Austritt aus der CDU Nitzsche sieht sich als Buhmann verunglimpft

Der umstrittene CDU-Mann Henry Nitzsche hat bestätigt, dass er die Partei verlässt. Sein Bundestagsmandat will der mit rechtslastigen Sprüchen unangenehm aufgefallene Sachse behalten. Schwere Vorwürfe erhebt er gegen die Spitze seines bisherigen Landesverbands.


Leipzig - "Ich habe es satt, der Buhmann zu sein", sagte der 47-Jährige. Er bestätigte heute morgen seinen Parteiaustritt und wiederholte Vorwürfe gegen die Parteispitze in Sachsen: Sie habe zunächst seine umstrittenen Äußerungen toleriert, "um mich dann nach öffentlichem Druck als rechtsradikal zu verunglimpfen". Namentlich nannte er CDU-Chef und Ministerpräsident Georg Milbradt sowie Generalsekretär Michael Kretschmer. Sein Bundestagsmandat will er behalten. Sein Wahlkreisbüro liegt im sächsischen Kamenz.

Henry Nitzsche: "Nie wieder Multi-Kulti-Schwuchteln"
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Henry Nitzsche: "Nie wieder Multi-Kulti-Schwuchteln"

Nitzsche hatte unter anderem bei einer CDU-Veranstaltung mit Blick auf die einstige rot-grüne Koalition gesagt, Deutschland dürfe "nie wieder von Multi-Kulti-Schwuchteln in Berlin regiert" werden. Außerdem soll er mit Blick auf den Umgang Deutschlands mit seiner Vergangenheit von "Schuldkult" gesprochen haben. Maßgebliche CDU-Politiker hatten Nitzsche dafür zwar gerügt, ihm Konsequenzen aber erst für den Fall weiterer Entgleisungen angedroht. Schon früher hatte der Abgeordnete bundesweit Aufsehen erregt: 2003 sagte er zum Wahlverhalten türkischstämmiger Deutscher, eher werde "einem Moslem die Hand abfaulen", als dass er CDU wähle.

Der sächsische CDU-Generalsekretär Kretschmer hat sich "erleichtert" über den Austritt gezeigt. Die Debatte um Nitzsche sei in den vergangenen Tagen und Wochen für die Union "bedrückend und sehr belastend" gewesen, sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Es habe sich um "beleidigende Attacken" Nitzsches gehandelt, die nicht "Teil des Unions-Denkens" seien. Er wünsche sich nicht, dass so etwas noch einmal vorkommt, sagte Kretschmer der Zeitung.

Eine Entschuldigung für seine Äußerungen lehnt Nitzsche der "Sächsischen Zeitung" zufolge ab. Sie zitiert ihn mit folgenden Worten: "Ich würde erneut den Trend benennen, dass Multi-Kulti-Schwuchteln unser Vaterland heruntergewirtschaftet haben."

ler/AP/dpa



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