Aufrüstung in Afghanistan: Bundeswehr bestellt eilig 60 neue Panzer-Wagen

Verteidigungsminister Guttenberg drückt aufs Tempo, die Ausrüstung der Truppe in Afghanistan soll rasch verbessert werden. Laut "Financial Times Deutschland" ordert die Bundeswehr nun im Eilverfahren 60 gepanzerte Fahrzeuge - bei einem Schweizer Hersteller, deutsche Konkurrenten gehen leer aus.

Ausrüstung der Bundeswehr: Schweres Gerät für Aghanistan Fotos
REUTERS

Hamburg/Masar-i-Scharif - Das Verteidigungsministerium plant eine umfassende Aufrüstung der Bundeswehr in Afghanistan. Im Eilverfahren würden zusätzliche 60 gepanzerte Fahrzeuge bestellt, berichtete die "Financial Times Deutschland" ("FTD")am Donnerstag. Der Vertrag mit dem Schweizer Hersteller Mowag solle bereits in dieser Woche unterzeichnet werden, hieß es unter Berufung auf das Verteidigungsministerium.

Für 2011 sei die Bestellung weiterer 90 geschützter Fahrzeuge vom Typ "Eagle IV" vorgesehen, schrieb die Zeitung. Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich drastisch verschärft. So starben am Karfreitag drei deutsche Soldaten bei einem Gefecht mit Taliban.

Bei einem überraschenden Truppenbesuch am Hindukusch am Mittwoch hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Soldaten bereits eine deutliche Aufrüstung versprochen. So soll die Truppe in Nordafghanistan "so schnell wie möglich" zwei Panzerhaubitzen, TOW-Panzerabwehrraketen sowie zusätzliche Schützenpanzer vom Typ "Marder" bekommen, kündigte Guttenberg an.

Derzeit verfüge die Bundeswehr in Afghanistan über rund 975 geschützte Fahrzeuge verschiedener Hersteller und Modelle, hieß es in dem "FTD"-Bericht. In einem Brief an die Bundestagsfraktionen gehe das Verteidigungsministerium aber davon aus, dass angesichts der verschärften Bedrohungslage durch Sprengfallen und Angriffe auf Konvois 600 der Fahrzeuge baldmöglichst ersetzt werden müssten.

Zur Deckung des "vordringlichsten Bedarfs" - auch durch die Erhöhung des deutschen Kontingents von 4500 auf bis zu 5350 Mann - sei die Beschaffung von 60 als Führungsfahrzeuge einsetzbaren "Eagle IV" schnellstmöglich erforderlich, zitierte die Zeitung aus dem Schreiben.

Bessere Ausrüstung hätte laut Guttenberg Tod der Soldaten nicht verhindert

Die Kosten für die 60 "Eagle IV" und zusätzliche Spezialausrüstung wie Waffenstationen, Störsender und Funktechnik würden sich auf 61,5 Millionen Euro belaufen. Der Auftrag an den Schweizer Hersteller Mowag, eine Tochter des US-Rüstungsriesen General Dynamics, sei Teil eines größeren, schon laufenden Beschaffungsprojekts über insgesamt rund 650 Fahrzeuge.

Weil deutsche Rüstungskonzerne mit ihren Modellen hinterherhinkten, sei nur der Schweizer Hersteller in Betracht gekommen, hieß es in dem Bericht. "Um den Nachschub zu sichern, haben wir keine andere Wahl", zitierte die Zeitung das Ministerium.

Bei seinem Besuch der Truppe im nordafghanischen Masar-i-Scharif kritisierte Guttenberg die Debatte in Deutschland über die Ausrüstung der Bundeswehr. "Manchmal wird unglaublich dummes Zeug erzählt", sagte er. Der Minister hatte unter anderem die Forderung des künftigen Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus nach der Entsendung von "Leopard 2"-Kampfpanzern abgelehnt. Die schweren Fahrzeuge seien für das Gelände um Kunduz nicht geeignet. Nach Ansicht von Kennern würden die Brücken in der Region unter dem Gewicht des Fahrzeugs einbrechen.

Die nun angekündigte Aufrüstung sei keine unmittelbare Reaktion auf das blutige Gefecht mit den Taliban am Karfreitag, betonte Guttenberg. Die Verbesserung der Ausrüstung sei vielmehr ein Prozess. Auch eine bessere Ausrüstung hätte aber den Tod der drei Bundeswehrsoldaten am Karfreitag nicht verhindert, sagte der Minister. Ihm sei von den Soldaten vor Ort klar gesagt worden, "dass solche Ausrüstungsgegenstände leider an den schweren Verlusten nichts geändert hätten", sagte Guttenberg in der ARD.

