Von Olaf Sundermeyer, Dortmund
In ein paar Tagen werden aus dem östlichen Ruhrgebiet wieder die Busse losfahren. Vollgepackt mit Neonazis im neuen Gewand, das sie am 1. Mai zeigen werden. Im schwarzen Block, den sie eigentlich in Hannover stellen wollen. Dafür mobilisieren sie seit Monaten. Aber der Polizeipräsident und ein Gericht haben etwas dagegen, weil sie mit gewaltsamen Ausschreitungen aus eben dieser Szene rechnen.
Es geht um die Autonomen Nationalisten (AN), eine wachsende gewaltbereite Gruppe, die straff organisiert ist und plötzlich losschlagen kann. Wie beim 1. Mai 2008 in Hamburg, als sie an den gewalttätigsten Krawallen beteiligt waren, die die Stadt seit langem gesehen hatte. Eine ihrer Hochburgen ist Dortmund.

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Die AN kopieren den linken Style, mit Kapuzenpullovern, schwarzen Baseball-Kappen, vermummt mit PLO-Tuch oder Sonnenbrille. Damit üben sie auf Jugendliche eine stärkere Anziehungskraft aus, als es die konventionelle rechte Szene bislang vermochte, hieß es dazu vor einigen Tagen im Bundesinnenministerium, als Minister Wolfgang Schäuble (CDU) ein Rekordhoch bei der politisch motivierten Kriminalität verkündete.
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"Nationaler Sozialismus", "Frei, sozial und national" oder "Autonom, militant, Nationaler Widerstand", so lauten ihre Schlachtrufe bei Aufmärschen. Inzwischen versuchen Neonazis auch den traditionellen Erinnerungstag der Linken, den Tag der Arbeit, mit ihrer Forderung nach einem nationalen Sozialismus zu besetzen.
"Falls Hannover verboten bleibt - wohin fahrt ihr dann?", fragt deshalb einer im Internet-Forum der sehr aktiven AN-Gruppe "Nationaler Widerstand Dortmund". - "Informationen über Ersatzaktivitäten werden kurzfristig intern verbreitet. Wende dich diesbezüglich bitte an die üblichen Verdächtigen", antwortet Dennis Giemsch, Kopf der lokalen Szene. Vor einigen Tagen hatte er bereits ein Konzert veranstaltet, um Geld für die Busfahrt am 1. Mai zu sammeln. Vielleicht geht der Ersatzausflug ja nach Tschechien. Dort radikalisiert sich die Szene massiv. Man unterstützt sich gegenseitig, die AN ist längst eine europäische Bewegung.
Auch im tschechischen Brno wollen die Neonazis des "Narodni odpor" (Nationaler Widerstand) aufmarschieren. Ihre Internet-Seite wird aus Dortmund betreut. Im September waren die Tschechen dort zu Besuch, beim "Antikriegstag", aus dem Giemschs Gruppe ein Fanal machte. Die Erinnerung an den Kriegsbeginn, den Angriff Hitler-Deutschlands auf Polen im Jahr 1939, missbrauchen sie schon seit einigen Jahren, um Deutsche als Kriegsopfer zu stilisieren. Mehr als 1100 Neonazis brachten sie im vergangenen Jahr auf die Straße. Die Demonstration ist auf Jahre hinaus angemeldet. Die Auseinandersetzung mit den Neonazis ist längst ein Politikum in der Stadt, in der sich die rechte Szene schleichend weiter ausbreitet.
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