Hamburg - Ohne sie wird es nicht klappen: Tagesmütter und -väter sind eine fest eingeplante Größe beim Ausbau der Krippenplätze bis zum August dieses Jahres. In knapp einem halben Jahr haben alle Kinder zwischen ein und drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Die Kindertagespflege dient dabei als gleichwertige Alternative zu den Krippenplätzen. 30 Prozent der insgesamt 780.000 Plätze sollen dort entstehen.
Doch die Realität ist weit davon entfernt: Den jüngsten Zahlen zufolge, die aus dem März 2012 stammen, besuchen rund 86.000 der unter Dreijährigen eine Tagesmutter. Das entspricht 15,4 Prozent der betreuten Kinder.
Nun hat das Deutsche Jugendinstitut den Ausbau der Kindertagespflege untersucht. Die Autoren haben in 158 Jugendamtsbezirken die Daten der letzten vier Jahre ausgewertet. Die Quintessenz: Es hapert an der schleppenden Professionalisierung des Metiers. Kindertagespflege hat demnach bis heute nicht das Ansehen eines richtigen Berufs. Mitautor Gabriel Schoyerer: "Ein Beruf zeichnet sich durch eine längerfristig angelegte Tätigkeit aus, die auf der Basis von Fachkenntnissen existenzsichernd ausgeübt wird. Das trifft derzeit keinesfalls für alle tätigen Tagespflegepersonen zu, so dass ich nicht einheitlich von einem Beruf sprechen würde." Erste Schritte gebe es zwar, aber die müssten konsequent fortgesetzt werden.
Einkommen nahe der Armutsgrenze
Die Autoren haben verschiedene Faktoren untersucht. So etwa die Bezahlung. Zwischen 2009 und 2012 ist demnach der durchschnittliche Stundenlohn pro Kind an den Modellstandorten von 3,65 Euro auf 4,13 Euro gestiegen. Die regionalen Unterschiede sind dabei groß. 2012 reichten sie von 2,10 Euro pro Stunde bis 6,70. Von diesem Geld müssen allerdings auch Kosten etwa für Essen und Spielzeug getragen werden. Drei Euro pro Stunde sind der Untersuchung zufolge keine Seltenheit. Wer für diesen Satz drei Kinder jeweils 30 Stunden pro Woche betreue, liege mit seinem Einkommen unter der Armutsgrenze.
Die Studie beleuchtet auch die Qualifikation der Tagesmütter und -väter. Die hat demnach deutlich zugenommen: 2006 hatten gut 15 Prozent einen pädagogischen Berufsbildungsabschluss und einen Qualifizierungskurs besucht. 2012 waren das knapp 25 Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm die Zahl der Tagesmütter ganz ohne Qualifizierung von knapp 33 Prozent auf rund sieben Prozent ab. Allerdings fehle bis heute ein einheitliches Berufsbild.
Vielfach schlecht geregelt ist der Untersuchung zufolge bis heute die Vertretungsregelung bei Krankheit oder Urlaub. Nur in zwölf Prozent der untersuchten Bezirke gebe es dabei keine Probleme. Dabei seien die Kommunen ausdrücklich vom Gesetz her verpflichtet, eine Vertretung sicherzustellen.
Um künftig mehr und besser ausgebildete Tagesmütter zu bekommen, setzen die Autoren darauf, dass sich die Kindertagespflege zu einem vollwertigen Beruf entwickelt. Mit einem höheren Ausbildungsniveau steige schließlich auch die gesellschaftliche Akzeptanz dieser Form der Betreuung.
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