Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


was bleibt übrig am Ende eines langen, vielleicht mühseligen Monats, nach all der Arbeit, all den Ausgaben, den Tankfüllungen, Einkäufen, Fixkosten? Wir wollten das genau wissen. Maik Großekathöfer hat in die Haushaltsbücher von Mittelschichtsdeutschen geschaut und gesehen, dass die Alleinerziehende Lénaik Le Héritte den Monat mit einem Saldo von 89,98 Euro abschließt, bei Familie Wendt/Vietz sind es 143,50 Euro, beim Single Stephan Schulze 214,30 Euro. Großekathöfer hat ausführlich mit ihnen gesprochen und allgemeine Daten zur Mittelschicht ausgewertet. So bekommen wir ein genaues Bild davon, wie es den Leistungsträgern unserer Gesellschaft geht. Im neuen SPIEGEL, der heute erscheint, können sie die Geschichte lesen und selbst einen Einblick in die Haushaltsbücher nehmen.

Im Video:

Dirk Kurbjuweit erklärt, warum und wie diese ungewöhnliche SPIEGEL-Ausgabe zustandekam.

DER SPIEGEL
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Heft 31/2017
Wie wir leben, wie wir denken: Ein Heft über Deutschland

Sie werden überrascht sein von diesem SPIEGEL. Er ist so, wie noch kein anderer war. Er hat ein großes Thema, dem sich fast alle Geschichten widmen, und das ist die Lage der Nation. Wir wollten - im Wahljahr - genau wissen, was die Deutschen denken, wie sie leben. Deshalb lassen wir sie ausführlich zu Wort kommen, zum Beispiel in einer Geschichte über die soziale Gerechtigkeit. Cornelia Schmergal und Markus Dettmer haben recherchiert, was sich die Deutschen darunter vorstellen, und wie sie die Lage einschätzen: Geht es bei uns gerecht zu oder nicht? Ich fand die Ergebnisse überraschend.

Unsere Kollegen von SPIEGEL ONLINE werden ab Montag eine Woche lang täglich über das Thema soziale Gerechtigkeit berichten. Die Kollegen von SPIEGEL TV haben für das ZDF eine Dokumentation zum selben Thema produziert, sie wird am Dienstagabend ausgestrahlt. Es ist schön, wenn das gesamte Haus seine Kräfte so geballt ausspielt.

Weil dies ein besonderer SPIEGEL ist, hat er auch eine andere Struktur, ein anderes Layout und eine andere Bildsprache. Zur Lage der Nation passt unser ansonsten hoch geschätztes Ressort Ausland nicht so richtig (sorry!), weshalb wir diesem Heft eine komplett andere Aufteilung gegeben haben: fünf Kapitel. Unsere Fotoredaktion hatte die schöne Idee, jedes Kapitel von jeweils einem (oder zwei) Fotografen gestalten zu lassen. Auch das Layout wurde verändert. Sie werden sehen, dies ist noch der SPIEGEL, aber ein anderer SPIEGEL.

Für den Titel haben wir sechs Karikaturen ausgewählt, die Angela Merkel als Repräsentantin der Nation in typischen Situationen zeigen. Suchen Sie sich am Kiosk einfach den Titel aus, der Ihnen am besten gefällt. Und sollten Sie sich nicht entscheiden können, hätten wir, ehrlich gesagt, nichts dagegen, Sie würden zwei Hefte nehmen (oder drei, vier...).

Angela Merkel bei den Bayreuther Festspielen
DPA

Angela Merkel bei den Bayreuther Festspielen

Eines gilt aber auch für dieses Heft, in dem es viele Reportagen und Essays gibt: Für den SPIEGEL sind investigative Recherchen das Wichtigste, Edelste, und deshalb beginnen wir auch diese Ausgabe mit einer neuen Enthüllung unserer Kollegen vom Ressort Wirtschaft zum Auto-Kartell. Bosch ist offenbar ebenfalls beteiligt. Am Ende vielleicht auch noch Schuco, es hört einfach nicht auf mit diesen deprimierenden Nachrichten, die ja die Lage der Nation verändern. Irgendwie leben wir alle vom Auto (nicht so wenige Deutsche wohl auch für das Auto), und hier wird gerade Ansehen in einem gigantischen Ausmaß verspielt. Dazu kommen Strafzahlungen in Milliardenhöhe, die für Investitionen verloren gehen.

Abgasuntersuchung in Eichenau
REUTERS

Abgasuntersuchung in Eichenau

Wie in jeder Ausgabe schauen wir ausführlich auf die Politik, aber ein wenig anders. Alexander Osang begleitete die Bundeskanzlerin auf ihrer Wahlkampftour und richtete sein Augenmerk dabei besonders auf die Leute, die kommen, um die Kanzlerin zu hören und zu sehen. Ein Paar schenkte Merkel einen Bernstein, Osang hat ausführlich mit ihnen gesprochen, und er hat recherchiert, was mit dem Bernstein geschah. Herzzerreißend. Und da wir schon bei Emotionen sind: Mein Kollege Ullrich Fichtner hatte einen wunderbaren Wutausbruch zum Thema Staatsfinanzen und alles aufgeschrieben. Auf Trump müssen Sie natürlich auch nicht verzichten.

Wir wollten zudem wissen, wie gut die Deutschen über Politik informiert sind, wie kompetent sie ihre Wahlentscheidung treffen. Deshalb haben wir eine Umfrage machen lassen. Als eine Kollegin mir die Ergebnisse vorstellte, sagte sie: O je, die Frauen. Und, tja, es ist leider so, dass die Männer im Durchschnitt weit besser informiert sind. Es lohnt sich wirklich für alle, jede Woche den SPIEGEL zu lesen.