Der Minister erklärte, er sei nun bereits zum dritten Mal innerhalb eines halben Jahres nach Afghanistan gereist, weil man die Situation der deutschen Soldaten am Hindukusch "am wenigsten vom Schreibtisch in Berlin aus" beurteilen könne. Man müsse noch mehr dafür tun, "um das Verständnis dafür zu wecken, was Sie hier tun", rief der CSU-Politiker den Soldaten zu.

Robbe macht Bundeswehr schwere Vorwürfe

Unterdessen warf der scheidende Wehrbeauftragte Reinhold Robbe der Bundeswehr schwere Versäumnisse bei im Dienst verletzten Soldaten vor. Diese müssten oft jahrelang und häufig vergeblich um die Anerkennung ihrer Wehrdienstbeschädigung kämpfen, sagte er dem ARD- Magazin "Panorama". Die Betroffenen würden von der Bundeswehr "im Stich gelassen". Vor allem Soldaten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) stünden mit ihren Erkrankungen oft allein da, sagte der SPD-Politiker.

Bis heute haben nach Auskunft des Wehrbeauftragten rund 600 Soldaten mit PTBS-Erkrankungen einen Antrag auf Wehrdienstbeschädigung eingereicht. Weniger als ein Drittel der Anträge seien anerkannt worden. Wie das Verteidigungsministerium auf Anfrage von "Panorama" mitteilte, ist die Zahl solcher Verfahren rasant gestiegen. Seien es im ganzen Jahr 2009 noch 109 Verfahren gewesen, so liege die Zahl schon jetzt bei 197. Zur Anerkennungsquote machte das Ministerium jedoch keine Angaben.

