August von Finck Wer ist der mysteriöse Milliardär, der die AfD unterstützt haben soll?

In seiner aktuellen Titelgeschichte zeigt der SPIEGEL auf, wie Milliardär August von Finck den Aufstieg der AfD mit Großspenden gefördert haben könnte. Wer ist der Mann, dem die Rechten ein Vermögen wert sein sollen?

August von Finck (Archivfoto vom 25.03.2009)
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August von Finck (Archivfoto vom 25.03.2009)


Seit mindestens zwei Jahrzehnten unterstützt der 88 Jahre alte Milliardär August von Finck Parteien, Initiativen und Vereine im konservativen oder libertären Milieu. Der SPIEGEL berichtet in seiner aktuellen Titelgeschichte von Recherchen, die ergeben haben, wie der greise Reiche den Aufstieg der AfD befördert haben könnte.

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Heft 48/2018
Wie geheime Spenden die Rechtspopulisten groß machten

Aber wer ist der Mann, der so viel Geld in die Rechtspartei investiert haben soll:

Eine Familie von Bankiers

August von Finck junior ist einer von vier Söhnen des Bankiers August von Finck senior. Er wurde 1930 geboren und hat auf Wunsch seines Vaters in der Münchner Privatbank Merck Finck & Co. - der Keimzelle des Finck'schen Familienvermögens - ebenfalls das Handwerk des Bankiers gelernt. Sein eigener Wunsch war es gewesen, den Landbesitz der Familie zu verwalten. Auf der "Forbes"-Liste der reichsten Milliardäre der Welt steht er mit einem Vermögen von geschätzten 8,6 Milliarden Dollar auf Platz 167. 1993 wurde die Familie Finck von "Forbes" noch auf Platz 77 eingereiht. Damals mit einem Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar.

Banken, Brauereien und Goldgeschäfte

Das Imperium der von Fincks wurde 1870 von Wilhelm von Finck gegründet. 1924 übernahm August von Finck senior, damals 26 Jahre alt, das Bank- und Beteiligungsgeschäft von seinem Vater. August senior war ein Bewunderer Hitlers und finanzierte die Nazis.

Zum Finck'schen Besitz gehört eine Beteiligung an der Münchner Löwenbräu AG. Ein Aktienpaket der Allianz hat Finck längst ebenso abgestoßen wie die Bank Merck Finck & Co. Stattdessen übernahm er die Aktienmehrheit an der Hotel- und Restaurantgruppe Mövenpick. Finck besitzt überdies diverse Beteiligungen an Schweizer Firmen und die Edelmetall-Firma Degussa.

Die Mövenpick-Affäre

Der SPIEGEL berichtete 2010 ausführlich über Großspenden, einer Substantia AG mit Sitz in Düsseldorf an die FDP. Insgesamt 1,1 Millionen Euro überwies die Firma zwischen Oktober 2008 und Oktober 2009 an die Liberalen. Eigentümer der Substantia AG: August von Finck junior.

Was den üppigen Spenden damals einen schalen Beigeschmack verlieh: Auf Druck der FDP wurde in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Übernachtungen von 19 auf 7 Prozent vereinbart. Ein Milliardengeschenk für die Branche - und damit auch für Fincks Mövenpick-Hotels.

Die üppige Zuwendung ging als "Mövenpick-Spende" in die Affärengeschichte ein, der FDP haftet seither das Etikett der "Mövenpick-Partei" an.

Aus Prinzip verschlossen

Der medienscheue August von Finck schirme sich sorgfältig vor seiner Umwelt ab, berichtete der SPIEGEL schon 1993. In dem umfangreichen Porträt wurde der damals 63-Jährige als jemand geschildert, der Auftritte in der Öffentlichkeit meidet und sich nur selten auf den Glitzerpartys der Schickeria zeigt.

Sein Interesse galt damals eher den Wäldern im Familienbesitz und der familieneigenen Forellenzucht. Trotz seiner dabei durchscheinenden Liebe zur Natur scheint ihm Naturschutz nicht wichtig. So erklärte er 1983, er halte "das Waldsterben, das man da so dramatisiert", für "übertrieben". Mehr als der saure Regen beunruhige ihn der Borkenkäfer.

