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TV-Auftritt: Altkanzler Schmidt attackiert Merkels Krisenpolitik

Bei einem gemeinsamen Talkshow-Auftritt haben sich Helmut Schmidt und Joachim Gauck eine heftige Debatte über den Führungsstil der Kanzlerin geliefert. Der Altkanzler warf Merkel vor, sie agiere in der Euro-Krise "nationalegoistisch"- der Präsident widersprach vehement.

Gauck, Schmidt im Fernsehstudio: Schlagabtausch zur Krisenpolitik der Kanzlerin Zur Großansicht
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Gauck, Schmidt im Fernsehstudio: Schlagabtausch zur Krisenpolitik der Kanzlerin

Berlin - Ausnahmsweise hatte Maybrit Illner in dieser Woche nur zwei Gäste ins Studio geladen - dafür aber umso gewichtigere: Helmut Schmidt (SPD) und Joachim Gauck haben sich am Donnerstag im Fernsehstudio der ZDF-Moderatorin zum Schlagabtausch getroffen. Der Polittalk, der am Nachmittag aufgezeichnet wurde und am Abend ausgestrahlt wird, geriet laut Mitteilung des Senders zur heftigen Debatte über die Europapolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Auf die Frage der Moderatorin, ob die Regierungschefin in der Euro-Krise zu "nationalegoistisch" agiere, stimmte Schmidt dem zu. Wenn Merkel in Medien anderer EU-Staaten mit einer Hakenkreuzbinde karikiert werde, sei das "zum Teil ihre eigene Schuld", sagte Schmidt der Mitteilung zufolge. In der Finanzkrise habe die Kanzlerin "eine viel zu starke Zentralisierung der ganzen Fragenkomplexe auf ihre Person vorgenommen".

Schmidt mahnte, so teilte der Sender weiter mit, dass Deutschland eine größere Verantwortung für den Kontinent habe als alle anderen europäischen Staaten. Als Grund fügte er hinzu: "Weil wir sechs Millionen jüdische Bürger fabrikmäßig umgebracht haben." In den europäischen Nachbarländern sei die deutsche Besetzung während des NS-Regimes nicht vergessen. Dort entstehe der Eindruck, dass Deutschland wieder ins Zentrum Europas dränge.

"Trauer und Scham"

Mit seinen Äußerung stieß Schmidt bei Gauck auf heftigen Widerspruch. Der Bundespräsident verteidigte die Regierungschefin und sagte, er sei von "ihrer hohen Rationalität" und ihrem Handlungswillen überzeugt. Der Kurs Merkels finde in vielen Nachbarländern Deutschlands Unterstützung.

Mit Blick auf die deutsche Vergangenheit sagte Gauck, die Deutschen sollten auf der Grundlage von "Trauer und Scham", aber auch im Bewusstsein von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit ihren Nachbarn sagen: "Wir sind nicht mehr diese Mörder." Das Projekt Europa dürfe nicht aufgegeben werden.

Skeptisch äußerte sich Gauck zu Forderungen nach einem Volksentscheid zur Europapolitik: "Das schaut dann so aus, als ob im Moment diejenigen, die sich intensiv und beruflich damit beschäftigen, nicht in der Lage sind, das Problem zu lösen."

amz/dpa

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