Aussagen zu Homosexuellen: Westerwelle lobt den Papst

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Außenminister Westerwelle: "Vielleicht setzt das eine Diskussion in Gang"

Die jüngsten Bemerkungen des Papstes "lassen aufhorchen", sagt Außenminister Westerwelle. Er würdigt die Aussagen des Kirchenoberhauptes. Franziskus hatte dazu aufgerufen, Schwule nicht zu verurteilen.

Berlin/Rom - Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat die Äußerungen von Papst Franziskus zur Homosexualität positiv bewertet. Die jüngsten Bemerkungen des Papstes "lassen aufhorchen", sagte Westerwelle der "Rheinischen Post". "Vielleicht setzt das eine Diskussion in Gang." Er wünsche sich zudem, "dass auch die Rolle der Frau in der katholischen Kirche überdacht wird", sagte der FDP-Politiker. Westerwelle lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft mit dem Unternehmer Michael Mronz.

Der Außenminister lobte außerdem, dass sich der neue Papst Ländern zuwende, "die vor großen sozialen Herausforderungen stehen". Dies sei sehr klug und bemerkenswert.

Franziskus hatte sich auf dem Rückflug von seiner Reise vom Weltjugendtag in Brasilien nach Rom gegen eine Ausgrenzung Homosexueller ausgesprochen. Es stehe ihm nicht zu, über homosexuelle Menschen zu urteilen, die "guten Willens nach Gott" suchten, sagte das Kirchenoberhaupt auf einer spontanen Pressekonferenz im Flugzeug. "Wenn jemand schwul ist und guten Glaubens den Herrn sucht - wer bin ich, über ihn zu urteilen?", fragte er.

Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte 2005 ein Dokument unterzeichnet, nach dem Männer mit homosexuellen Neigungen keine Priester sein sollten. Franziskus zeigte sich nun versöhnlicher. Er sagte: "Homosexuelle sollten nicht an den Rand gedrängt werden. Sie sind unsere Brüder." Sie sollten vielmehr "in die Gesellschaft integriert werden".

Das Problem sei nicht das Schwulsein, das Problem seien die Lobbys im Vatikan, ergänzte der Papst, nach seiner Haltung zu einer angeblichen Homo-Lobby im Vatikan befragt. Vor einigen Wochen hatte Franziskus selbst die Existenz einer solchen Interessengruppe im Vatikan angeprangert.

Zuvor kursierten seit längerem Gerüchte über den Einfluss einer Gruppe homosexueller Geistlicher. Diese wurde teilweise sogar für den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. mitverantwortlich gemacht. "Die Schwulen-Lobby ist nicht in Ordnung, weil Lobbys nicht in Ordnung sind", sagte Franziskus.

heb/dpa

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1. Im Griff der Lobby?
steinschlagx 31.07.2013
Der Papst wiederholt nur was die Kirche schon seit sehr langer Zeit zum Thema gesagt hat: Verabscheue die Sünder, liebe den Sünder. Diese Haltung wird zwar immer von Kirchenhassern verdreht, und man liest regelmässig dass die Kirche Homosexuelle hasst und Homosexuelle diskriminiert. Jetzt tut die Homosexuellenlobby so als ob Papst Franziskus etwas bahnbrechend Neues gesagt hat, und übertreibt die Botschaft, reinterpriert seine Botschaft. Scheinbar hofft man diesen Papst als Sympathisanten ihrer Sache darzustellen wollen, in der Hoffnung dass eine solche Vereinnahmung zu konkreten Schritten führt.
2. Dieser Papst
4qfghei3pers 31.07.2013
Dieser Papst hat nur seine eigene Bescheidenheit und Demut unter Beweis gestellt indem er sagte: "wer bin ich, daß ich Schwule verurteile"?. Er hat weder zum Problem selbst noch eine Wertung vorgenommen. Man kann ihn loben für seine Haltung, sich selber nicht zu überschätzen, mehr aber nicht. Dass Homosexuelle seine Äußerung gern für sich verwenden, ist nachvollziehbar, geht aber an den Tatsachen vorbei.
3. Ein Sack Reis,
tutnet 31.07.2013
der umfällt oder nicht, hätte mehr Inhalt
4. sehr billig
tulius-rex 31.07.2013
"Homosexuelle sollten nicht an den Rand gedrängt werden. Sie sind unsere Brüder." Sie sollten vielmehr "in die Gesellschaft integriert werden". Worüber freut man sich, wenn ein Papst Selbstverständliches aus dem Menschenrechtskatalog von sich gibt? Wo liegt da ein Schritt nach vorne? Die Kirche und ihre Gläubigen weichen immer noch angstvoll zurück und befürchten Ansteckungsgefahr wie bei einer Grippe.
5. Die Sünde, nicht den Sünder
Gastone 31.07.2013
Zitat von steinschlagxDer Papst wiederholt nur was die Kirche schon seit sehr langer Zeit zum Thema gesagt hat: Verabscheue die Sünder, liebe den Sünder. Diese Haltung wird zwar immer von Kirchenhassern verdreht, und man liest regelmässig dass die Kirche Homosexuelle hasst und Homosexuelle diskriminiert. Jetzt tut die Homosexuellenlobby so als ob Papst Franziskus etwas bahnbrechend Neues gesagt hat, und übertreibt die Botschaft, reinterpriert seine Botschaft. Scheinbar hofft man diesen Papst als Sympathisanten ihrer Sache darzustellen wollen, in der Hoffnung dass eine solche Vereinnahmung zu konkreten Schritten führt.
Sie meinen sicher das Credo jeder guten Seelsorge: Verachte die *Sünde*, aber nicht den Sünder! Ansonsten haben Sie recht. Franziskus gibt nur in anderen Worten das wieder, was traditionelle Lehre der Kirche ist und auch im Katechismus steht - Homosexuellen ist grundsätzlich mit Achtung zu begegnen. Das gilt für alle Menschen und entspricht dem christlichen Grundgebot. Diskriminierung und Nächstenliebe schließen sich aus (nein, die Nichtzulassung zum Priesteramt ist aus kirchlicher Sicht noch keine Diskriminierung - das ist nach wie vor kein Menschenrecht). Davon abgesehen unterscheidet die Kirche zwischen Menschen, die lediglich homosexuelle Neigungen haben, und solchen, die sie ausleben. Letzteres ist laut Bibel nun mal eindeutig Sünde. In diesem Punkt kann und wird sich kein Papst jemals anders positionieren. Die einzige Abweichung zu Benedikt, die denkbar wäre und nun manche aus der Franziskus-Aussage herauszulesen glauben, ist die vage Andeutung, dass Männer, die lediglich homosexuell veranlagt, aber zu einem zölibatären Leben bereit sind, vielleicht doch Priester werden können. Denn zölibatär - also keusch - zu leben wird ja bekanntlich von jedem Priester verlangt. Dass das nicht jeder schafft, ist eine andere Frage - aber ausnahmsweise mal nicht die, um die es hier geht.
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