Wahlplakate zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein
DPA

Wahlplakate zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein

Meist habe ich in einem Heft eine Lieblingsgeschichte, aber diesmal kann ich mich nicht entscheiden. Meine Kandidaten (neben den schon genannten):

Drei Gastwirte mit italienischen, türkischen, griechischen Wurzeln plaudern miteinander über ihre deutschen Gäste, was sie so mögen, wie sie sich aufführen, mit welchen Vorurteilen sie kommen. "Warum tanzt du nicht, Grieche?"

Alexander Smoltczyk gewinnt einem Schmutzthema viel Poesie ab, der Mülltrennung.

Gelbe Tonne in Düsseldorf
DPA

Gelbe Tonne in Düsseldorf

Guido Kleinhubbert besucht die Weltmeister der Penibilität, die Damen und Herren vom Statistischen Bundesamt, die alle Zahlen über die Lage der Nation kennen.

Im Video: SPIEGEL-Redakteur Guido Kleinhubbert testet einen Fragebogen und erklärt, was ihm dabei Probleme machte und wie er die Analysefähigkeiten der Mitarbeiter einschätzt.

Bert Bostelmann / DER SPIEGEL

Maik Baumgärtner und Jürgen Dahlkamp besichtigen die desolaten Zustände bei der Berliner Polizei.

Polizeiwagen vor dem Bode-Museum in Berlin
DPA

Polizeiwagen vor dem Bode-Museum in Berlin

Es ist wirklich ein ungewöhnliches Heft. Machen Sie sich einen Eindruck davon, schreiben Sie mir gerne, was Sie davon halten.


Die Meldungen aus der Nacht:

  • In Hamburg hat ein 26-Jähriger wahllos Menschen mit einem Messer angegriffen. Ein Mensch starb, fünf wurden verletzt. Mehr hier
  • US-Präsident Donald Trump trennt sich von seinem Stabschef Reince Priebus. Nachfolger wird der bisherige Heimatschutzminister John F. Kelly. Mehr hier
  • Seine Geschichte bewegte ganz Großbritannien: Nach langem juristischen Streit ist das schwer kranke Baby Charlie Gard gestorben. Mehr hier

Herzlich

Dirk Kurbjuweit

stellv. Chefredakteur
DER SPIEGEL

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
jjcamera 29.07.2017
1. Die Iden des September
Die Politiker, die dieses Verwaltungsgerichts-Urteil als "Sieg" feiern, müssen sich im September warm anziehen.
schmidthomas 29.07.2017
2. Lieber Herr Kurbjuweit,
Ihr Video und die Ankündigung eines "neuen" SPIEGEL hat mich neugierig gemacht. Als ehemaliger Abonnent hoffte ich auf darauf, dass unsere "Repräsentantin", eine kritische Würdigung erfährt. Das Video habe ich mit Interesse konsumiert. Das oder die Hefte werde ich aber trotzdem nicht kaufen. Warum? Bereits die Titelseite(n) lässt/lassen offenbar werden, dass Ihr es immer noch nicht verstanden habt. Merkel die Erlöserin? Never ever. Chance verpasst, sehr schade.
dirk.resuehr 29.07.2017
3. Das Land von Benz und Zuse
Eine Erfindung immerhin schaffte es, die andere versickerte und dann kam IBM, nun versackt und versagt auch die erstgenannte. Das liegt am Management und deren Zielsetzung:Maximaler Gewinn, der eigene dazu. Fast lächerlich, daß sie alle ein Problemchen nicht in den Griff kriegen und ein Land dabei zu verspielen drohen. Höchste Zeit, die Köpfe und Firmenkulturen drastisch zu ändern. Das Gutsherrengehabe der Automobilfürsten ist vorbei. Technik ist gefragt, Ingenieurgenie, müßte doch locker gehen. Erforderlich aber eine offene Diskussionskultur!
m.gu 29.07.2017
4. Herr Kurbjuweit hat den Beitrag super beschrieben, vor allem die
soziale Gerechtigkeit. Herrscht heute in Deutschland eine soziale Gerechtigkeit? Meiner Meinung nach nicht, die Armen werden ärmer und die Reichen immer reicher. Nur die Linken im Bundestag, teilweise auch die Grünen und die SPD Politiker, setzen sich für mehr soziale Gerechtigkeit auch in Deutschland ein. Unsere Politiker, vor allem die der CDU/CSU sollten sich ein Beispiel nehmen an die Politiker folgender Länder, Österreich, Niederlande, Schweden, Norwegen, Dänemark, Finnland und der Schweiz. In den vorgenannten Ländern muss jeder Einwohner, auch die Beamten, Millionäre und Milliardäre in die gesetzliche Rente einzahlen. Es sind die Menschen, die nachweisbar das meiste Geld verdienen, nicht die Verkäuferinnen, Maurer, Fliessenleger u.a. Je mehr Geld in der Kasse um so mehr kann ausgezahlt werden. Deswegen die Mindestrenten in den genannten Minimum 1 000 Euro und mehr. Undenkbar bis heute in Deutschland.
wallot10 30.07.2017
5.
Deutschland in fünf Kapiteln (Akten), als wäre es ein klassisches Drama...... . Dieser Scherz wird sich hoffentlich nicht bewahrheiten! Ansonsten finde ich es eine sehr gute Idee
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