Aus für das G36 Von der Leyen will völlig neues Sturmgewehr

In der Affäre um das ungenau schießende G36 ist eine Entscheidung gefallen: Ursula von der Leyen will ein völlig neues Sturmgewehr für die Bundeswehr. Ab 2019 könnte es einsetzbar sein.

Waffen von Heckler & Koch (Archiv): Bemerkenswerte Entscheidung
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Waffen von Heckler & Koch (Archiv): Bemerkenswerte Entscheidung

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Es war die Bundeswehr-Affäre des Frühsommers: Das Sturmgewehr G36, einst der ganze Stolz der Truppe, schien plötzlich nicht mehr gut genug zu sein. Bei Hitze und Dauerfeuer funktioniert das G36 nur noch ungenügend, so die Befunde. Mehrere Prüfkommissionen wurden eingesetzt, mit Ursula von der Leyen und Vorgänger Thomas de Maizière gerieten zwei Verteidigungsminister unter Druck.

Nun hat das Verteidigungsministerium entschieden, wie es weitergehen soll. Bis 2019 soll die Truppe ein völlig neues Sturmgewehr erhalten. So hat es Staatssekretärin Katrin Suder an diesem Dienstag den Obleuten des Verteidigungsausschusses mitgeteilt.

Das G36 wird dann aus dem Verkehr gezogen. Damit ist die Alternativlösung - das Gewehr zu überarbeiten und zu verbessern - vom Tisch. Es ist eine Entscheidung, die bei Herstellerfirma Heckler & Koch wohl kaum für Begeisterung sorgen wird.

"Die Forderungen der Truppe an ein zukünftiges System Sturmgewehr", begründete Suder in der Unterrichtung an die Verteidigungspolitiker, "gehen weit über eine Produktverbesserung des bestehenden Systems G36 hinaus". Zudem sei das G36 ohnehin nur für eine Nutzung von 20 Jahren ausgelegt gewesen. Diese Zeit ende 2016.

Die Entscheidung ist bemerkenswert: Lange war erwartet worden, dass mit einigen Modifikationen am G36 Heckler & Koch weiter Premiumlieferant des Bundeswehr-Standardgewehrs bleiben könne. Dass sich Verteidigungsministerin von der Leyen nun gegen diese Lösung entschieden hat, zeigt, wie schlecht die Stimmung zwischen dem Ministerium und der Oberndorfer Firma ist. Auch gerichtlich gehen beide Seiten wegen der Affäre um das G36 noch gegeneinander vor.

Das Verteidigungsministerium will nun bis November die Anforderungen für die Neuausschreibung festlegen. Bei der Ausschreibung, so Suder in der Unterrichtung, wolle man "ein möglichst breites Anbieterspektrum erreichen". Bis 2019 könne das neue Gewehr einsatzbereit sein, hofft man im Bendlerblock.

Für die Zwischenzeit sollen 600 G27-Sturmgewehre und 600 leichte Maschinengewehre des Typs MG4 dafür sorgen, dass die Truppe im Fall der Fälle nicht nur das G36 zur Auswahl hat. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Verteidigungsministerin von der Leyen, sie habe sich "im Einvernehmen mit der militärischen Führung für einen klaren Schnitt entschieden". Nach fast 20 Jahren G36 wolle man eine neue Generation Sturmgewehr für die Bundeswehr beschaffen. "Das neue System", so von der Leyen, "soll auch modernere Anforderungen erfüllen als ein punktuell verbessertes G36."

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tvinnefossen 08.09.2015
1. und...?
Bin gespannt, ob der Auftrag im Land bleiben wird oder ob wir das dem großen Bruder zuschanzen... Zumal dieser ja schon sicher protokolliert hat, was das BMVG im internen Dienstverkehr alles an Anforderungen genannt hat...
aldo rain 08.09.2015
2. Hunderttausende
Sturmgewehre werden also abgeschrieben und hunderttausende neue bestellt. Ist das deren Ernst? Wäre so etwas in einem der östlichen Länder passiert, Russland, z.B., würde ich von einer Korruptionsaffäre ausgehen, an der Verteidigungsminister stark beteiligt ist. Hier weiß ich noch gar nicht, ob man etwas unterstellen kann.
moev 08.09.2015
3.
Vielleicht das G11 Programm reaktivieren?
Wofgang 08.09.2015
4.
Das hätte man wesentlich einfach und ohne die ganze verbrannte Erde und den überflüssigen Imageschaden für einen deutschen Hersteller haben können!
haviii 08.09.2015
5. Das G27 ....
... ist kein Sturmgewehr, sondern ein DMR. Ich sage voraus, dass das neue Sturmgewehr der Bundeswehr eines der drei Modelle (oder Variationen dieser) wird: HK416 TAVOR TAR-21 FN SCAR 16/17s in 5.56 Jetzt gibt es wieder zwei Jahre Geldverbrennen und am Ende wird es eine dieser Waffen. Wieso hat die BW eigentlich keine Smal Arms Experten, die die Anforderungen des neuen Sturmgewehrs innerhalb von 2h aufschreiben? Was muss denn da bis Ende des Jahres wieder für ein Blödsinn fabriziert werden?
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