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Attacke auf Afrikaner: "Wir machen die Neger platt"

Ein Volksfest, Rechtsradikale, Ausländer, plötzlich ein brutaler Übergriff: Solche Szenen haben sich am vergangenen Wochenende nicht nur in Mügeln in Ostdeutschland abgespielt - sondern auch in Guntersblum in Rheinland-Pfalz. Die Polizei machte den Vorfall erst jetzt öffentlich.

Guntersblum - Der Angriff passierte bereits am vergangenen Wochenende, wurde aber erst heute bekannt. Wie der Mainzer Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Puderbach mitteilte, wurden ein Sudanese und ein Ägypter bei einem Weinfest in Guntersblum bei Mainz von drei Rechtsradikalen schwer verletzt.

Aus ermittlungstaktischen Gründen sei die Öffentlichkeit erst jetzt von dem Vorfall informiert worden. Mit den Worten "Wir machen die Neger platt" seien drei Männer aus einer sechsköpfigen Gruppe auf die beiden Afrikaner losgegangen. Zunächst habe der 26-jährige Haupttäter versucht, mit einem Karate-Sprung den Sudanesen zu treten. Als ihm dies misslungen sei, habe er auf den ebenfalls 26 Jahre alten Afrikaner eingeprügelt und ihm eine Weinflasche auf den Kopf geschlagen, so dass diese zerbrach.

Daraufhin sei der Sudanese zu Boden gegangen. Anschließend sollen zwei der Täter auf den am Boden liegenden Mann eingetreten haben. Als der 39-jährige Ägypter seinem Freund zu Hilfe kommen wollte, wurde er von einem der drei Männer mit einem abgebrochenen Flaschenhals angegriffen. Dabei sei dem Ägypter ein Finger abgetrennt worden. Als Passanten die Polizei riefen, seien die Angreifer davongelaufen.

Alle Täter gefasst

Alle drei Täter wurden heute festgenommen. Einer der drei wurde wieder freigelassen, die anderen beiden sollen am Samstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Der Sudanese konnte der Staatsanwaltschaft zufolge das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen.

Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) verurteilte den Vorfall als "feige und menschenverachtende Straftat". Die Polizei in Rheinland-Pfalz gehe konsequent gegen Rechtsradikale vor. Nach der derzeitigen Sachlage sei von einer "rechtsmotivierten Straftat auszugehen", sagte der SPD-Vorsitzende.

Zuvor hatte Beck sich als Konsequenz aus dem Überfall auf acht Inder in Mügeln für eine neue Initiative für ein NPD-Verbotsverfahren ausgesprochen. Allerdings stieß er damit quer durch alle Parteien auf Skepsis. "Ein Verfahren, das wieder zu einem Ergebnis führt wie das letzte Mal, möchte ich auf gar keinen Fall", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) auf n-tv: "Wenn das dann scheitert, besteht die Gefahr, dass die Partei damit so eine Art Gütesiegel bekommt." Auch Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) äußerte sich zurückhaltend zu einem neuen Verbotsverfahren gegen die NPD. 2003 war ein solches Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert.

Unionsfraktions-Vizechef Wolfgang Bosbach (CDU) verteidigte unterdessen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) gegen den Vorwurf aus der SPD, sie habe sich im Kampf gegen Rechtsextremismus zu wenig engagiert. Bosbach sagte im Deutschlandradio Kultur, die Vorwürfe des Regierungspartners seien "sachlich falsch und politisch höchst unanständig".

ler/ddp/AFP

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