Von Holger Kulick

Im Straßenkinderzentrum Galiläa von Luanda
Eberswalde - Diese Gruppe hätte eigentlich einen Besuch von Gerhard Schröder verdient, als er im Sommer 2001 auf seiner Sommer-Ost-Tour Eberswalde berührte. Seit drei Jahren beschäftigen sich Schüler des Eberswalder Finow-Gymnasiums mit einer selbstgegründeten "AG Multikulturelle Interessen" vor allem mit Afrika. Seit der Ermordung des Angolaners Amadeu Antonio in Eberswalde durch Rechtsradikale gilt das Interesse der Eberswalder Schüler dem Heimatland des Opfers: Angola. So entwickelte sich die Idee, in das Bürgerkriegsland zu reisen, um dort eine Schulpartnerschaft zu begründen: Zwischen dem Gymnasium Finow in Eberswalde und einem Straßenkinderzentrum der Methodisten in Luanda, wo die meisten der vier Millionen Menschen in Armut leben.
Das Ziel war, mehr über die Menschen dort zu erfahren und ihnen etwas von der Lebenswelt von Schülern in Deutschland zu zeigen. Zudem sollte ganz praktische Entwicklungshilfe geleistet werden. Bei der Vorbereitung halfen zahlreiche Klassen und Kurse der Schule mit. Die Schüler erstellten Bildmaterial über ihre Lebensgewohnheiten, drehten ein Video über ihren Schulalltag und übersetzten es ins Portugiesische und brachten neben 1700 mühsam gesammelten Dollar auch das Rezept für Eberswalder Spritzkuchen als etwas typisch Deutsches mit nach Angola.
Außerdem wurde ein Wandbild entworfen, das in Luanda gemeinsam mit den Gastgebern umgesetzt werden sollte: Eine schwarze und einen weiße Hand reichen sich die Finger vor dem Erdball im Hintergrund.
Schwieriges Geldsammeln

Beaux Esperanza - eines der ärmsten Viertel Luandas
Gerade das Spendensammeln habe wieder einmal den weit verbreiteten Rassismus bloßgelegt, schildert die 19-jährige Mitinitiatorin Anja Worm, die gerade ihr Abitur bestanden hat. Sprüche wie "Bimbos" oder "die leben doch hinter dem Busch" seien immer wieder gehörte Rassismen gewesen, und die Bitte, gebrauchte Computer zu spenden, sei mitunter mit den Worten abgelehnt worden: "Wozu brauchen die so was denn, wenn unsere Schulklassen noch nicht genug davon haben".
Aber auch auf angolanischer Seite wurde Vorurteilen begegnet. So wurden alle Weißen erst einmal als reich erachtet, und man musste immer wieder klarmachen, dass trotz drängender Bitten der eigene Rucksack nicht ohne weiteres verschenkt werden kann, weil es sich auch in Deutschland niemand leisten könne, immer wieder neue Rucksäcke zu kaufen.
Mittel für Austausch fehlen

Straßenkids in Luanda
Vielleicht wäre dies auch ein Tip für Bildungspolitiker oder vorbeireisende Bundeskanzler: Finanzhilfen für solche Klassenreisen können in einer globalisierten Welt wertvolle Brücken bauen. Vielleicht könnte Gerhard Schröder obendrein seine Entwicklungshilfeministerin bitten, deutsch-portugiesische Schulbücher für Angola zu spenden. Und den Bundespräsidenten könnte der Kanzler gleich mit nach Eberswalde bringen: Hätte die AG Multikulturelle Interessen des Eberswalder Finow-Gymnasiums nicht längst das Bundesverdienstkreuz verdient? Immerhin: In der Vorweihnachtswoche vergab Bundestagspräsident Thierse einen Bürgerrechtspreis an die Gruppe.
Wer mehr über das bislang einmalige Schulprojekt erfahren will, Kontakt: 0178/5907762.
Die Kanzler-Reise nach Eberswalde: Zurück zum Anfang
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