mmq/dpa/AFP

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1. Erste Erfahrungen
crocman 15.04.2010
Zitat von sysopVerteidigungsminister Guttenberg drückt aufs Tempo, die Ausrüstung der Truppe in Afghanistan soll rasch verbessert werden. Laut "Financial Times Deutschland" ordert die Bundeswehr nun im Eilverfahren 60 gepanzerte Fahrzeuge - bei einem Schweizer Hersteller, deutsche Konkurrenten gehen leer aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,689068,00.html
Was "dummes Zeug" angeht, wird sich Minister Guttenberg daran gewöhnen müssen, dass der neue Wehrbeauftragte Königshaus eben auch nicht von der Qualität ist, wie es die Bundeswehr eigentlich verdient: Nur ein weiterer vermeintlicher Fachmann aus der liberalen Postenbeschaffungswelle.
2. "... eilig 60 neue Panzer-Wagen ..."
simpelkopp 15.04.2010
Zitat von sysopVerteidigungsminister Guttenberg drückt aufs Tempo, die Ausrüstung der Truppe in Afghanistan soll rasch verbessert werden. Laut "Financial Times Deutschland" ordert die Bundeswehr nun im Eilverfahren 60 gepanzerte Fahrzeuge - bei einem Schweizer Hersteller, deutsche Konkurrenten gehen leer aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,689068,00.html
Aktionismus statt brauchbarer, durchgedachter Konzepte ... SPIEGEL: zu Guttenberg "spricht den Soldaten Mut zu" - was fuer ein Unsinn! Ist die Truppe feige, dass sie durch den Kaziken angefeuert werden muss? Kann jemand Beispiele fuer Feigheit der Truppe und die Notwendigkeit ihr Mut zu geben oder sie anzufeuern vorlegen? Die Soldaten sind nicht mit begeistertem Hurra bei der Sache, denn den Soldaten entgeht die Sinnlosigkeit dieses Einsatzes nicht, ueber die Politiker mit blumigen Reden, direkten Luegen und patriotischem Getue sich selbst und das Volk hinwegzutaeuschen versuchen. simpelkopp
3. Ptbs
JohnD 15.04.2010
Ganz ehrlich - wer sich freiwillig für den Krieg meldet, darf sich nicht beschweren.
4. Bundeswehr bestellt eilig 60 Panzer-Wagen
Eppelein von Gailingen 15.04.2010
Zitat von sysopVerteidigungsminister Guttenberg drückt aufs Tempo, die Ausrüstung der Truppe in Afghanistan soll rasch verbessert werden. Laut "Financial Times Deutschland" ordert die Bundeswehr nun im Eilverfahren 60 gepanzerte Fahrzeuge - bei einem Schweizer Hersteller, deutsche Konkurrenten gehen leer aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,689068,00.html
beim US General Electrics-Ableger Mowag in der Schweiz. Diese Regierung ist zu recht eine Chaos-Combo. Schröder, mit den blauäugigen Pazifisten von den Grünen hat die Bundeswehr waffenlos nach Afghanistan geschickt, was der Beginn des planungslosen Dilettantismus war. Oder war es die Bundeswehr selbst, die dies versemmelt hat. Wenn man SPD und Grüne heute hört, sind sie fern aller Realität und würden die Taliban am liebsten mit Hühnerfedern kitzeln. Der reisefreudige Guttenberg, wie auch die ständig im Ausland herumschwirrende Kanzlerin, stellt nach dem schwarzen Karfreitag die windige Bewaffnung der Brunnenbauer-Truppe fest und haut Eilaufträge raus für überteuerten Einkauf bei einer Schweizer US Firma. Karl Theodor Sylvester behauptet aber auch, wenn die Bundeswehr so effektiv ausgerüstet gewesen wäre wie das 8mal kleinere Holland, wären die gefallenen Soldaten zu beklagen. KTS von und zu ist auch noch nebenbei Hellseher. Bundeswehr - wie schon der Name sagt, sollte den Feind vom Bund abwehren. Was machen die dann in Afghanistan? Kosovo? Tauft sie schnell um, in "German Army" - identifiziert sich gut mit den USA. Zuhause mangelt es hinten und vorn. Der ADAC schätzt die winterlichen Straßenschäden auf über 3 Milliarden €. Hartz IV soll dringend aufgemörtelt, weil die Bedürfnisse von Schulkindern nicht gedeckt sind. Arbeitsplätze sind nur noch über die Abzocker Leiharbeit zu Sklavenarbeits-Stundenlohn zu haben. 200 Milliarden kostet im Endeffekt die HRE-Pleite. HRE wurde ursprünglich von der Hypo - Vorstand Martini - gegründet um seine 5 Milliarden Kellerleichen vor der Fusion mit der Vereinsbank zu verstecken. Heute ist der BUND stolzer Besitzer von nichts als Schrott (eine "bad Bank" von Anfang an, sagen die Ami). Die Griechenlandpleite wird Deutschland wahrscheinlich mehr als 10 Milliarden kosten. Und Frau Merkel glaubt bis ans Ende ihrer Tage regieren zu können, wenn sie künftig wegen Flugzeugabsturzgefahr allein mit Maschinen unterwegs ist, die Segelflugeigenschaften haben. Aber über den Weltmeeren genauso absaufen. Wenn diese Kanzlerin so weiter jongliert, schafft sie die Pleite dieser Republik. *1927 ist gar nicht mehr so fern.*
5. Jetzt gehts los
reinhard_m 15.04.2010
Zitat von sysopVerteidigungsminister Guttenberg drückt aufs Tempo, die Ausrüstung der Truppe in Afghanistan soll rasch verbessert werden. Laut "Financial Times Deutschland" ordert die Bundeswehr nun im Eilverfahren 60 gepanzerte Fahrzeuge - bei einem Schweizer Hersteller, deutsche Konkurrenten gehen leer aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,689068,00.html
Endlich werden Nägel mit Köpfen gemacht. Es war ein einmaliger Glücksfall, daß Rot-Grün uns die Teilnahme an diesem Krieg ermöglicht hat. Jetzt können wir endlich zeigen, was wir können und keiner kann uns mehr in den Arm fallen.
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Ausrüstung der Bundeswehr: Schweres Gerät für Aghanistan
Ausrüstung der Bundeswehr
Mit welcher Ausrüstung arbeitet die Bundeswehr in Afghanistan? Panzer, Mörser, Hubschrauber - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren
Panzer
Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.

Panzerhaubitzen
Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.

Fotostrecke
Afghanistan: Gefechte in Kunduz
Der schwarze Karfreitag von Kunduz
Drei tote Bundeswehrsoldaten, sechs versehentlich erschossene Afghanen - der Karfreitag war einer der schlimmsten Tage der deutschen Mission am Hindukusch. Wie es dazu kam, ist in einer Chronologie zu sehen - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren

