Drohende Kürzungen Steinmeier steht zu Islam-Internetauftritt

Die Seite Qantara.de widmet sich dem Dialog mit dem Islam. Das Auswärtige Amt dementiert jetzt Gerüchte, die jährliche Förderung werde eingestellt. Es gehe aber um finanzielle Anpassungen, stellt das Ministerium von Frank-Walter Steinmeier klar.

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Blogger in Iran: Über das Internet mit der Welt im Gespräch
REUTERS

Blogger in Iran: Über das Internet mit der Welt im Gespräch


Berlin - Die kulturpolitische Szene in Deutschland, die sich mit dem Islam beschäftigt, ist derzeit besorgt: Das Auswärtige Amt könnte die Förderung der Internetseite Qantara.de einstellen, wurde befürchtet. Und das gerade jetzt, wo mit den Krisengebieten im Irak, Syrien, dem Aufkommen des IS mehr denn je Bedarf nach hintergründiger Information besteht.

Das Projekt, seit 2003 vom Auswärtigen Amt gefördert, stellt Artikel aus der islamischen Welt auf Deutsch, Englisch und Arabisch ins Netz. Hier publizieren auch Autoren aus dem arabischen Raum, die in ihren Ländern keine oder kaum Medien finden. Qantara.de ist auch für viele deutsche Journalisten, die sich mit den Entwicklungen im Nahen Osten beschäftigen, eine wichtige Quelle.

Erst im vergangenen Jahr wurde die Seite auf Antrag der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt evaluiert. Dem Auftritt wurde anschließend "hohe Wertschätzung und Anerkennung als mediale Brücke zwischen Deutschland, Europa und der islamischen Welt" bescheinigt. Das Ergebnis: Die Website sollte weiter betrieben werden, bis mindestens 2019, so die Empfehlung. Mit 300.000 Euro wird das Projekt jährlich vom Amt unterstützt. Die Zahl der Zugriffe stieg zuletzt kontinuierlich, auf Facebook hat Qantara.de rund 330.000 Anhänger, davon mehr als 200.000 aus dem arabischen Raum.

"Einstellung der Förderung steht nicht zur Debatte"

Die Gerüchte um ein drohendes Aus sorgten auch unter Auslands-Korrespondenten für Verärgerung. "Berlin reißt eine Brücke in die arabische Welt ein", hieß es in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Deren Korrespondent in Kairo, Markus Bickel, verpasste der Kulturpolitik des Auswärtigen Amtes einen polemischen Seitenhieb. "Weitaus erklecklichere Summen als die jährlich rund 300.000 Euro, die Qantara.de kostet, steckt die Bundesregierung künftig in die Ausbildung kurdischer Peschmerga-Einheiten", schrieb er mit Blick auf die Waffenlieferungen der Bundeswehr in den Nordirak.

Im Internet, auf Twitter und auf anderen sozialen Nachrichtenseiten werden die Gerüchte um einen drohenden Förderstop nun zum Teil schon als feststehende Nachricht verkauft. Doch das Auswärtige Amt dementiert: Eine Sprecherin sagte am Dienstag SPIEGEL ONLINE, kulturpolitische Maßnahmen in der islamischen Welt hätten hohe Priorität. "Erst gestern hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier entschieden, mit einem neuen Stipendienpaket die Unterstützung für Syrien im akademischen Bereich massiv auszubauen. Ab 2015 werden bis zu drei Millionen Euro jährlich zur Verfügung gestellt."

Die Seite sei im vergangenen Jahr evaluiert worden. "Mit Qantara und unseren weiteren Partnern diskutieren wir gegenwärtig eventuell notwendige Anpassungen. Dabei geht es auch um die Frage der finanziellen Ausstattung", hieß es weiter.

Eine Entscheidung darüber, ob ein Projekt im nächsten Haushaltsjahr fortgerührt werden könne, hänge auch davon ab, ob entsprechende Mittel im Haushalt vorgesehen seien. "Eine Einstellung der Förderung von Qantara zum Jahresende steht jedenfalls nicht zur Debatte", heißt es aus dem Amt.



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insgesamt 2 Beiträge
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messwert 23.09.2014
1.
Sollte die Internetseite “Quantara” ERFOLGREICH zum kulturpolitischen Verständnis hinsichtlich des Islam in Deutschland beitragen, wäre dies doch grundsätzlich im Sinn der hier lebenden Muslime. Für uns Eingesessene ist das ja quasi täglich öffentliches Thema. Bekanntlich können die islamische Fundamentalisten enorme Summen für ihre Propaganda oder Auslandskämpfe sammeln. Warum können dann die nötigen Quantara Mittel für die dominierende, friedlich Einstellung des muslimischen Bevölkerungsteils, in den über 2000 Islamischen Gemeinden NICHT generiert werden? Schließlich kommt Deutschland schon großzügig für ihre besonderen Bedürfnisse in unserer abendländisch- kulturellen Lebensart auf. Während von ihrer Seite doch mehr gefordert, als Bereitschaft dazu gezeigt wird.
*42* neu 23.09.2014
2.
Ich fande die Aussage der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor bei Plasberg spanndend, nicht als Muslima betrachtet werden zu wollen sondern die Wortwahl kritisierte, diese als Muslima zu bezeichnen. Dies stieß auf Widerstand, schließlich besitzt Sie ja auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Nur, mir sei die Frage gestattet, erkennt eine Wissenschaftlerin, welche auch Schüler unterrichtet, nicht, wenn diese in Extreme abgleiten? Gehen die Lehrinhalte auch mit unserem Grundgesetz konform? Das war echt teuer erkauft!
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