Atommüllendlager Union fordert von Gabriel Bekenntnis zu Gorleben

Chaostage in Asse: Das Strahlenschutzamt denkt darüber nach, einen Teil der lecken Atommüllfässer zu bergen. Die Union fürchtet nun Gegenwind für ihre atomfreundliche Politik - sie fordert nach SPIEGEL-Informationen von Umweltminister Gabriel, das Moratorium für das Endlager Gorleben sofort aufzuheben.


Hamburg/Berlin - Aufgrund der Affäre um Missstände im niedersächsischen Atommülldepot Asse fürchten die Unionsparteien eine Debatte um das geplante Endlager in Gorleben. Nach SPIEGEL-Informationen fordert die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Katherina Reiche in einem bislang unveröffentlichten Strategiepapier der Bundestagsfraktion, Bundesumweltminister Sigmar Gabriel solle "unverzüglich" das Erkundungsmoratorium für Gorleben aufheben.

Asse-Wandmalerei im Kreis Wolfenbüttel: Teilbergung der lecken Fässer erwogen
DDP

Asse-Wandmalerei im Kreis Wolfenbüttel: Teilbergung der lecken Fässer erwogen

Die von Gabriel favorisierte Suche nach Alternativen werde mindestens eine Milliarde Euro kosten. Werde der Salzstock Gorleben als Endlagerstätte aufgegeben, könnten die Energieversorger Regressforderungen in Milliardenhöhe an den Bund stellen.

Das Erkundungsmoratorium basiert auf einer Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom Juni 2001. "Die Erkundung des Salzstocks in Gorleben wird bis zur Klärung konzeptioneller und sicherheitstechnischer Fragen für mindestens drei, längstens jedoch zehn Jahre unterbrochen", heißt es dort.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Röttgen, forderte Gabriel auf, nun endlich die zugesagten Vorschläge für ein Endlagergesetz vorzulegen. Der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" sagte Röttgen, die Kritik Gabriels an den Zuständen in der Asse sei zwar richtig, führe aber nicht weiter.

Die Asse dürfe nicht instrumentalisiert werden, um "an einer überkommenen Anti-Atom-Ideologie festzuhalten". Die Union will den Atomausstieg rückgängig machen, während SPD und Grüne sich durch die Endlagerprobleme darin bestärkt sehen.

Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner warnt im SPIEGEL vor einem "Vermischen der Vorgänge" in Asse und in Gorleben. In ihrem Bundesland kommt eine Alternative zu den niedersächsischen Salzstöcken vor: Opalinus-Ton. In der Schweiz soll in dem 180 Millionen Jahre alten Gestein demnächst ein Entsorgungszentrum für radioaktiven Müll eingerichtet werden.

Nach der Übertragung der Verantwortung für Asse an das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) denken die neuen Betreiber über eine Teilbergung der lecken Fässer nach. Laut einem neuen Gutachten eines Bochumer Ingenieurbüros könne das Bergwerk durch "Sicherungsmaßnahmen" mit großen Mengen Beton für weitere zehn bis 15 Jahre vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Das Ziel sei, so BfS-Chef Wolfram König, "Zeit zu gewinnen, um die bestmögliche Lösung für die Schließung zu finden".

Nach Ansicht Königs wurden die Herausforderungen einer atomaren Endlagerung in den vergangenen Jahrzehnten systematisch unterschätzt. Die heute kaum noch nachvollziehbare, frühere Sorglosigkeit habe viel mit der einstigen Atom-Euphorie zu tun. Das schadhafte Atommülllager Asse in Niedersachsen sei ein Beispiel dafür, was man alles falsch machen könne, wenn man sich nicht von Anfang an um eine ernsthafte Sicherheitsanalyse kümmere.

