Hessen Bundeswehrsoldaten erfinden Angriff, um Verspätung zu vertuschen

Beleidigungen als "Nazi" und ein tätlicher Angriff: Eine solche Ausrede haben sich zwei Bundeswehrsoldaten ausgedacht, als sie verspätet zum Dienst erschienen. Die beiden Männer verletzten sich sogar selbst.

Bundeswehrsoldat (Symbolbild)
Getty Images/ Photothek

Bundeswehrsoldat (Symbolbild)


Zwei Soldaten der Bundeswehr sind im hessischen Bad Hersfeld verspätet zum Dienst angetreten und gaben als Grund an, zuvor angegriffen worden zu sein. Die Soldaten seien von drei Männern mit schwarzen Haaren, stark gebräunter Haut und dunkelbraunen Augen beleidigt, geschlagen und getreten worden. Das Problem: Die komplette Geschichte war frei erfunden.

Zuerst hatte die "Hersfelder Zeitung" über die Wendung des Vorfalls berichtet. Die beiden Soldaten brauchten nach Erkenntnissen des osthessischen Staatschutzes schlicht eine Begründung für ihre Verspätung. Sie fürchteten offenbar arbeits- und dienstrechtliche Konsequenzen. Einer der beiden soll laut "Hersfelder Zeitung" bereits zweimal zu spät zum Dienst erschienen sein. Der wirkliche Grund für die Verspätung war demnach ein Verkehrsstau.

Die beiden Soldaten gehören zum Jägerbatallion 1 in Schwarzenborn. Der Kompaniechef habe ein Disziplinarverfahren eröffnet, sagte der zuständige Pressesprecher der 1. Panzerdivision in Oldenburg der Nachrichtenagentur AFP. Über mögliche Konsequenzen wolle er nicht spekulieren, diese seien Sache des Kompaniechefs. Auch die Frage, ob es sich um einen ausländerfeindlichen Vorfall seitens der Soldaten gehandelt habe, wollte er nicht kommentieren.

Soldaten verletzten sich selbst leicht

Die beiden 19-Jährigen hatten angegeben, einer von ihnen sei am vergangenen Mittwoch von drei Männern mit den Worten "Nazi", "Hurensohn" und "Kindermörder" beschimpft und zudem bespuckt worden, als er auf den anderen Soldaten am Straßenrand wartete, um von ihm zur Kaserne mitgenommen zu werden. Als er die drei Männer habe zur Rede stellen wollen, hätten sie ihn niedergeschlagen und auf ihn eingetreten. Als sein Kamerad eingetroffen sei, sei auch er geschlagen worden.

Die leichten Verletzungen brachten sich die beiden Soldaten offenbar selbst bei, bevor sie Anzeige erstatteten. Die beiden 19-Jährigen müssen sich nun nicht nur bundeswehrintern, sondern auch strafrechtlich wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat verantworten.

Das Verteidigungsministerium wollte sich auf Anfrage nicht weiter zu dem Vorfall äußern. Staatssekretär Peter Tauber kritisierte jedoch auf Twitter die beiden Soldaten scharf: "Damit erweisen sie all jenen Kameraden einen Bärendienst, die wirklich von Übergriffen betroffen sind!"

aev/AFP

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