Spähskandal: Auch Frankreichs Geheimdienst zapft massenhaft Daten ab

Gebäude des französischen Auslandsgeheimdiensts DGSE in Paris: "Enthüllungen über den französischen Big Brother" Zur Großansicht
AFP/ DGSE

Gebäude des französischen Auslandsgeheimdiensts DGSE in Paris: "Enthüllungen über den französischen Big Brother"

Die Briten tun es, die Amerikaner sowieso - und jetzt stellt sich heraus: Auch die Franzosen greifen laut "Le Monde" massenhaft Kommunikationsdaten ab. Der Auslandsgeheimdienst späht systematisch Telefonate, Mails und soziale Netzwerke aus.

Paris - Frankreich hat womöglich seit Donnerstag seinen eigenen Datenskandal: Die Tageszeitung "Le Monde" berichtet auf ihrer Website, der französische Auslandsgeheimdienst DGSE greife in ähnlicher Art und Weise Kommunikationsdaten ab wie der US-Geheimdienst NSA. "Enthüllungen über den französischen Big Brother", hat das Blatt seine Geschichte überschrieben.

Der DGSE fange Signale von Computern und Telefonen in Frankreich ab, betroffen seien auch Verbindungen zwischen Frankreich und dem Ausland. Zwar würden nicht die Inhalte von Gesprächen ausgeforscht, heißt es in dem Bericht. Es gehe vielmehr darum, eine Übersicht, eine Art Karte zu erstellen, wer mit wem kommuniziere.

Laut der Zeitung, die sich auf namentlich nicht genannte Geheimdienstquellen sowie offizielle Äußerungen von Geheimdienstmitarbeitern beruft, handelt es sich um illegale Eingriffe. E-Mails, SMS, Verbindungsdaten und die Nutzung von Facebook und Twitter etwa würden über Jahre gespeichert.

Das Vorgehen ähnelt dem der NSA, das der SPIEGEL enthüllt hatte. Demnach überwacht die NSA in Deutschland monatlich rund eine halbe Milliarde Telefonate, E-Mails oder SMS - systematisch wird ein Großteil der Telefon- und Internetverbindungsdaten kontrolliert und gespeichert. Außerdem überwachen die Amerikaner offenbar gezielt EU-Vertretungen. Auch in Großbritannien sorgte ein ähnlicher Abhörskandal für Aufsehen.

Eine Stellungnahme der DGSE gibt es bisher nicht. Laut "Le Monde" zweifelt die für die Kontrolle solcher Spionagemaßnahmen zuständige Kommission den Bericht allerdings an und versicherte, der Geheimdienst arbeite im Einklang mit den Gesetzen. Die einzige Einrichtung, die Kommunikationsdaten sammle, sei eine Regierungsstelle, die dem Premierminister unterstellt sei und deren Aufgabe es sei, Sicherheitslücken aufzuspüren.

Die Vorwürfe in dem Zeitungsbericht sind allerdings sehr konkret. Der Dienst DGSE horte die Daten im Keller seines Hauptquartiers in Paris, schreibt "Le Monde". Die Wärme, die das Rechenzentrum ausstrahle, reiche aus, um das gesamte Gebäude zu heizen.

Die übrigen sieben französischen Geheimdienste, darunter Inlandsdienste, Experten für Geldwäsche und Zollfahnder, hätten Zugriff auf die Daten. Diesen anderen Diensten sei es dann freigestellt, sich in als verdächtig aufgefallene Kommunikation einzuklinken und etwa Gespräche abzuhören.

ffr/Reuters/Mitarbeit: Valérie Wagner

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insgesamt 358 Beiträge
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1. Bereits abgearbeitet
002614 04.07.2013
Nun hat sich die Community ja schon an US-Amerika abgearbeitet. Schon Großbritannien kam ja kaum vor - und unsere lieben Franzosen... Da ist sowieso Nachsicht angesagt. - Wenn das aber schon alles bekannt war, dann haben sich die befreundeten Länder auf Abhörmaßnahmen geeinigt oder darauf, zumindest die Verbindungsdaten zu speichern. Angesichts der Gefahren ist das nicht nur verständlich sondern geboten. - Nun muß man sehen, was davon "angemessen" ist und was nicht.
2. Einigen...
Basiscreme 04.07.2013
...wir uns darauf, dass alle Geheimdienste spähen, das liegt in der Natur der Sache. Mir persönlich, ist es ziemlich latte, ob meine SMS, Anrufe oder Mails abgefangen werden. Die wirklich wichtigen Dinge berede ich sowieso persönlich. Problematisch sind dagegen Wirtschaftsspionage und politische Spähaktionen. Bei letzterem sind aber die Verteidigungsstrategen gefragt, ob man nicht durch spezielle Codierungen das Mitlesen zumindest mindern könnte. Ich glaube nicht, dass sich irgendein Geheimdienst durch Gesetze abhalten ließe.
3. ach
reinero59 04.07.2013
die Franzosen jetzt auch noch, kaum zu glauben, man stelle sich mal vor die Chinesen und Russen würden auch noch Spionieren einfach unglaublich :-) Die absolute Krönung wäre es jetzt noch, wenn sich rausstellt das der BND auch noch im Ausland spioniert. Aber jetzt ernsthaft hat wirklich jemand geglaubt das Geheimdienste egal aus welchem Land nicht spionieren, nicht Gespräche oder Mails abhören um an wichtige Informationen zu gelangen. Dies ist die Hauptaufgabe der Dienste egal für welche Nation sie spionieren, also was soll jetzt die geheuchelte Empörung der Politik.
4. Und?
tiansworld 04.07.2013
OK, nun wissen wir, was wir eh schon wussten. Und? Was passiert jetzt? Kollektives Schulterzucken und 'Ich-hab-ja-nix-zu-verbergen'-Feigheit. Tour-de-Dope und Nett-Wimbledon mit Flasch Bier und Chips ist doch wichtiger als all das, gell?
5. Hoffnung
lightyagami 04.07.2013
Ich setzte immer viel Hoffnung in die Französiche Mentalität, das sind Menschen die auf die Straße gehen wenn ihre Rechte mit den Füßen getreten werden! Beginnend mit der Französichen revolution Vive la france
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