Das Bundesamt hatte die Zuständigkeit für Asse vom Helmholtz-Zentrum übernommen. Damit soll der Salzstock künftig nach Atomrecht statt nach dem weniger strengen Bergrecht geführt werden. Auch geht die Aufsicht damit von Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) auf Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) über. Gabriel will bis Ende des Jahres über die Schließung der Forschungsanlage aus den sechziger Jahren entscheiden. Der Salzstock gilt als einsturzgefährdet.

phw/Reuters/ddp

Forum - Wohin mit dem Atommüll?
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tempus fugit 26.06.2008
1. ...keine produzieren
Zitat von sysopNeuerdings wird der Atomausstieg immer häufiger in Frage gestellt, weil er den Klimaschutzzielen im Wege stehe. Doch ein ganz anderes Problem ist die Entsorgung der atomaren Abfälle. Nun sind erneut Probleme im Atommüllager Asse II aufgetreten. Wie soll mit der strahlenden Fracht umgegangen werden?
...keine produzieren = Ausstieg aus der Sch.... so schnell wie möglich, die Alternativen sind da.
anbue 26.06.2008
2.
So ein paar Milliarden für die Sanierung der ein oder anderen Landesbank waren doch kurzfristig aufzutreiben. Da sollte man jetzt bei der Asse nicht so knauserig sein. Man kann es ja wieder als "Forschung" deklarieren: Wie saniert man ein abgesoffenes Endlager. 1000 Jahre dauern in Deutschland 12, die Ewigkeit 40 Jahre - daran braucht man nicht mehr rumzuforschen.
Realo, 26.06.2008
3. Atomenergie....
.....ist ja soooooo billig - Harharhar ! Jetzt ist genau das eingetreten, was wir in den 60igern, 70igern und 80igern mit unserem Protest verhindern wollten. ATOMKRAFT - NEIN DANKE ! Wenn mir jetzt wieder Blödmänner ins Gesicht sagen: "Atomkraft ist billig und ohne Risiko" kann ich nur lachen ! - Folgekosten für die nächsten 1 Mio. Jahre - Nicht beherrschbare Technik Ich bin wirklich froh und dankbar, dass die Lagerprobleme jetzt an Tageslicht kommen, bevor weiter über verlängerte Restlaufzeiten und sogar über den Neubau von AKWs diskutiert wird. Kernenergie ist /war und wird es auch NIEMALS sein, eine von Menschen zu beherrschende Energieversorgung. Das sind die Fakts, alles andere ist eine Lüge ! Liebe Grüsse Realo AKW - nee!
computerkid 26.06.2008
4. Alles Koscher ?
Es ist schon interessant, wie man jetzt darum bemüht ist, den Inhalt von Asse II 'unter den Teppich' zu kehren. Hat sich schon einmal jemand Gedanken gemacht, was die BRD im Kalten Krieg eigentlich so alles in den 'Forschungsreaktoren' getrieben hat ? Vielleicht war das ja ein kleines Atomwaffenprogramm...
descartes101, 26.06.2008
5. So eine Überraschung...!
Zitat von anbueSo ein paar Milliarden für die Sanierung der ein oder anderen Landesbank waren doch kurzfristig aufzutreiben. Da sollte man jetzt bei der Asse nicht so knauserig sein. Man kann es ja wieder als "Forschung" deklarieren: Wie saniert man ein abgesoffenes Endlager. 1000 Jahre dauern in Deutschland 12, die Ewigkeit 40 Jahre - daran braucht man nicht mehr rumzuforschen.
Wer nach diesem Artikel noch den Ausbau der Kernkraft verlangt, der kann nicht ganz dicht sein. Noch viel undichter ist jemand, der auch nur für einen Moment glaubt, dass dies die einzige Leiche im Keller der Kernkraftindustrie und ihrer politischen Handlanger sei. So viel also zum Märchen von der billigen, sauberen Kernenergie. Es soll ja Leute geben, die es von Anfang an gewusst haben. Aber die werden ja auf breiter Fläche als fortschritts- und wirtschaftsfeindliche Traumtänzer abgetan. Die Lösung unseres Energieproblems ist nicht, mehr zu produzieren. Die einzige sinnvolle Lösung ist, sehr viel weniger und effizienter zu verbrauchen, und auch weniger zu produzieren, damit die tatsächlich sehr stark begrenzten Rohstoffe noch wenigstens über die nächsten 50 Jahre reichen. Erst wenn der gesamte Energiebedarf über Solarenergie gedeckt werden kann, dann können wir (zumindest auf diesem Problem) vorsichtig aufatmen. Natürlich ist unser heutiger Bedarf nicht über Solarenergie zu decken. Einige werden ihre Gewohnheiten ziemlich umstellen müssen, egal, was sie sich und anderen einzureden versuchen. Auf die Lügen von Politik und Industrie geben sowieso nur Vollidioten etwas. Lest den Artikel. q.e.d.
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