Quelle: Bundeswehr; alle Angaben in afghanischer Ortszeit
13.04 Uhr: Der Hinterhalt der Taliban
Die in Kunduz stationierte 1. Infanteriekompanie des Fallschirmjägerbataillons 373 aus dem niedersächsischen Seedorf, die sich im Rahmen einer Routineoperation im Distrikt Chahar Darreh aufhält, wird durch etwa 30 bis 40 Taliban mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten aus einem Hinterhalt heraus angegriffen. Im Verlauf dieses ersten Feuergefechts werden drei deutsche Soldaten verwundet, zwei davon schwer. Der Kompaniechef der Infanteriekompanie fordert Verstärkung an. Eine Eingreifreserve wird sofort in Marsch gesetzt. Über dem Gebiet kreist eine Drohne. Die Gefechte halten noch bis gegen 17 Uhr an. Dabei werden weitere vier Soldaten verletzt.
14.50 Uhr: Panzerfahrzeug gerät in Sprengfalle
Ein gepanzertes Bundeswehrfahrzeug vom Typ Dingo gerät in eine Sprengfalle. Bei diesem Anschlag wird das Fahrzeug schwer beschädigt, vier weitere deutsche Soldaten werden verwundet. Der Dingo kann nicht mehr geborgen werden und wird später durch eigene Kräfte zerstört. Amerikanische Hubschrauber bergen die verletzten deutschen Soldaten und werden dabei selbst von den Taliban beschossen.
15.35 Uhr: Taliban-Attacke auf die Polizei
Die nördlich der 1. Kompanie gelegene Polizeistation Chahar Darreh wird ebenfalls durch etwa 40 Taliban angegriffen. Die Gefechte dort dauern bis etwa 16.40 Uhr. Der Angriff kann schließlich abgewehrt werden.
19.42 Uhr: Die versehentlichen Todesschüsse
Die 2. Kompanie befindet sich auf dem Weg zur Ablösung der 1. Kompanie, als sich zwei unbekannte Fahrzeuge nähern. Die Fahrer reagieren nicht auf Hinweis- und Warnzeichen, so der Kenntnisstand der Bundeswehr. Ein Schützenpanzer Marder eröffnet daher das Feuer. Sechs verbündete afghanische Soldaten werden getötet. Die genauen Umstände werden noch untersucht.
21 Uhr: Die Ablösung trifft ein
Die 1. Kompanie wird durch die 2. Kompanie abgelöst.
21.50 Uhr: Die erste Einheit kehrt zurück ins Camp
Die 1. Kompanie ist in das Lager Kunduz zurückgekehrt.

Der Bundeswehreinsatz in Kunduz
Die Mission der Bundeswehr
Die Bundeswehr engagiert sich seit 2003 in der nordafghanischen Provinz Kunduz. Im Rahmen der internationalen Sicherheits- und Aufbautruppe Isaf soll sie für ein stabiles Umfeld sorgen.

Kunduz war der erste Einsatzort der Bundeswehr in Nordafghanistan, wo inzwischen der deutsche Einsatzschwerpunkt liegt. Im Vergleich zum umkämpften Süden des Landes galt die Region lange als eher ruhig. Mittlerweile kommt es aber auch dort immer wieder zu schweren Anschlägen der radikal-islamischen Taliban.
Die Provinz Kunduz
Die Provinz ist mit rund 8000 Quadratkilometern halb so groß wie Schleswig-Holstein. Über die Einwohnerzahl gibt es keine genauen Angaben. Nach Schätzungen liegt sie etwa bei 850.000. Wegen seiner fruchtbaren Böden wird die Region Brotkorb Afghanistans genannt. In Kunduz werden unter anderem Baumwolle, Reis und Weizen geerntet. Der Anbau von Schlafmohn, der Basis von Heroin, ist zurückgegangen.
Die Unruhe-Region Chahar Darreh
Als gefährlichster der sechs Distrikte, die einen Ring um die Provinzhauptstadt Kundus bilden, gilt Chahar Darreh. Die Taliban haben Teile des Gebietes unter Kontrolle. Immer wieder greifen sie Patrouillen der Bundeswehr an, mehrere deutsche Soldaten haben bereits ihr Leben in dem Distrikt verloren. Von Chahar Darreh aus wurden in der Vergangenheit auch mehrfach Raketen auf das Bundeswehrfeldlager in Kunduz abgefeuert.
Die Kunduz-Affäre
Seit 2009 wird der Name Kunduz auch mit einem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Verbindung gebracht. Dabei wurden am 4. September bis zu 142 Menschen verletzt oder getötet. Der Vorfall ist bis heute nicht aufgeklärt. Der Bundestag hat einen Untersuchungsausschuss eingerichtet, die Bundesanwaltschaft ermittelte gegen den Bundeswehroberst Georg Klein und seinen Flugleitoffizier wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Völkerstrafgesetzbuch.
Tod afghanischer Zivilisten
Für den Tod afghanischer Zivilisten war die Bundeswehr nach offiziellen Angaben erstmals am 28. August 2008 verantwortlich. Damals erschoss ein Soldat an einem Checkpoint der afghanischen Polizei und deutscher Isaf-Soldaten eine Frau und zwei Kinder. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Dem damaligen Unglück ging ein Angriff voraus: Am 27. August 2008 war eine Patrouille der Bundeswehr nahe Kunduz in eine Sprengfalle geraten, ein Soldat starb.

Fotostrecke
25 deutsche Kriegsbilder: Gefangen in der Gefechtszone
Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.