Atomindustrie wehrt sich gegen zusätzliche Kosten

Nun soll ein entsprechendes Gesetz bis zum 5. Juli von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. Damit könnten dann in den nächsten 15 Jahren bundesweit mehrere Alternativen zum Standort Gorleben geprüft werden. Spätestens bis zum Jahr 2031 soll das deutsche Endlager für hochradioaktive Abfälle gefunden sein. Altmaier rechnet mit Kosten von rund zwei Milliarden Euro, die die Atomkonzerne tragen sollen. Sie haben bereits 1,6 Milliarden Euro in die Erkundung Gorlebens investiert, für dessen Untauglichkeit sie keine klaren Belege sehen. Gorleben bleibt vorerst als Option für ein Endlager im Spiel - trotz der massiven Proteste in der Region.

Die Atomindustrie wehrte sich noch am Dienstagabend gegen eine Übernahme zusätzlicher Kosten. Das Deutsche Atomforum erklärte, die AKW-Betreiber stünden zwar zu ihrer gesetzlichen Verpflichtung, "ihren Anteil des notwendigen Aufwandes" für ein Atommüll-Endlager zu tragen. "Für die Übernahme zusätzlicher Kosten durch die Betreiber infolge alternativer Standortuntersuchungen" gebe es jedoch "nach unserer rechtlichen Auffassung keine Grundlage".

heb/dpa

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1. Brunsbüttel - hinter dem Deich - bloß nicht!
strixaluco 10.04.2013
- Atommüll hinter dem Elbdeich zu lagern, halte ich für keine gute Idee, da ein Kraftwerk zu bauen, war in meinen Augen ohnehin fahrlässig, da die Region sturmflutgefährdet ist. Höhe des Deiches hin oder her - es kann immer dumm kommen, und dann wäre es schlecht, wenn Atommüll wegschwimmt. Eine Sturmflut kann im übrigen ja auch Tage anhalten und das Wasser steht deutlich länger im Land als bei einem Tsunami, wenn der Deich bricht. Insofern haben die Einwohner von Brunsbüttel mehr als gute Gründe, den Müll nicht vor ihrer Haustür zu wollen.
2.
no-panic 10.04.2013
Das sollte ja kein Problem darstellen, es gibt genug Standort Zwischenlager, zB in Bayern, in denen man noch einlagern kann. Das Problem der Ministerpräsidenten wird sein, wie sie es den Bürgern verkaufen, daß man zwar vom angeblich billigen Atomstrom und den Steuern der Betreiber profitieren, selber aber keinen Beitrag dazu leisten möchte. Der weitaus größere Teil der Menschen hier im Lande weiß, daß wir die Verantwortung für den Müll haben und nachdem der Ausstieg beschlossen ist, haben auch die Gegner der Atomkraft keine Argumente gegen die Versorgung des Abfalls mehr. Man darf auf die rethorischen Kapriolen eines Horst Seehofer gespannt sein.......
3. Ach was
Stelzi 10.04.2013
Zitat von strixaluco- Atommüll hinter dem Elbdeich zu lagern, halte ich für keine gute Idee, da ein Kraftwerk zu bauen, war in meinen Augen ohnehin fahrlässig, da die Region sturmflutgefährdet ist. Höhe des Deiches hin oder her - es kann immer dumm kommen, und dann wäre es schlecht, wenn Atommüll wegschwimmt. Eine Sturmflut kann im übrigen ja auch Tage anhalten und das Wasser steht deutlich länger im Land als bei einem Tsunami, wenn der Deich bricht. Insofern haben die Einwohner von Brunsbüttel mehr als gute Gründe, den Müll nicht vor ihrer Haustür zu wollen.
So ein Castor schwimmt nicht weg. Der wiegt bis zu 125t und muss mindestens 8h in 20m Wassertiefe dicht halten - was natürlich nicht heisst, dass er darüber hinaus undicht wird. Über das KKW dort würde ich mir allerdings auch gedanken machen, wie man in Japan gesehen hat...
4. Rhetorische Kapriolen
phaeno 10.04.2013
Zitat von no-panicDas sollte ja kein Problem darstellen, es gibt genug Standort Zwischenlager, zB in Bayern, in denen man noch einlagern kann. Das Problem der Ministerpräsidenten wird sein, wie sie es den Bürgern verkaufen, daß man zwar vom angeblich billigen Atomstrom und den Steuern der Betreiber profitieren, selber aber keinen Beitrag dazu leisten möchte. Der weitaus größere Teil der Menschen hier im Lande weiß, daß wir die Verantwortung für den Müll haben und nachdem der Ausstieg beschlossen ist, haben auch die Gegner der Atomkraft keine Argumente gegen die Versorgung des Abfalls mehr. Man darf auf die rethorischen Kapriolen eines Horst Seehofer gespannt sein.......
Es mag ja am Stammtisch in Brunsbüttel eine Reihe Applaudierender geben, wenn man die Diskussion um die Endlagerung so führt, dass man nach dem gesunden Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung die Lagerstätten verteilt. Jeder der noch nicht hatte, bekommt eine. Viel Gehirn beweist man damit aber nicht. Es geht hier nicht darum, einen Platz in einem Bundesland zu finden, das sich bisher um die Endlagerung gedrückt hatte, sondern einen möglichst sicheren Platz. Das kann keine Frage der ausgefeilten Rhetorik sein, sondern nur und ausschließlich der Physik. ES ist zu hoffen, dass diesmal der sicherste Lagerplatz gesucht und gefunden wird, unabhängig politischer Gegebenheiten oder vagem Gerechtigkeitsgefühl. Nur das ist das Richtige für die Bevölkerung.
5.
no-panic 10.04.2013
Zitat von phaenoEs mag ja am Stammtisch in Brunsbüttel eine Reihe Applaudierender geben, wenn man die Diskussion um die Endlagerung so führt, dass man nach dem gesunden Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung die Lagerstätten verteilt. Jeder der noch nicht hatte, bekommt eine. Viel Gehirn beweist man damit aber nicht. Es geht hier nicht darum, einen Platz in einem Bundesland zu finden, das sich bisher um die Endlagerung gedrückt hatte, sondern einen möglichst sicheren Platz. Das kann keine Frage der ausgefeilten Rhetorik sein, sondern nur und ausschließlich der Physik. ES ist zu hoffen, dass diesmal der sicherste Lagerplatz gesucht und gefunden wird, unabhängig politischer Gegebenheiten oder vagem Gerechtigkeitsgefühl. Nur das ist das Richtige für die Bevölkerung.
Es geht hier um vorläufige Zwischenlager an bestehenden AKW Standorten! Darauf bezog sich auch mein Posting! Was die Suche nach dem Endlager angeht, stimme ich Ihnen zu, mit dem Einwand, daß nicht allein die Physik Kriterium sein darf. Es bedarf auch Fachleuten der Geologie, Seismologie, Chemie und Biologie, von mir aus ein oder zwei Mathematiker ;)
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