Wagenknechts Bewegung "Aufstehen" "Wir haben eine Krise der Demokratie"

Das Klima werde "rauer", Chemnitz zeige, dass es einen "Aufbruch" brauche. Sahra Wagenknecht hat ihre linke Sammlungsbewegung "Aufstehen" vorgestellt - mit mahnenden Worten.


Sahra Wagenknecht hat die linke Sammelbewegung "Aufstehen" vorgestellt. Dabei warnte die Fraktionsvorsitzende der Linken vor der aktuellen Entwicklung in Deutschland: "Wir haben eine handfeste Krise der Demokratie", sagte sie.

In ihren Ausführungen bezog sich Wagenknecht auch auf die rechten Krawalle in Sachsen: "Chemnitz zeigt, dass wir dringend einen neuen Aufbruch brauchen." Das Klima werde aktuell "rauer, aggressiver". Dies liege vor allem daran, dass nicht alle Menschen vom wirtschaftlichen Wohlstand des Landes profitierten. Die Wut, die sich aufstaue, bilde dann den Nährboden für Hass und Gewalt.

Deutschland verändere sich in eine Richtung, "die viele Menschen nicht wollen". Diese Veränderung soll die Sammlungsbewegung stoppen. Diese soll Wähler erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben - zum Beispiel in Richtung der AfD.

Es gebe viele Menschen in Deutschland, "die sich im Stich gelassen fühlen". Und das sei nicht nur ein Gefühl. Wagenknecht verwies darauf, dass viele Menschen ein geringeres Realeinkommen hätten als vor 20 Jahren. "Wenn wir nicht gegensteuern, wird das Land in fünf bis zehn Jahren nicht mehr wiederzuerkennen sein", warnte Wagenknecht.

Die Bewegung habe mehr als 80 Initiatoren, darunter Politiker von Linkspartei, Grünen und SPD, viele Schriftsteller, Künstler und Professoren, sagte Wagenknecht. Mehr als 100.000 Menschen seien mittlerweile dabei. "Aufstehen" versteht sich dabei nicht als neue Partei, sondern als Bündnis, das neue Mehrheiten in Deutschland erreichen will. "Ich möchte nicht auf Dauer Oppositionspolitik machen", sagte Wagenknecht. Das mittelfristige Ziel: Weichen stellen für eine linksgerichtete Bundesregierung.

Ludger Volmer: "Wir wollen eine Erneuerung der Demokratie"

Bei den Spitzen der Linken, aber auch der SPD und den Grünen, stößt die Initiative allerdings auf Kritik. "Was Wagenknecht und Lafontaine da machen, ist keine Bewegung, sondern ein Machtkampf innerhalb der Linkspartei", sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir brauchen ernsthafte Gespräche über ein progressives rot-rot-grünes Bündnis statt Internetseiten ohne politische Konsequenz."

Bei den Linken tobt seit Langem ein Machtkampf zwischen Wagenknecht und den Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger.

Einzelne Politiker von SPD und Grünen unterstützen das Projekt jedoch, so auch Simone Lange. Die Oberbürgermeisterin von Flensburg war bei der Wahl der neuen SPD-Vorsitzenden gegen Andrea Nahles angetreten. Bei der Vorstellung der Bewegung "Aufstehen" forderte sie nun eine bessere Zusammenarbeit der Parteien: "Es muss aufhören, dass Parteien wie SPD, Grüne und Linke sich gegenseitig das Leben schwer machen."

Ludger Volmer, ehemaliger Grünen-Vorsitzender, ist ein weiterer Unterstützer Wagenknechts. "Wir wollen eine Erneuerung der Demokratie", sagte er. Volmer verlangte, dass sich Protest und Frust "wieder umleiten lassen in konstruktive Lösungen". Er kritisierte auch die "wütende Abwehrrhetorik" von Parteivorsitzenden gegen diese Bewegung.

aev/dpa



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grossinquisitor 04.09.2018
1. Vom Verfassungsschutz sofort beobachten lassen
100 000 Unterstützer, das ist ja unerhört, das ist gefährlich. Sollte der Start trotz der erstarrten Blockparteien gelingen, wird sich schon wo ein Anlass finden, den die Medien, zumal der Staatszwangsfunk, so darstellen kann, dass man mit besorgter Mine nach einer Beobachtung durch Polizei und Verfassungsschutz rufen muss. Nur keine Politik machen für derzeit rund ein Viertel der Bürger. Weiter so, für unsere Privilegien reicht es allemal noch 1 bis 2 Wahlperioden. Ich wünsche SW viel Erfolg.
mariakar 04.09.2018
2. Das Land ist doch schon heute nicht
mehr wieder zu erkennen. Ich unterstelle Wagenknecht durchaus Aufrichtigkeit und einen inneren Antrieb, aber ich denke, sie wird scheitern. Allein deshalb, weil viele etwas von den hoch gehängten Fleischtöpfen abgeben müssten. Angefangen bei unseren Abgeordneten, den so genannten Volksvertretern. Und allein deshalb, weil D dann endlich mal damit anfangen müste, nicht immer Geld (Bimbes) über die ganze Erde zu verteilen, sondern zuerst einmal im eigenen Land (Amtseid=Schaden vom deutschen Volk abzuwenden) und der eigenen Bevölkerung zugute kommen zu lassen und diese nicht immer zu treten, sprich zu knebeln, dass ihnen, den Leistungsträgern (Mittelschicht) bald keine Luft mehr zum atmen bleibt. Und wenn dann da die Not (Rente, Pflege, Wohnung) gelindert ist, dann kann ich (Vater Staat) mich daran machen, das Überschüssige an Europa und den Rest der Welt zu verteilen.
kaiservondeutschland 04.09.2018
3. Neustart
Dass DE einen Neustart braucht, verstehen immer mehr Leute. Je mehr in diese Richtung gedacht wird, umso besser. Die SPD
lausemann 04.09.2018
4. So weit, so gut
Die Analyse, dass viele Menschen in Deutschland Angst vor den persönlichen Abstieg haben, ist sicher richtig. Die Einnahmen des Staates sprudeln, die Krankenkassen sitzen auf einem unvorstellbaren Vermögen, aber es kommt nichts bei den Menschen an. Das ist nicht mehr zu verstehen. Doch für einen Wechsel der Politik, die den Bürger wieder als Menschen wahrnimmt, reichen dekorative Floskeln nicht aus. Da müssen konkrete Entwürfe und mögliche Gesetzesvorlagen her, dann kann ein Wettbewerb um die besten Ideen beginnen.
Fricklerzzz 04.09.2018
5. Und wieder hinsetzen
SPD, Linke und Grüne sind noch nicht einmal in der Lage, sich auf die Farbe des Himmels zu einigen. Um andere Dinge hier nicht zu nennen. Diese Parteien sind am Interesse der Bürger wenig interessiert, die denken nur an ihr persönliches fortkommen und an Pöstchen. Wenn die versuchen aufzustehen, sieht es aus als hätten sie ein angeklebtes Bleikissen unterm Popo. Die denken nur ups, da macht einer was, ich häng mich dran, damit ich nicht aussen vor stehe. Fricklerzzz
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