Aus für Pullach BND zieht nach Berlin

Der Bundesnachrichtendienst (BND) wird das bayerische Pullach verlassen und komplett nach Berlin verlagert. Der Grund: Regierung, Parlament und der Geheimdienst sollen enger beieinander sein.


BND-Gebäude in Pullach: In drei Jahren ist dort Schluss
DPA

BND-Gebäude in Pullach: In drei Jahren ist dort Schluss

Berlin - Den Umzug beschloss das Sicherheitskabinett am Freitag in Berlin. Schritt für Schritt soll die Behörde mit ihren 5000 Mitarbeitern umziehen. In Berlin wird der BND in die Clay-Kaserne in Zehlendorf einziehen. Bereits jetzt arbeiten rund 1000 Leute der BND-Auslandsabteilung in der Hauptstadt. Bis etwa 2006 soll der Umzug abgeschlossen sein. Im Großraum München werde eine neue technische BND-Einrichtung geschaffen, die ihren Sitz aber nicht in Pullach habe, sagte der stellvertretende Regeriungssprecher Thomas Steg.

Grund für den Umzug ist laut Steg die veränderte Sicherheitslage und die neue außenpolitische Rolle Deutschlands. Zudem sei Ortswechsel notwendig, um eine enge räumliche Verzahnung zwischen Bundesregierung und Parlament einerseits und den Nachrichtendiensten andererseits zu schaffen.

Die CSU zeigte sich empört. "Das ist ein schwerer Schlag für die Region München", erklärte der CSU-Bundestagsabgeordnete Herbert Frankenhauser. Angesichts der neuen modernen Kommunikationsmittel sei dies eine unnötige und unverständliche Maßnahme der Regierung. "Es gibt in Deutschland wahrlich dringlichere Probleme als die sehr teure Verlegung eines auf modernsten Standard voll ausgebauten Nachrichtendienstes", erklärte der bayerische Ministerpräsident Stoiber. Mit der Auslandsabteilung des BND in Berlin sei die Anbindung an die Bundesregierung sichergestellt.

In Berlin wurde darauf hingewiesen, dass Ottobrunn im Großraum München von der Bundesregierung vor kurzem den Zuschlag als Standort für das künftige europäische Satellitensystem "Galileo" erhalten hat. Mit diesem Milliarden schweren staatlich geförderten Industrieprojekt seien Tausende von Arbeitsplätzen verbunden.



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