Selbst engen Geschäftspartnern gegenüber verhielt er sich verschlossen: Als Finck im Herbst 1990 das väterliche Bankhaus Merck Finck & Co. an die britische Barclays Bank verkaufte, teilte er seinem persönlich mithaftenden Gesellschafter Adolf Kracht erst zwei Tage vor der offiziellen Vertragsunterzeichnung den Namen des neuen Eigentümers mit.

Mehr Informationen über August Finck junior

mak



insgesamt 53 Beiträge
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fortelkas 24.11.2018
1. In den USA
....kann ein Mensch (Mann oder Frau) nur Präsident werden, wenn er für den Wahlkampf über einen Millionenetat verfügt. Das macht das ewige Gerede von den USA als Hort der westlichen Werte und der Demokratie fragwürdig, und das war schon immer so. In Deutschland kennen wir das glücklicherweise nicht, aber ein "ganz kleines bisschen" möchten diese Multimilliardäre (man muss sich allein diesen Begriff auf der politischen Zunge zergehen lassen) offenbar doch Einfluss nehmen, und sie spenden. Das dürfen sie natürlich, aber interessant ist doch, an welche Parteien sie spenden. Ja, man wird doch wohl noch verhindern dürfen, dass in Deutschland vielleicht einmal eine politische linke Mehrheit entsteht. Ich bin nur froh, dass wir noch Pressemedien haben, die so etwas aufdecken. Schönen Gruß an die Wählerinnen und Wähler. Erwin Fortelka
claus7447 24.11.2018
2. Rückwärtsgewandt
Alte Männer mit Angst um ihre Kohle, die die Zeit 80 Jahre zurückdrehen wollen. Die Abhängigkeit der AfD vom Geld, dass ausdrücklichem parteiprogramm abgelehnt wurde. Oder die Schizophrenie einer Partei. Es zeigt deutlich was der eigentliche Zweck diese braun Partei ist. Zurück in die Zukunft und deutsch National. Erschreckend. Ey zeigt auch die Falschheit dieser Funktionäre aber nach aussen den saubermann spielen!
seid-kritisch 24.11.2018
3. Wie der Vater, so der Sohn.
Aus der Geschichte hat Herr von Finck wohl nur gelernt, wie schon sein Vater, wie man extreme Rechte an die Macht bringt. Ich als Sohn von Herr von Finck sen. hätte versucht, den Fehltritt meines Vaters - Unterstützung von Hitler - irgendwie wieder gut zu machen.
trex#1 24.11.2018
4. Einfach mal Fakten zur Kenntnis nehmen
Zitat von claus7447Alte Männer mit Angst um ihre Kohle, die die Zeit 80 Jahre zurückdrehen wollen. Die Abhängigkeit der AfD vom Geld, dass ausdrücklichem parteiprogramm abgelehnt wurde. Oder die Schizophrenie einer Partei. Es zeigt deutlich was der eigentliche Zweck diese braun Partei ist. Zurück in die Zukunft und deutsch National. Erschreckend. Ey zeigt auch die Falschheit dieser Funktionäre aber nach aussen den saubermann spielen!
Mal Fakten. 159 von 160 Großspenden an Parteien seit 2013 gingen an die alten Parteien, nur eine einzige an die AfD. Von allen Parteien ist die AfD (neben der Linken) von Parteispenden fast vollkommen ausgeschlossen. https://de.wikipedia.org/wiki/Parteispende Die 159 Spenden an die alten Parteien kamen auch zum Teil von alten, reichen Leuten. Im übrigen würde ich sehr empfehlen, wenn Linke und AfD die politische Initiative ergreifen, den Parteispenden in der jetzigen Form durch einen Gesetzesantrag ein Ende zu setzen. Schließlich werden die Spenden massiv aus Steuergeldern der hart arbeitenden Menschen subventioniert. Das Geld fehlt dann in Kitas und Schulen. Dann gibt es ein Heulen und Zähneklappern bei den Profiteuren von Spenden, nämlich bei CDUCSUSPDFDPGRÜNE
axel.hag 24.11.2018
5. Besteuerung
Schön, wenn man reich ist. Nicht schön, wenn der Reichtum so groß ist, dass er Macht generiert, die Demokratie schwächt. Alle Staatsmacht dem demokratischen Staat und nicht den Konzernen oder den Reichen, die keinerlei demokratische Legitimation besitzen!
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