Aufstand Ost Merkel versucht Stoiber zu bändigen

Nach der Kritik von Edmund Stoiber am Wahlverhalten der Ostdeutschen bemüht sich die Union um Schadensbegrenzung. Kanzlerkandidatin Angela Merkel rügte den CSU-Chef und sprach sich gegen eine Spaltung zwischen Ost und West aus.


Merkel (l., mit Moderatorin Maybrit Illner: "Will Kanzlerin aller Deutschen werden"
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Merkel (l., mit Moderatorin Maybrit Illner: "Will Kanzlerin aller Deutschen werden"

Berlin - Im ZDF bezeichnete Merkel gestern Abend Stoibers Äußerungen als missglückt. Wählerbeschimpfung sei im Wahlkampf "das Falscheste, was wir brauchen", sagte die CDU-Vorsitzende in der Sendung "Berlin Mitte". Ebenso falsch sei eine Spaltung zwischen Ost und West, notwendig sei vielmehr Geschlossenheit. Merkel kündigte an, dass sie sich im Wahlkampf besonders um die Wähler in Ostdeutschland bemühen werde.

Stoiber hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg vor einer Woche gesagt, er akzeptiere nicht, "dass der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird". Die "Frustrierten" dürften nicht über Deutschlands Zukunft bestimmen.

Der bayerische Ministerpräsident beklagte sich in der "Bild"-Zeitung" inzwischen, seine Äußerungen seien "missgedeutet" worden. Seine Kritik sei auf die Linkspartei und ihre Galionsfiguren Gregor Gysi und Oskar Lafontaine gemünzt gewesen.

Merkel argumentierte in "Berlin Mitte", sie wolle die Kanzlerin aller Deutschen werden. Außerdem fänden die Wahlen sowohl im Westen wie auch im Osten statt und würden unterschiedslos in West und Ost wie in Nord und Süd gewonnen. Für die verbleibenden 38 Tage bis zur Bundestagswahl hoffe sie nun, dass sie sich "auf die Bayern verlassen" könne.

Nach wie vor gibt es auch in den eigenen Reihen heftige Kritik an Stoiber. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Katherina Reiche sagte in der ARD, undifferenzierte Äußerungen würden im Wahlkampf nicht weiterhelfen. Die CDU habe im Osten ohnehin schon einen schweren Stand.

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) distanzierte sich von den Äußerungen Stoibers. "Im Fußball nennt man so etwas ein Eigentor", sagte Böhmer im Bayerischen Rundfunk. Die Formulierungen des bayerischen Regierungschefs seien "unglücklich", auf jeden Fall aber "missverständlich" gewesen. Allerdings glaubt Böhmer nicht, dass Stoiber damit Merkel schaden wollte. Solche Interpretationen seien "hinterhältig" und ohne sachlichen Grund.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, forderte die Unionsparteien zu mehr Geschlossenheit im Wahlkampf auf. Es wäre besser, sich mit den Argumenten der Linkspartei auseinander zu setzen, sagte Rehberg der Chemnitzer "Freien Presse". "Nebengeräusche" wie die Kritik Stoibers am Wahlverhalten der Ostdeutschen, würden nur dem politischen Gegner nutzen.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein nahm seinen Ministerpräsidenten in Schutz. "Eine Wahlveranstaltung hat nicht die Qualität einer Regierungserklärung. Die Äußerungen sollten deutlich machen, dass man mit den rückwärts gewandten Gysi und Lafontaine nicht die deutsche Zukunft gewinnen kann", sagte der CSU-Politiker im ARD-"Morgenmagazin". Stoiber liege es fern, die Menschen in Ostdeutschland in irgendeiner Form anzugreifen.

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