Außenminister Fischer Ich habe einen Polizisten verprügelt

Der Bundesaußenminister hat sich in einem Interview freimütig zu seiner militanten Vergangenheit geäußert. Demnach besetzte Joschka Fischer Häuser, warf Steine und "langte kräftig hin". Die CDU fordert seinen Rücktritt.


Demonstrant Fischer in Wackersdorf
AP

Demonstrant Fischer in Wackersdorf

Hamburg - In dem Interview mit dem "Stern" räumte der Grünen-Politiker ebenfalls ein, während seiner Zeit als Straßenkämpfer Anfang der siebziger Jahre in Frankfurt am Main einen Polizisten niedergeschlagen zu haben. "Ja, ich war militant. Wir haben Häuser besetzt, und wenn die geräumt werden sollten, haben wir uns gewehrt. Wir haben Steine geworfen. Wir wurden verdroschen, aber wir haben auch kräftig hingelangt", sagte der 52-Jährige. Dem "Stern" liegen bisher unbekannte Fotos vor, die Fischer den Angaben zufolge zeigen, wie er dem Beamten einen Faustschlag versetzt.

Der Vorfall hat sich den Angaben zufolge im April 1973 im Stadtteil Bornheim zugetragen. Auf fünf Fotos sei zu erkennen, wie der mit Motorradhelm und Handschuhen ausgerüstete Fischer zuschlägt und der Polizist zu Boden geht. Anschließend wird der am Boden liegende Beamte von Fischer und einer Gruppe anderer Gewalttäter getreten. Fischer sagte, an dem Tag habe die Polizei mit Schlagstockeinsatz eine Demonstration aufgelöst. "Damals lief ich allein und mit nichts in meinen Händen zum ersten Mal nicht mehr weg, sondern der Polizei entgegen."

Staatsmann Fischer
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Staatsmann Fischer

Er sei zum Teil der "Faszination revolutionärer Gewalt erlegen", sagte Fischer. "Es war eine Zeit, in der auf Rudi Dutschke geschossen wurde, eine Zeit der härtesten Konfrontation, des öffentlich gepredigten Hasses gegen die Studenten, wo für uns die deutsche Demokratie ein Gesicht zeigte, das die Kontinuität des Nationalsozialismus aufscheinen ließ." Das habe ihn auf einen Weg geführt, "wo man ganz praktisch den Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung wollte".

Fischer bekräftigte aber, er habe zusammen mit seinen Freunden "massiv darauf hingearbeitet, um Gottes willen den Schritt zum bewaffneten Kampf, zum Terrorismus nicht zu tun". Auch Molotow-Cocktails habe er nie geworfen.

Zur Verhandlung gegen seinen ehemaligen Weggefährten, den späteren Terroristen Hans-Joachim Klein, gegen den zurzeit wegen Mordes vor dem Frankfurter Landgericht verhandelt wird, sagte Fischer, es sei eine Tragödie, dass sich Klein mit der terroristischen Szene eingelassen hat. "RAF und Revolutionäre Zellen waren aber nie mein Fall, im Gegenteil, wäre Hans-Joachim Klein in unsrem Milieu geblieben, stünde er heute nicht vor Gericht."



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