Auslandsreisen Westerwelle nimmt Mronz auch künftig mit an Bord

Außenminister Westerwelle gibt sich unbeeindruckt von der Kritik an der Reisepraxis mit seinem Lebensgefährten Mronz. "Das wollen und werden wir fortsetzen", sagte der FDP-Chef in Südamerika - und wies den Vorwurf zurück, der Eventmanager Mronz nutze die Reisen zur Geschäftsanbahnung.

DPA

Aus Buenos Aires berichtet


Eigentlich wollte Guido Westerwelle über die leidige Angelegenheit gar nicht mehr reden. Als seine Mitarbeiter ihm die Presseberichte aus der Heimat vorlegten, wurde dem Außenminister aber klar, dass Schweigen keine Option ist.

Kurzerhand entschied er sich am dritten Tag seiner Südamerika-Reise, erneut in die Offensive zu gehen. Nur antwortete Westerwelle auf Vorwürfe, die ihm niemand gemacht hatte. "Für mich ist die Förderung der deutschen Wirtschaftsinteressen im Ausland eine außenpolitische Priorität, weil es um deutsche Arbeitsplätze geht", sagte er. "Deswegen ist es gut, dass mich eine hochrangige Wirtschaftsdelegation begleitet."

Für Verwunderung hatte allerdings nicht die Anwesenheit von Wirtschaftsvertretern gesorgt, sondern die Tatsache, dass sich darunter auch Spender an die FDP befinden. Darüber hatte der SPIEGEL berichtet. Dazu sagte Westerwelle nichts.

Dass sein Lebensgefährte Michael Mronz, ein Eventmanager, ihn begleitet, kann Westerwelle nicht anrüchig finden. "Ich freue mich, dass Herr Mronz sich die Zeit nimmt, mich auf eigene Kosten zu begleiten, um sich in der Region über soziale Projekte zu informieren und sich dafür zu engagieren. Das wollen und werden wir fortsetzen."

Brasilien, wo Mronz den Außenminister ebenfalls begleitet, richtet in vier Jahren die Fußballweltmeisterschaft und in sechs Jahren die Olympischen Spiele aus. Auch darum soll es bei dem Besuch Westerwelles gehen. Freund Mronz ist als Eventmanager und vor allem im Sportbereich tätig, auch dazu sagte Westerwelle nichts.

Kritiker werfen Westerwelle und Mronz vor, Ämter und Privatleben nicht auseinanderzuhalten.

Steinmeiers Mahnung, Oppermanns Kritik

Der frühere Außenminister und amtierende SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hatte die Mitreise-Praxis Westerwelles zwar grundsätzlich verteidigt, den FDP-Politiker dennoch ermahnt: "Die Tatsache, dass ein Außenminister mit einer Delegation reist, ist gut und richtig", sagte Steinmeier dem Sender N24 am Dienstag. Dass diese Delegation bei einem wichtigen Exportland wie Deutschland auch aus Unternehmern bestehe, halte er für selbstverständlich. "Falsche Eindrücke sollte man dennoch vermeiden", fügte er hinzu.

Steinmeier sagte, seine Ehefrau sei nur selten bei Auslandsreisen dabei gewesen, meistens bei EU-Veranstaltungen mit ausdrücklichem Partnerprogramm. "Meine Frau ist Richterin. Sie hatte dafür erstens keine Zeit. Und zweitens ist das auch nicht ihr Sinnen und Streben gewesen, mich auf Auslandsreisen zu begleiten", sagte der ehemalige Vizekanzler.

Der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Es ist richtig, wenn der Außenminister bei seinen Auslandsreisen von Wirtschaftsdelegationen begleitet wird. Bei der Zusammensetzung der Delegationen darf jedoch die Höhe der Spenden an die FDP keine Rolle spielen", sagte Oppermann und fügte hinzu, geneigte Firmen unterstützten die FDP "mit satten Spenden vor der Wahl". Nach der Wahl nehme dann der Außenminister "seine Freunde mit ins Ausland auf 'Geschäftsreise'".

Die einwöchige Lateinamerika-Reise des Außenminister endet am Freitag.

