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11. März 2010, 14:03 Uhr

Aufregung um Westerwelles Bruder

Verbrüdert, verbandelt, verreist

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Wie sorgfältig trennt Guido Westerwelle zwischen privaten und politischen Interessen? Der Außenminister nahm auf einer Asienreise im Januar auch den Chef einer Firma mit, an der sein Bruder Kai Gerichtsunterlagen zufolge beteiligt ist - der FDP-Chef ist empört über die Vorwürfe: Sie seien haltlos.

Berlin - Bundesaußenminister Guido Westerwelle gerät wegen möglicher familiärer Verbindungen zu der Wirtschaftsdelegation unter Druck, die ihn auf Dienstreisen begleitet. Westerwelle war Mitte Januar zu einer viertägigen Reise als Außenminister nach Estland, Japan und China aufgebrochen. Mit an Bord war laut Reiseprogramm auch Ralf Marohn, Mehrheitseigner und Geschäftsführer der Far Eastern Fernost Beratungs- und Handels GmbH.

An der Beratungsfirma ist offiziellen Unterlagen zufolge Westerwelles Bruder, Kai Westerwelle, als Anteilseigner beteiligt. Das geht aus der aktuellsten im elektronischen Handelsregister veröffentlichten Gesellschafterliste hervor, die SPIEGEL ONLINE vorliegt. Der Bruder des Außenministers beteiligte sich demnach im Jahr 2007 mit 15.000 Euro am Stammkapital der Firma. Das Unternehmen selbst will am Nachmittag eine Erklärung herausgeben. Der Bruder des Außenministers war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Auch die "Berliner Zeitung" berichtete am Donnerstag über die Mitnahme eines Firmenvertreters auf Westerwelles Asienreise.

Guido Westerwelle selbst weist den Vorwurf zurück, private und dienstliche Angelegenheiten zu verquicken. "Da der Opposition die politischen Argumente ausgehen, versuchen sie es jetzt mit persönlichen Attacken gegen mich und meine Familie", sagte der FDP-Chef während seiner Brasilien-Reise in São Paulo. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bezeichnete den Verdacht einer Verquickung als "haltlos": "Die Mitreise beim Bundesminister des Auswärtigen erfolgte allein auf der Grundlage der fachlichen Expertise." Marohn habe schon den rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten und früheren SPD-Chef Kurt Beck auf Auslandsreisen begleitet. Er genieße als Asien-Experte einen "hervorragenden Ruf".

Zuletzt war Westerwelle wegen der Mitnahme seines Lebenspartners Michael Mronz heftig kritisiert worden. Mronz ist derzeit Teil der Reisedelegation nach Lateinamerika, wo der Außenminister sich seit knapp einer Woche aufhält. Die Opposition hatte dem umtriebigen Unternehmer vorgeworfen, er nutze seine Nähe zu Westerwelle, um private Geschäfte voranzutreiben. Westerwelle sah sich der Kritik ausgesetzt, Privates und Politisches nicht ausreichend zu trennen. Dass auch die Firma seines Bruders bereits Teil einer Reisedelegation war, dürfte Westerwelle nun neuen Ärger einbringen.

Far Eastern Fernost sieht sich als Brückenkopf in den unternehmerischen Beziehungen zwischen China und Deutschland. Vielfältige Erfahrungen und persönliche Kontakte in der Volksrepublik seien "Garant für eine kompetente und effiziente Umsetzung der Beratungsaufgabe", heißt es auf der firmeneigenen Website. Das 1992 gegründete Unternehmen beschäftigt heute mehr als 25 festangestellte Consultants. Geschäftsführer Marohn ist stellvertretender Vorsitzender eines FDP-Kreisverbands in Rheinland-Pfalz und kandidierte im September 2009 erfolglos für den Bundestag.

An Far Eastern Fernost ist laut Handelsregister auch die Firma Mountain Partners AG beteiligt. Deren Gründer, Cornelius Boersch, ist ein alter Bekannter Westerwelles und war bei der Asien-Reise des Außenministers ebenfalls mit an Bord. Boersch spendet seit Jahren an die FDP: Bislang mehr als 160.000 Euro. Im vergangenen Jahr veröffentlichte er mit Westerwelle das Buch "Das Summa Summarum von Politik und Wirtschaft". Boersch führt von der Schweiz aus ein Konglomerat verschiedener Firmen. Der 41-jährige Vater zweier Kinder investiert vor allem in Start-Up-Unternehmen.

Auch Kai Westerwelle kennt Boersch gut. Der Bruder des Außenministers leitet das Board of Directors der Taishan Invest AG. So steht es auf der Homepage der Firma. Boersch ist ebenfalls mit dem Unternehmen verbunden: er ist Mitglied des Advisory Board.

Bis zum Sommer vergangenen Jahres war Kai Westerwelle auch Verwaltungsratspräsident einer zweiten Firma, die zur umfangreichen Boersch-Gruppe gehört: Der Taishan Capital Management AG. Dort schied er als Verwaltungsratspräsident Ende Juni aus.

mit Material von dpa

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