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Auszeichnung: Schröder für den Friedensnobelpreis nominiert

Von Kerstin Jansen und Lars Langenau

Gerhard Schröder ist laut einer dpa-Meldung für den angesehensten Preis der Welt, den Friedensnobelpreis, vorgeschlagen worden. Offiziell wurde die Meldung vom norwegischen Nobel-Institut noch nicht bestätigt - unklar ist auch, wer Schröder vorgeschlagen haben soll.

Kanzler Schröder: Nominierung für den Friedensnobelpreis?
DPA

Kanzler Schröder: Nominierung für den Friedensnobelpreis?

Oslo/Hamburg - Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE gab sich der Direktor des Nobel-Instituts, Geir Lundestad, in Oslo äußerst verschwiegen. Grundsätzlich wollte er Schröders Nominierung weder bestätigen noch dementieren. Auch wollt er sich nicht dazu äußern, ob es sich um eine Nominierung für dieses Jahr handelt, wie dpa unter Berufung auf "gut unterrichtete Kreise" berichtet, oder erst für 2006. Fristende für die diesjährige Nominierung war im Februar.

Auch wer Schröder vorgeschlagen hat, wollte Lundestad nicht verraten. Nur so viel: Das Recht, einen Kandidaten zu nominieren, haben beim Friedensnobelpreis grundsätzlich vorhergehende Nobelpreisträger in dieser Kategorie. Lundestad sagte, die Auflösung, von wem eine Person nominiert wurde, werde für 50 Jahre geheim bleiben.

Am Vorabend hatte der Schriftsteller und Träger des Literaturnobelpreises, Günter Grass, erklärt, er sehe in Schröder wegen dessen Verweigerung einer deutschen Teilnahme am Irak-Krieg einen Kandidaten für den Friedensnobelpreis. Grass ist seit Jahren auch Wahlkämpfer für die SPD. Das Büro von Grass sagte jedoch auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, er habe den Vorschlag definitiv nicht gemacht. Da er selbst den Literaturnobelpreis erhalten habe, habe er das auch gar nicht tun können. Vielmehr beruhe so eine Entscheidung erfahrungsgemäß auf einer Vielzahl von Stimmen, die zuvor auf der ganzen Welt gesammelt worden seien.

Der diesjährige Preisträger wird offiziell erst am 14. Oktober um 11 Uhr in Oslo bekannt gegeben. Die Verleihung des Preises ist für den 10. Dezember angesetzt. Zu den Kandidaten dieses Jahres sollen unter anderem der frühere US-Außenminister Colin Powell, der ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko, die irischen Rockmusiker Bono und Bob Geldof und der chinesische Menschenrechtler Wei Jingsheng gehören.

Im vergangenen Jahr wurde die mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Auszeichnung an die kenianische Umweltschützerin und Menschenrechtlerin Wangari Maathai vergeben. Letzter deutscher Preisträger war 1971 der damalige Bundeskanzler Willy Brandt (SPD).

Regierungssprecher Bela Anda sagte in Berlin, er habe keine Erkenntnisse darüber, ob es einen Vorschlag zur Nominierung des Kanzlers gebe. FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt sprach von "reinem Wahlkampf". Es sei von vornherein klar gewesen, dass die SPD versuchen werde, "die Irak-Karte noch einmal zu spielen", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Für die PDS-Abgeordnete Petra Pau wird der Friedensnobelpreis durch den Schröder-Vorschlag "entweiht". Zu keiner Zeit seien so viele Auslands-Einsätze der Bundeswehr beschlossen worden wie unter der Regentschaft des jetzigen Kanzlers.

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