Mit Material von dpa

Forum - Ist die FDP noch glaubwürdig?
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Seite 1
genugistgenug 07.03.2010
1. Ist die FDP noch glaubwürdig? N.E.I.N.
Zitat von sysopSeit Wochen kämpft die FDP gegen den Ruf der Käuflichkeit - jetzt erhalten die Vorwürfe neue Nahrung. Nach einem SPIEGEL-Bericht über die Reisedelegationen von Außenminister Westerwelle wittert die Opposition Amtsmissbrauch. Wie glaubwürdig ist die FDP noch? Diskutieren Sie mit!
wie weit geht Westerwelle noch? Wie lange duldet die FDP seine Machenschaften? Wie durchseucht ist die FDP selbst von diesem Gedankengut? Zuerst läßt sich die FDP kauf..äh etwas spenden, um davon abzulenken peitscht Westerwelle auf Bedürftige ein - zwischendruch kommt die Nachricht dass im Saarland die Grünen Spenden eines FDP Mitgliedes angenommen haben, dann läßt Westerwelle den Bruder Barnabas auf dem Nockherberg kreuzigen (unter Zuhilfenahme des Zentralrates dessen Vorsitzende bei dem Witz über die Katholiken, Päderatsen und die Nieten die das Schifflein Petri zusammenhalten, slebst gelacht hat), auch wieder nur um abzulenken. Wieso veröffentlicht die FDP nicht gleich Preislisten? Wieso werden die Wählerstimmen nicht direkt gekauft? PS. auf dem Nockherberg wurde Westerwelles Traum sehr gut präsentiert. In dem Lied 'ich reise gratis um die Welt' Vielleicht findet er mal eine never come back airline und nimmt die ganze ReGIERUng mit.
ewspapst 07.03.2010
2. Politik
Zitat von sysopSeit Wochen kämpft die FDP gegen den Ruf der Käuflichkeit - jetzt erhalten die Vorwürfe neue Nahrung. Nach einem SPIEGEL-Bericht über die Reisedelegationen von Außenminister Westerwelle wittert die Opposition Amtsmissbrauch. Wie glaubwürdig ist die FDP noch? Diskutieren Sie mit!
Wie so "noch"? Nicht nur angefangen von Lambsdorf ....
Erasmus2 07.03.2010
3. FDP die glaubwürdigste Partei im Parlament
Zitat von sysopNach dem Regierungswechsel sehen sich Union und FDP dem Vorwurf der Klientel-Politik ausgesetzt. Eine wichtige Rolle dabei spielen die Parteispenden - und deren Wirkung auf die Politik. Ein Thema, das aktuell, aber nicht neu ist. Wie sehen Sie diese Problematik? Welchen Einfluss haben Parteispenden auf die Politik?
Das wäre ja auch mal was ganz Neues, wenn die Opposition sich nicht nur in jämmerlichen Schlammschlachten ergehen, sondern tatsächlich Lösungsvorschläge für die Probleme dieses Landes präsentieren würde. Gabriel hat Westerwelle als Rechtsradikalen gebrandmarkt, weil er gefordert hat, Arbeitslose müssten für die Gesellschaft tätig werden. TAGE später sagt SPD-Vize Kraft genau dasselbe. Sie geht sogar noch weiter und attestiert jedem vierten Hartzer Chancenlosigkeit. Na, das ist doch mal ermunternt. Was soll denn mit so einer Aussage gewonnen werden? Sie ist auf den Einzelfall gar nicht anwendbar und schafft ein generelles Gefühl der Ohnmacht. Was wäre in dieser Republik losgewesen, hätte Westerwelle sowas gesagt? Also liebe Grüne und liebe SPD. Einfach mal versuchen konstruktiv zu arbeiten. Politik erschöpft sich nicht in der Diskreditierung und Zerstörung der Gegner. Die linke Intoleranz und Doppelmoral muss auch mal ein Ende haben. Die FDP macht genau das was sie vor der Wahl angekündigt hat. Man muss schon ziemlich verdreht sein, um das als was Schlechtes zu brandmarken. Wenn es eine Partei gibt, die nun wirklich überhaupt keine Glaubwürdigkeit besitzt, dann ist es die SPD. Stichwort Mehrwertsteuererhöhung. Die Opposition will nur von den eigenen Leichen im Keller ablenken. Und SPON macht natürlich fleißig mit.
Crunchilla 07.03.2010
4. ...
Ich frage mich, ob die FDP Wähler wirklich überrascht sind. Das Problem ist momentan, dass das was die FDP tut, wahrscheinlich auch alle anderen Parteien tun, aber die Gesamtschau der Ereignisse, die in den letzten Wochen eingetreten sind, vermittelt tatsächlich den Eindruck vermittelt, dass hier eine Art Käuflichkeit gegeben sein könnte. Aber dennoch hätte ich es mir bei einer Partei wie der FDP denken können, dass immer noch ein bisschen mehr in dieser Richtung passiert, als bei den anderen. Wer das nicht wusste, der sollte sich ein bisschen mehr mit Politik beschäftigen und nächstes Mal genau überlegen, was er wählt, bevor dann wieder motzt.
Dr_Lecter 07.03.2010
5. Korruption
Man wird in diesem Land ja wohl noch sagen dürfen, dass korrupte Politiker aus dem Amt entfernt werden müssen! Wenn Herr Westerwelle das verbieten will, ist das Sozialismus!
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